Aktualisiert 06.02.2014 14:23

Nachrichten aus Rom

Lateinische Tweets des Papstes sehr beliebt

Der Papst hat Twitter-Accounts in diversen Sprachen – auch in Latein. Dort folgen ihm bereits 200'000 Leute, darunter viele Schüler und Studenten sowie Nostalgiker.

von
lmm
«Aus dem Vatikanstaat»: lateinische Tweets von Papst Franziskus.

«Aus dem Vatikanstaat»: lateinische Tweets von Papst Franziskus.

Dass Kenntnisse der alten Sprachen bei Angelegenheiten des Vatikans von Vorteil sein können, ist spätestens seit der auf Lateinisch verfassten Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. allseits bekannt. Doch der Erfolg der Twitter-Botschaften seines Nachfolgers Franziskus auf Latein überrascht selbst deren Verfasser. Bis Mittwoch zählte das Konto rund 208'000 Anhänger, mehr als die Kurzbotschaften des Papstes auf Deutsch oder Arabisch – und das, obwohl die lateinische Version erst mit zweimonatiger Verspätung eingerichtet worden war.

Latein sei «eine Möglichkeit, über alle Grenzen hinweg miteinander zu kommunizieren, die immer noch recht lebendig ist», sagte der US-Priester Daniel Gallagher vom Expertenteam, das die Papst-Botschaften übersetzt. Die Sprache überzeuge ihre Fans durch ihre «noble Ausdrucksweise», sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Schwierigkeiten mit modernen Begriffen

Manchmal stossen Gallagher und seine Kollegen allerdings an ihre Grenzen – wenn sie zum Beispiel den ungezwungenen Stil des jetzigen Papstes übertragen sollen. Das Wort «Muffel» bereitete ihnen einiges Kopfzerbrechen, bis ihnen der Begriff «vultu truci» aus einem Stück des römischen Komödiendichters Plautus einfiel.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Team zur Aufgabe gemacht hat, auch moderne Begriffe etwa aus der Welt des Internets zu übertragen, ohne zu weit von der Sprache Ciceros abzuschweifen. Roms berühmter Redner sollte zumindest eine «verschwommene Idee des Gesagten haben, wenn er unsere Übersetzung läse», sagt Gallagher.

Viele Schüler und Studenten unter Followern

Die meisten Follower des Twitter-Accounts auf Latein stammen aus Deutschland, gefolgt von Briten, US-Bürgern, Chinesen, Indern und Afrikanern. Viele von ihnen seien Schüler oder Studenten, die damit ihre Lateinkenntnisse aufbessern wollten, glaubt Gallagher zu wissen.

Andere seien Journalisten, Anwälte, Nostalgiker, die sich noch an den Lateinunterricht aus ihrer Jugend erinnerten, sowie Sprachkundler, die sich gerne als «Mitglieder eines elitären Klubs» fühlten. Einige seien so sehr bei der Sache, dass sie auf Latein antworteten. (lmm/sda)

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