17.03.2015 21:38

Einfluss von KunstlichtLaternen verkürzen Winterpause von Vögeln

Künstliche Lichter erhellen die Nächte und bringen damit die Natur durcheinander: Viele Singvogelarten melden sich früher als sonst zu Wort.

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Wegen des künstlichen Lichts von Strassenlaternen erklingen die Stimmen zahlreicher Vogelarten deutlich früher als sonst.

Wegen des künstlichen Lichts von Strassenlaternen erklingen die Stimmen zahlreicher Vogelarten deutlich früher als sonst.

Keystone/AP/David Sanders
Ganz früh im Jahr legen laut Forschern des Max-Planck-Instituts für Ornithologie die Blaumeisen los.

Ganz früh im Jahr legen laut Forschern des Max-Planck-Instituts für Ornithologie die Blaumeisen los.

Keystone/AP/Felix Kaestle
Ebenfalls ganz vorne mit dabei ist auch die Kohlmeise.

Ebenfalls ganz vorne mit dabei ist auch die Kohlmeise.

Keystone/AP/Jens Meyer

Unter dem Einfluss nächtlicher Kunstbeleuchtung beginnen vier von sechs untersuchten Singvogelarten früher im Jahr zu singen. Das zeigen Gesangsaufnahmen von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Ornithologie im deutschen Seewiesen.

Die Forscher verglichen vom Winter bis zum Frühjahr dunkle Lebensräume mit solchen, die von Strassenlaternen beleuchtet waren. Sie erfassten dafür die morgen- und abendlichen Gesänge der Männchen von sechs Singvogelarten in Süddeutschland: Rotkehlchen, Amsel, Singdrossel, Blaumeise, Kohlmeise und Buchfink.

Frühaufsteher zwitschern früher

Alle diese Arten unterscheiden sich in ihrem saisonalen Gesang. Blau- und Kohlmeise singen als Erste im Jahr, manchmal schon im Winter. Buchfink und Amsel beginnen ungefähr ab Mitte Februar zu zwitschern, Ende des Monats kommt dann das Rotkehlchen hinzu. Die Singdrossel kehrt indes nicht vor Anfang März aus den Wintergebieten zurück.

Das Kunstlicht wirkte sich sowohl auf die morgendlichen als auch die abendlichen Gesänge aus, wie die Forscher in den «Philosophical Transactions B» der britischen Royal Society berichten. Besonders die Frühaufsteher unter den Vögeln – Rotkehlchen und Amsel sind lange vor Sonnenaufgang aktiv – sängen früher im Jahr. Sie scheine das Kunstlicht stärker zu beeinflussen.

Auch das Wetter hatte bei allen Arten Einfluss auf den Morgen- und Abendgesang: An regnerischen und für die Jahreszeit zu kalten Tagen waren weniger Gesänge zu hören.

Auch Hormonproduktion gestört

Das Gezwitscher diene sowohl der Verteidigung des Territoriums als auch dem Anlocken von Paarungspartnerinnen, sagte Studienleiter Bart Kempenaers laut einer Mitteilung des Instituts. «Es ist wahrscheinlich, dass die saisonale Verschiebung des Gesangs Konsequenzen auf die Fitness der Tiere hat.»

Ein anderes Team des gleichen Instituts hat soeben Resultate vorgestellt, wonach Amseln bei nächtlichem Kunstlicht früher im Jahr bereit sind zur Fortpflanzung: Ihr Testosteronspiegel steige und ihre Hoden reiften früher im Jahr, berichten die Forscher in den «Proceedings B» der Royal Society.

Ob die Tiere durch das frühere Singen oder die frühzeitig angekurbelte Fortpflanzung mehr oder gar weniger Nachkommen haben, wollen die Forscher nun weiter untersuchen, wie das Institut schrieb. (fee/sda)

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