Bözberg AG: Lastwagen bedrängt Familie – «Ich dachte, er will uns umbringen»

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Bözberg AGLastwagen bedrängt Familie – «Ich dachte, er will uns umbringen»

Ein LKW-Fahrer fuhr am Dienstagabend einer Familie im Bözbergtunnel Richtung Frick gefährlich nahe auf. Mehrfach bedrängte er hupend das Auto. Dem Chauffeur droht ein Ausweisentzug von mindestens einem Monat. 

von
Vanessa Travasci

Ein Lastwagen-Chauffeur fährt dem voranfahrenden Auto im Bözbergtunnel gefährlich nahe auf. Immer wieder hupt und bedrängt er die vor ihm fahrende Familie. 

News-Scout

Darum gehts

«Wir hätten den Lastwagen von der Rückbank aus mit der Hand berühren können, wäre keine Scheibe dazwischen gewesen», erzählt ein News-Scout gegenüber 20 Minuten. Er sei am Dienstagabend dieser Woche mit seinen drei Kindern und seiner Frau auf der Autobahn A3 im Bözbergtunnel Richtung Frick unterwegs gewesen. Immer wieder sei ihm der Lastwagen hinter ihm «provokativ» und hupend aufgefahren. «Der Fahrer stand so unter Strom. Ich dachte, er will uns umbringen», fährt der Familienvater fort. 

Der Tunnel sei in eine Fahrtrichtung gesperrt gewesen und der Verkehr wurde auf eine Spur gelenkt. «Ich fuhr die erlaubten 80 Kilometer pro Stunde und hielt den Sicherheitsabstand zum vorderen Auto ein», so der 38-Jährige. Dennoch habe der Lastwagenchauffeur über fünf Minuten lang nicht aufgehört, die Familie zu bedrängen.

«Meine Kinder hatten Angst. Was der Lastwagenfahrer tat, war extrem gefährlich und verantwortungslos», so der Familienvater. Erst als der LKW-Chauffeur gesehen habe, dass seine Frau Handyaufnahmen macht, habe er aufgehört. «Wir kamen mit einem Schock davon», sagt der 38-Jährige. Er werde den Vorfall bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. 

Bei der dritten Verwarnung fristlose Entlassung

20 Minuten konfrontierte die Transportfirma, zu der der LKW gehörte, mit dem Vorfall. Dem Inhaber seien solche Vorwürfe bekannt. «Es kam bereits vor, dass sich Autofahrer bei meinem Transportunternehmen beschwert haben», sagt der Geschäftsführer auf Anfrage. «Es kommt immer wieder zu Diskussionen zwischen Lastwagen- und Autofahrern. Teilweise fahren die Lastwagenchauffeure zu nah auf. Manchmal fahren die Autofahrer auch viel zu langsam», fährt er fort. In allen Fällen suche er das Gespräch mit seinen Mitarbeitern und ziehe Konsequenzen.

«Seitens des Betriebs gibt es eine schriftliche Verwarnung. Nach der dritten folgt die fristlose Entlassung», so der Unternehmer. «Es ist aber klar, dass bei einer Anzeige damit zu rechnen ist, dass der Führerausweis für mindestens einen Monat weg ist», sagt er. 

Ausweisentzug für mindestens einen Monat

Nach Strassenverkehrsgesetz (Art.34 Abs.4) und Verkehrsregeln-Verordnung (Art. 12 Abs. 1) ist gegenüber allen Verkehrsteilnehmenden Abstand zu halten, sodass auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig angehalten werden kann. Bei Missachtung kann der Ausweis für mindestens einen bis hin zu mindestens vier Monaten entzogen werden. Mit einem einmonatigen Ausweisentzug sei sicher zu rechnen, sagte ein auf Strassenverkehrsrecht spezialisierter Anwalt gegenüber 20 Minuten.

Weiter gilt verkehrswidriges Verhalten, um andere Verkehrsteilnehmende unter Druck zu setzen, als Nötigung. In diesem Fall kann nach Strafgesetzbuch (Art. 181) mit einer Freiheitsstrafe mit bis zu drei Jahren gerechnet werden und oder einer Geldstrafe. 

In einem vergleichbaren Fall war ein Lastwagenchauffeur, der auf der A1 bei Wiesendangen zu nah aufgefahren war, 2017 vom Bezirksgericht Winterthur zu einer bedingten Geldstrafe von 3150 Franken verurteilt worden und musste Verfahrenskosten von 1000 Franken zahlen.

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