16.10.2020 13:05

11-Jährige angefahrenLastwagenfahrer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Das Obergericht verurteilt einen Lastwagenfahrer wegen fahrlässiger Tötung. Vor zwei Jahren hat er in Gümligen BE ein Mädchen übersehen und angefahren. Das Kind verstarb noch am Unfallort.

von
Lara Hofer
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Hier ereignete sich der Unfall in Gümligen BE.  Das 11-jährige Mädchen war mit seinem Velo auf dem Trottoir unterwegs.

Hier ereignete sich der Unfall in Gümligen BE. Das 11-jährige Mädchen war mit seinem Velo auf dem Trottoir unterwegs.

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Der 43-jährige Lastwagenfahrer übersah es und fuhr es an. Das Mädchen starb noch vor Ort.

Der 43-jährige Lastwagenfahrer übersah es und fuhr es an. Das Mädchen starb noch vor Ort.

20min
Hier wollte der Chauffeur abbiegen – zur Firma Haco. Er sah das Mädchen auf dem Trottoir nicht kommen. 

Hier wollte der Chauffeur abbiegen – zur Firma Haco. Er sah das Mädchen auf dem Trottoir nicht kommen.

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Darum gehts

  • Ein Chauffeur, der 2018 ein Mädchen überfahren hatte, wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

  • Der Verteidiger des Fahrers forderte jedoch einen Freispruch.

  • Das Obergericht bleibt bei seinem Urteil und spricht den Mann schuldig.

Ein Lastwagenfahrer fuhr am 21. November 2018 ein 11-jähriges Mädchen an. Dieses war an jenem Tag mit seinem Velo auf dem Trottoir in Gümligen BE unterwegs. Der Fahrer übersah das Mädchen, es verstarb noch am Unfallort.

Im Februar dieses Jahres verurteilte das Regionalgericht Bern-Mittelland den Chauffeur wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe. 60 Tagessätze à 60 Franken, lautete die Strafe. Nun wurde der Fall vor dem Obergericht neu verhandelt, wie die «Berner Zeitung» berichtet.

«Nichts gehört, nichts gespürt»

Der 43-jährige Fahrer erzählte dem Gericht, wie er damals vorgegangen sei. Er wollte nach links abbiegen, zur Firma Haco im Industriegebiet in Gümlingen. Er blinkte, reduzierte die Geschwindigkeit, kontrollierte die Strasse mit einem Blick in den Spiegel und einem Rundblick. «Es ist sehr eng dort», sagt der Mann, «relativ schwierig.» Er machte einen Fehler: Er schaute nicht nach links.

So sah er das Mädchen auf dem Velo nicht kommen. Es fuhr mit dem Velo auf dem Trottoir. Erst als er sich schon in der Einfahrt befand, schaute er in den Spiegel und sah das Kind unter dem Lastwagen liegen. Bis dahin hatte er nichts bemerkt. «Nichts gehört, nichts gespürt.»

Verteidiger fordert Freispruch

Hätte der Chauffeur das Mädchen sehen müssen? Nein, findet Verteidiger Philipp Kunz und fordert einen Freispruch für seinen Klienten. «Er hat alles getan, was er tun musste.» Mangelnde Sorgfalt könne man ihm nicht vorwerfen. Zum Zeitpunkt des Abbiegens sei das Trottoir frei gewesen.

Das Obergericht sieht das anders. Es bestätigt das erste Urteil voll und ganz. «Der letzte entscheidende Seitenblick ist ausgeblieben», sagt Oberrichter Jean-Pierre Vicari. Ansonsten hätte der Chauffeur das Mädchen gesehen. «Der Unfall wäre vermeidbar gewesen.» Es sei dem Fahrer absolut zuzumuten gewesen, dass er die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Insel oder die Einfahrt lenke, sondern auch auf das Trottoir.

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