Aktualisiert 08.02.2010 14:10

Costa RicaLaura Chinchilla: Erste Präsidentin des Landes

Zum ersten Mal in der Geschichte Costa Ricas hat eine Frau eine Präsidentenwahl gewonnen. Die 50-jährige Laura Chinchilla verwies ihre Konkurrenten auf die Plätze. Nach Auszählung von über 40 Prozent der Wahllokale kam sie auf 46,9 Prozent der Stimmen.

Laura Chinchilla feiert mit ihrem Sohn José Maria ihren Wahlsieg in San José.

Laura Chinchilla feiert mit ihrem Sohn José Maria ihren Wahlsieg in San José.

Erste Frau an der Spitze des mittelamerikanischen Landes: Die Favoritin Laura Chinchilla hat die Wahl gewonnen. Dies teilte der Chef der Obersten Wahlbehörde, Luis Antonio Sobrado, am Sonntagabend (Ortszeit) mit. Rund vier Stunden zuvor waren die Wahllokale geschlossen worden.

Chinchilla dürfte somit bereits im ersten Wahlgang vom Sonntag ihr Ziel erreicht haben, Nachfolgerin des derzeitigen Amtsinhabers und Friedensnobelpreisträgers Óscar Arias zu werden.

Gegner klar distanziert

Sie distanzierte ihre Gegenkandidaten klar: Ottón Solís von der Partei der Bürgeraktion (PAC) kam auf 24,2 Prozent der Stimmen. Für Otto Guevara von der Partei Befreiungsbewegung (PML) stimmten 21,5 Prozent der Wähler. Solís und Guevara anerkannten den Sieg Laura Chinchillas und kündigten eine konstruktive Opposition an.

Mit dem Sieg Chinchillas dürfte vor allem die Kontinuität der sozialdemokratisch ausgerichteten Politik von Óscar Arias sichergestellt sein. Chinchilla gehört wie Arias der sozialdemokratisch orientierten Partei der Nationalen Befreiung (PLN) an.

Die Amtszeit von Arias, der das Land bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geführt hatte, endet am 8. März. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierungsarbeit war allerdings in den vergangenen Monaten auf Tiefstwerte gesunken.

Stolz auf Costa Rica

Bei der Stimmabgabe sagte Arias, für ihn sei die Stunde des Ausruhens gekommen. Er verspüre keine Wehmut, bald die Regierungsgeschäfte abgeben zu müssen. Vielmehr sei er stolz auf die Demokratie in Costa Rica, wo keine Soldaten nötig seien, um die Wahlurnen zu beschützen.

Wichtigstes Thema des Wahlkampfes war die zunehmende Gewalt in dem zentralafrikanischen Land. Im vergangenen Jahr wurden in Costa Rica fast 1000 Menschen ermordet. Meist standen die Gewalttaten im Zusammenhang mit dem Drogenhandel - Costa Rica ist ein Transitland auf dem Weg von Süd- nach Nordamerika.

90 Tonnen Kokain wurden in den vergangenen drei Jahren in dem Land beschlagnahmt. Alle Kandidaten sprachen sich dafür aus, die Kriminalität mit harter Hand zu bekämpfen und die Polizei zu stärken. Über eine Armee verfügt das Land nicht.

Freihandelsvertrag kaum ein Thema

In den vergangenen Wochen hatte Solís noch einmal versucht, den umstrittenen Freihandelsvertrag (Cafta) mit den USA und Kanada in den Wahlkampf einzubringen. Er werde als Präsident nachverhandeln, um die Nachteile auszubessern, die das Abkommen für Costa Rica enthalte, versprach er, ohne damit grösseres Aufsehen zu erregen.

Vor vier Jahren hatte das Thema die Bevölkerung in Gegner und Befürworter gespalten. Arias liess danach in einem Referendum die Einwohner über das Abkommen entscheiden; sie stimmten mit knapper Mehrheit zu.

(sda)

Porträt: Costa Ricas erste Präsidentin

«Ich bin die beste Alternative», pflegte Laura Chinchilla während des Wahlkampfes auf die Frage zu antworten, welchen Grund ihre Landsleute eigentlich hätten, gerade ihr zu vertrauen, und nicht ihren männlichen Konkurrenten bei der Präsidentenwahl.

Denn grosse Unterschiede zwischen den Programmen der Wahlkämpfer liessen sich nicht erkennen. Sie alle wollten mit harter Hand gegen die zunehmende Kriminalität vorgehen, die Polizei in Costa Rica stärken und den Wohlstand aller mehren.

Am Ende war nicht mehr sicher, ob Chinchilla, vom scheidenden Präsidenten Óscar Arias und dessen Partei der Nationalen Befreiung (PLN) ins Rennen geschickt, es im ersten Wahlgang schaffen würde, die notwendige Mehrheit von 40 Prozent zu erreichen.

In einer Stichwahl, so wurde spekuliert, hätte sie möglicherweise gegenüber einer vereinigten Opposition das Nachsehen gehabt.

Die 50 Jahre alte Politologin ist Mutter eines Sohnes und mit dem spanischen Unternehmer José Maria Rico verheiratet. Ihre politische Karriere begann in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als sie von 1994 bis 1996 stellvertretende Ministerin für Sicherheit war.

Seit 2002 sitzt sie als Abgeordnete im Parlament. Arias ernannte sie im Jahre 2006 zu einer seiner Vizepräsidenten.

Chinchilla, Tochter eines Rechnungsprüfers der Republik, will sich, wie sie im Wahlkampf versprach, vor allem mehr für die Armen und Schwachen in ihrem Land einsetzen. Dazu will sie vor allem die durch die Wirtschaftskrise geschwächte Wirtschaft des Landes wieder in Schwung bringen. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.