Missen-Träume: Lauriane Sallin wäre gerne ein Baum
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Missen-TräumeLauriane Sallin wäre gerne ein Baum

Seit November führt Lauriane Sallin das umtriebige Leben einer Miss Schweiz. Gegen das ruhige Dasein als Baum hätte sie allerdings nichts einzuwenden.

von
Schimun Krausz

In der «Aargauer Zeitung» sagte Miss Schweiz Lauriane Sallin (22) am Samstag, dass sie lieber ein Baum als ein Tier wäre, und merkte an: «Die Erklärung dazu ist sehr lang – wenn Sie sie hören möchten, können wir gerne ein anderes Mal darüber diskutieren.» 20 Minuten, grosser Fan von langen Erklärungen, springt in die Bresche und fragt bei der Schönheitskönigin nach.

Lauriane, du wärst also gerne ein Baum.

Vielleicht müsste ich so beginnen: Wenn ich ein Tier sein müsste, dann am liebsten ein Krake. Und zwar, weil diese Tiere eine Mischung aus Mythos und Realität sind. Sie sind gross und mächtig und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie irgendwelche natürlichen Feinde haben. Interessant ist, dass wir dank der Wissenschaft und unserer Technologie über so ziemlich alles auf unserem Planeten Bescheid wissen, aber über diese riesige Kreaturen ist erst sehr wenig bekannt. Die Menschheit ist noch immer nicht allwissend.

Der Ozean ist eben sehr tief.

Genau. Und dann habe ich angefügt, dass ich noch lieber ein Baum als ein Tier wäre. Mich faszinieren die Welt, die Menschheit und die Geschichte – darum interessiere ich mich auch für Archäologie und studiere Kunstgeschichte – und Bäume bekommen alles mit. Speziell der Olivenbaum.

Der sieht hübsch aus.

Erstens das. Zweitens liebe ich die Früchte, vor allem ihr Olivenöl. Und drittens können Olivenbäume über 1000 Jahre alt werden. Wir Menschen leben nur für relativ kurze Zeit, während Bäume viel länger existieren – und wegen ihrer Wurzeln stets am selben Ort bleiben. Also im Normalfall, wenn man sie halt nicht umpflanzt. Das Leben um sie herum kommt und geht, aber die Bäume sind immer da. Es wäre so toll, ein Baum zu sein und gleichzeitig das Verständnis, Gedächtnis und Empfinden eines Menschen zu haben; man könnte so vieles beobachten.

Wäre das auf Dauer nicht langweilig?

Lustigerweise hat mich eine Freundin genau dasselbe gefragt. Aber es ist so: Weil wir uns ständig bewegen müssen, fallen uns viele – vor allem kleine – Dinge oft nicht auf. Als Baum ist man immer am selben Ort und entwickelt wahrscheinlich ein viel besseres Gefühl und Gespür für Kleinigkeiten, Details. Als Baum bekommst du auch mit, wie sich die Umwelt und das Klima mit der Zeit verändern. Und Bäume haben zudem einen grossen Vorteil: Man muss sich nie mehr um Essen und Trinken kümmern, weil man über seine Wurzeln und Blätter automatisch mit Nährstoffen versorgt wird. Natürlich ist es unmöglich, ein Baum zu sein, aber es mal im Kopf durchzuspielen, ist wirklich spannend.

Wenn du nun vor der Wahl stündest, ob du weiterhin ein Mensch oder ab sofort ein Baum sein wolltest, wofür würdest du dich dann entscheiden?

Ich bin froh, dass ich gerade nicht vor diese Wahl gestellt werde. Mein Leben als Mensch ist durchaus interessant und es hat eigentlich gerade erst begonnen, darum möchte ich das, glaube ich, noch ein bisschen weiterführen. Aber nach wie vor wäre ich lieber ein Baum als ein Tier.

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