Niederlande: Lastwagen tötet sechs Menschen – «diese Spedition ist eine Zumutung»

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NiederlandeLastwagen tötet sechs Menschen – «diese Spedition ist eine Zumutung»

Ein Lastwagenfahrer löste in der Niederlande eine landesweite Tragödie aus. Das spanische Transportunternehmen steht als Arbeitgeber schon länger in der Kritik.

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Nach dem tödlichen Unfall in der Nähe von Rotterdam steht das spanische Transportunternehmen in der Kritik – und das nicht zum ersten Mal. 

Nach dem tödlichen Unfall in der Nähe von Rotterdam steht das spanische Transportunternehmen in der Kritik – und das nicht zum ersten Mal. 

AFP
Der Spediteur halte Ruhegesetze nicht ein und zahle Löhne verspätet. Immer wieder gibt es Berichte von gefährlichen Fahrmanövern. 

Der Spediteur halte Ruhegesetze nicht ein und zahle Löhne verspätet. Immer wieder gibt es Berichte von gefährlichen Fahrmanövern. 

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Bei dem Unfall an einem Grillfest in Nieuw-Beijerland waren sechs Menschen ums Leben gekommen und einige weitere schwer verletzt worden. 

Bei dem Unfall an einem Grillfest in Nieuw-Beijerland waren sechs Menschen ums Leben gekommen und einige weitere schwer verletzt worden. 

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Darum gehts

In einem kleinen niederländischen Ort endet ein Grillfest in einer Katastrophe mit sechs Toten, nachdem ein Lastwagen am Samstagabend von einem Deich abgekommen und in die rund 60 Feiernden gefahren war. Sieben Menschen, darunter auch Kinder, wurden schwer verletzt, gegen den festgenommenen Lastwagenfahrer werde wegen des tödlichen Unfalls ermittelt, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Unternehmen hält Ruhezeiten nicht ein

Der 46-Jährige Lenker war aus noch ungeklärter Ursache aus der Spur geraten. Sein Arbeitgeber, ein spanisches Transport-Unternehmen, steht öffentlich immer wieder in der Kritik, beispielsweise weil es die vorgeschriebenen Ruhezeitgesetze nicht einhalte, berichtet die niederländische «Algemeen Dagblad». Zudem würden immer wieder die Löhne verspätet bezahlt. 

Der Gewerkschaftsdirektor Juan Jesus habe sich zuletzt in einer Videobotschaft an den Direktor des spanischen Unternehmens gewandt und gesagt: «Ethik, Verantwortung und Empathie sind Ihnen fremd. Deshalb werden wir gegen Leute wie Sie kämpfen. Sie respektieren die Rechte der Arbeiter nicht». 

«Diese Spedition ist eine Zumutung»

Bei dem Unternehmen aus Murcia mit seinen 1300 Lastwagen handelt es sich um einen der grössten europäischen Lieferanten für Kühl- und Tiefkühltransporte. 2016 sorgte das Unternehmen in Spanien für Schlagzeilen, weil es einen Fahrer entlassen hatte, der die katastrophalen Arbeitsbedingungen aufgedeckt hatte. Nach einem langen Gerichtsverfahren musste El Mosca ihn dennoch einstellen, berichtet das «Algemeen Dagblad». 

Auf Google sammelt die Spedition zahlreiche 1-Sterne-Bewertungen. Rezensenten berichten von waghalsigen Fahrmanövern und «ahnungslosen Fahrern». «Diese Spedition ist eine Zumutung», schreibt einer von ihnen. 

Niederlande reagiert nach dem Unglück schockiert

In den Niederlanden beschäftigt der tragische Vorfall das ganze Land. Johan van Driel hat den Unfall miterlebt und ist tief betroffen. «Wir haben gerade gegrillt und sahen, wie ein Lastwagen an der Kreuzung anhielt und dann direkt durch das Zelt fuhr. Es war schrecklich. Mehrere Personen wurden mitgeschleift. In einem solchen Moment geht alles durch einen hindurch: Ohnmacht, Unglaube», so van Driel.

«Schreckliche Nachrichten über das Unglück in Nieuw-Beijerland», schrieb der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte auf Twitter. «Meine Gedanken sind bei den Opfern dieses schrecklichen Dramas und ihren Angehörigen.»

Auch König Willem-Alexander und Königin Máxima zeigten sich bewegt. «Wir sind geschockt und getroffen durch das fürchterliche Unglück in Nieuw-Beijerland gestern Abend, bei dem es so viele Opfer gegeben hat.» Für die enge Dorfgemeinschaft sei dies unvorstellbar traurig.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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(DPA/fis)

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