Streik in Griechenland: «Lasst uns unser Vaterland neu beleben»

Aktualisiert

Streik in Griechenland«Lasst uns unser Vaterland neu beleben»

«Jetzt oder nie»: Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou redet den Griechen ins Gewissen - während diese streiken.

Angestellte des offentlichen Transports sind am Streiken und Skandieren.

Angestellte des offentlichen Transports sind am Streiken und Skandieren.

In einer emotionalen Rede hat Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou seine Landsleute zur Geschlossenheit aufgerufen: «Griechenland geht durch eine der schwierigsten Phasen seiner Geschichte», sagte er am Dienstag in Athen.

«Die Beschlüsse, die jetzt gefasst werden müssen, werden von schwerwiegender Bedeutung auch für die kommenden Generationen sein», sagte er vor der Parlamentsgruppe seiner Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) weiter. «Lasst uns unser Vaterland neu beleben. Jetzt oder nie», sagte er in der Ansprache, die vom Fernsehen übertragen wurde.

Griechenland ist vom finanziellen Zusammenbruch bedroht. Deswegen hatte Athen die EU und den Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag offiziell um Hilfe gebeten. Die Euro-Länder wollen Athen allein 2010 mit bis zu 30 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Auf den IWF könnten zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro zukommen.

Athen muss bis zum 19. Mai eine Anleihe über 8,5 Milliarden Euro zurückzahlen und die Summe neu finanzieren. Wegen der dramatischen Haushaltskrise werden die Bedingungen zur Refinanzierung über den Kapitalmarkt immer schlechter.

Anhaltende Proteste

Aus Protest gegen die Sparpläne der griechischen Regierung haben Angestellte am Dienstag den öffentlichen Nahverkehr in Athen lahmgelegt. Für sechs Stunden standen Busse, Strassenbahnen und U- Bahnen in der Hauptstadt still. Der Branchenverbund OSME wandte sich mit der Aktion gegen die Pläne, das Renteneintrittsalter von 61 auf 63 Jahre zu erhöhen und die Pensionszahlungen zu kürzen.

Griechischen Medien zufolge verlangt der IWF, der derzeit mit der Regierung in Athen ein neues Sparprogramm verhandelt, sogar noch härtere Einschnitte. Für den 5. Mai kündigten zwei weitere Gewerkschaften ganztägige Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft an.

Einer neuen Umfrage im Auftrag des Senders Mega TV lehnen 61 Prozent der Griechen die Entscheidung der Regierung ab, die Länder der EU und den IWF um Finanzhilfen zu bitten.

Die anhaltenden Proteste in Griechenland haben bereits einige Investoren nervös gemacht. Sie fürchten, dass die Demonstrationen in soziale Unruhen umschlagen und die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft des Landes treffen könnten. Vorigen Monat war es bereits zu Protesten gekommen, nachdem die Staatsausgaben gedrosselt und die Steuern erhöht worden waren.

(sda)

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