Weil am Rhein (D): Lastwagen-Elend vor der Schweizer Grenze
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Weil am Rhein (D)Lastwagen-Elend vor der Schweizer Grenze

Weil sie es vor dem Sonntagsfahrverbot nicht in die Schweiz schaffen, stranden etliche Lastwagen jedes Wochenende auf der Autobahn ennet der Grenze. Die Zustände sind prekär und illegal.

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Die Schlange vor dem Grenzübergang nach Basel ist am Wochenende mehrere Kilometer lang.

Die Schlange vor dem Grenzübergang nach Basel ist am Wochenende mehrere Kilometer lang.

Matthias Klaiber
Die Fahrer parken ihre LKW auf der rechten Wartespur. Sanitäre Anlagen sind je nach Standort weit entfernt. Weiter zurück vom Zoll warten sie einfach auf dem Pannenstreifen.

Die Fahrer parken ihre LKW auf der rechten Wartespur. Sanitäre Anlagen sind je nach Standort weit entfernt. Weiter zurück vom Zoll warten sie einfach auf dem Pannenstreifen.

Matthias Klaiber
Der von der Stadt Weil am Rhein zur Verfügung gestellte Stauraum reicht lange nicht für alle Lkw.

Der von der Stadt Weil am Rhein zur Verfügung gestellte Stauraum reicht lange nicht für alle Lkw.

Matthias Klaiber

Am Samstag um 22 Uhr wird der Grenzübergang Basel/Weil am Rhein (D) für Lastwagen geschlossen. Chauffeure, die es bis dahin nicht in die Schweiz geschafft haben, sitzen bis Montag 5 Uhr in Deutschland fest. Einigen wenigen gelingt es, sich auf den Zollhof vor der Grenze oder auf eine Raststätte zu retten. Wer Pech hat, bleibt in einer mehrere Kilometer langen Kolonne auf der Autobahn stecken. Auf dem Warte- oder Pannenstreifen ohne sanitäre Anlagen – bis am Montag.

Ob auf einem Parkplatz oder auf der Autobahn, eigentlich dürften die LKW-Fahrer laut dem Europäischen Gerichtshof dort gar nicht ihre Ruhezeiten absitzen, schreibt Verkehrsexperte Jan Bergrath auf Eurotransport.de. Wegen mangelnder Kontrollen und akutem Platzmangel seien sie aber immer wieder «dazu verdammt, ihr Wochenende auf der Autobahn zu verbringen.»

Tiefe Mindestlöhne und Zeitdruck

Der Grund dafür liegt in der Schweizer Gesetzgebung. Schwere Motorwagen dürfen ohne Sondergenehmigung weder nachts noch sonntags unterwegs sein. «Wer sich nicht über die Grenze rettet, sitzt in der Falle», sagt Bergrath. Zurückfahren kann man auf der Autobahn bekanntlich nicht. Für einen Weiler Transportunternehmer ist klar: «Die Schweiz lagert das Problem auf deutschen Boden aus.»

Die Fahrverbote gelten seit bald 20 Jahren und dürften kein Unternehmen überraschen. Diese sieht auch Bergrath in der Pflicht: «Die Unternehmen müssen die Touren so planen, dass die Lastwagen nicht am Wochenende in die Schweiz fahren», sagt er. Ob es sie kümmert, ist fraglich. Laut Bergraths Recherchen engagieren viele Speditionen osteuropäische Fahrer zu heimischen Mindestlöhnen von 300 bis 500 Euro plus Spesen und setzen sie unter Zeitdruck.

«Schalter nicht ausreichend besetzt»

«Es mangelt schlichtweg an Platz für die LKWs», stellt Thomas Müller, Leiter des Verkehrskommissariats Weil am Rhein, gegenüber der «Oberbadischen» fest. Zudem würden etwaige Entlastungsmassnahmen auf Widerstand bei den Gemeinden stossen.

«An deutschen Feiertagen ergibt sich auf Schweizer Seite die gleiche Problematik», bestätigt die Eidgenössische Zollverwaltung auf Anfrage. Als Gegenmassnahme stünden 120 zusätzliche Stellplätze sowie «ein Verkehrskonzept mit verschiedenen Massnahmen zur Verfügung». Laut dem Weiler Transportunternehmer ist die Organisation in der Schweiz viel besser: «Fahrzeuge werden in den Vorstauraum zurückgeleitet und nicht auf der Strasse stehengelassen. Und es wird viel konsequenter kontrolliert», sagt er.

Er übt aber auch Kritik an den Schweizer Behörden: Er wisse aus eigener Erfahrung, dass die Schalter am Zoll nicht ausreichend besetzt sind. So komme es bereits unter der Woche zum Rückstau, der am Wochenende eskaliere. «Es ist erschreckend, dass sich die LKWs schon am Samstagnachmittag kilometerweit stauen.»

Prekäre Umstände

Die Leidtragenden sind am Ende die Fahrer. Der «Stern» hat sich in der Reportage «Slums auf Rädern» mit ihrer prekären Situation auseinandergesetzt. Viele würden ihr Dasein auf der Autobahn fristen, weitab von ihrer Heimat. Viele versuchten, die Realität im Alkoholrausch zu ertränken. «Sie verwahrlosen auf den Raststätten», sagt Bergrath, der bei den Recherchen mithalf.

Tatsächlich werden auch an der Schweizer Grenze immer wieder schwer alkoholisierte Lastwagenfahrer angehalten, wie diese Fälle mit jeweils 2,1, 2,6 und 3 Promille zeigen.

Fahrverbote

An Sonn- und Feiertagen ist Lkw mit 7,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse sowie allen Lkw mit Anhängern die Fahrt zwischen 0 und 22 Uhr deutschlandweit untersagt. Auf Autobahnen gibt es kein Nachtfahrverbot.

Auf Schweizer Strassen gilt ein Feiertags- und Nachtfahrverbot; letzteres gilt in der Regel von 22 bis 5 Uhr.

Ruhe- und Pausenregelungen D und CH

Nach einer täglich maximalen Lenkzeit von neun Stunden muss eine mindestens elfstündige Ruhezeit eingelegt werden. Nach spätestens viereinhalb Stunden muss eine mindestens 45-minütige Pause eingelegt werden. Ausnahmen sind möglich und gesetzlich geregelt.

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