Lausanne-Goalie Mory Diaw nach Rassimus-Eklat genervt, Täter zeigt Reue
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Attacke auf Lausanne-GoalieTäter wird nach Rassismus-Nachricht an Diaw als «Nazi» beschimpft

Es ist das zweite Mal innerhalb zweier Wochen: Lausannes Torhüter Mory Diaw wird von gegnerischen Fans auf Social Media rassistisch angegangen. Der Franzose hat genug, die Liga wünscht Besserung und der Absender taucht auf der FCB-Geschäftsstelle auf.

von
Silvan Haenni
Nils Hänggi

Die Highlights vom Sonntag: Diaw hält stark – Kasami rettet Basel spät.

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Darum gehts

  • Lausanne-Goalie Diaw wird auf Social Media erneut rassistisch beleidigt.

  • Für den Franzosen ist klar: «Clubs und Liga müssen handeln.»

  • Die Swiss Football League (SFL) sieht ein Grundsatzproblem.

  • Der Übeltäter zeigt sich reuig.

Eigentlich war es doch sein Nachmittag. Lausannes Torwart, Mory Diaw, wurde am Sonntag mit sieben Paraden zu einem der Hauptverantwortlichen dafür, dass sich der FC Basel an der Waadtländer Abwehr die Zähne ausbiss. 1:1 hiess es am Ende. Auf der Basler Seite hatte sich viel Frust angestaut. Für mindestens einen FCB-Fan zu viel: Er deckt den 28-Jährigen auf dessen privatem Instagram-Profil mit Affen-Emojis ein.

Und sorgt so wiederum für viel Frust bei Diaw: «Wenn das so weitergeht, werden schwarze Spieler streiken», so der ehemalige PSG-Junior gegenüber «Blick Romandie». Schliesslich ist es nicht das erste Mal, dass Diaw nach einem Spiel rassistisch beleidigt wird. Bereits vor zwei Wochen, nach dem 1:0-Sieg von Lausanne in St. Gallen, wurde der Franzose in den sozialen Netzwerken als Affe bezeichnet. Der Verfasser der Nachricht – ein 13-jähriger Junge – wurde inzwischen ausfindig gemacht, gebüsst und mit einem Stadionverbot belegt.

«Also nach jedem Spiel das Gleiche?»

Nun also der nächste Vorfall. Der 28-Jährige teilte den schändlichen Inhalt auf Instagram sofort mit seinem Verein, dem FC Basel und der Swiss Football League (SFL). Sein Kommentar: «Also nach jedem Spiel das Gleiche?» Um das künftig zu verhindern, fordert Diaw, dass gehandelt wird.

Von Seiten der Clubs, aber vor allem von Seiten der Liga: «Wenn sich solche Vorfälle wiederholen, sind die Sanktionen nicht streng genug», folgert der 1,97-Meter-Hüne. Und legt nach: «Ich hatte die Liga bereits nach der ersten Nachricht über die Netzwerke angesprochen und keine Antwort erhalten. Indem sie schweigt und die Spieler nicht verteidigt, stellt sich die Liga auf die Seite der Rassisten.»

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Doppelter Frust bei Lausanne-Goalie Mory Diaw im Joggeli: Zuerst verspielt sein Team in den letzten Sekunden des Spiels den Sieg, dann wird er auf Social Media übel beleidigt.

Doppelter Frust bei Lausanne-Goalie Mory Diaw im Joggeli: Zuerst verspielt sein Team in den letzten Sekunden des Spiels den Sieg, dann wird er auf Social Media übel beleidigt.

Pascal Muller/freshfocus
Darum gehts: Mory Diaw leitet die erhaltene Instagram-Nachricht umgehend an Liga, Blick, Basel und Lausanne-Sport weiter.

Darum gehts: Mory Diaw leitet die erhaltene Instagram-Nachricht umgehend an Liga, Blick, Basel und Lausanne-Sport weiter.

Instagram
Der Franzose machte am Sonntag eine starke Partie. Hier hält er gegen FCB-Joker und Ex-Lausanner Ndoye.

Der Franzose machte am Sonntag eine starke Partie. Hier hält er gegen FCB-Joker und Ex-Lausanner Ndoye.

Pascal Muller/freshfocus

Liga sieht «Gesellschafts-, kein Fussballproblem»

Die Liga bedauert rassistisches Fan-Verhalten und lehnt dieses vehement ab. In solchen Fällen sind ihr aber rechtlich die Hände gebunden. Dies bestätigte die in Bern ansässige Organisation bereits nach dem Vorfall in St. Gallen. Die Begründung: Da die rassistischen Beleidigungen nicht in einem Stadion und während des Spiels, sondern direkt über die privaten sozialen Netzwerke des Spielers verschickt werden, könne der Fall von der Liga nicht verfolgt werden. Der Spieler sei aber dringend aufgefordert, den Vorfall privatrechtlich zu verfolgen.

Auf erneute Anfrage und auf die Forderungen von Diaw angesprochen, antwortet Swiss-Football-League-Pressesprecher Philippe Guggisberg: «Ich höre immer wieder von den Clubs, dass auf Social Media inakzeptable Dinge geschrieben werden.» Allerdings sei das per se kein Fussballproblem, so Guggisberg, sondern ein Gesellschaftsproblem, das von allen Beteiligten unbedingt thematisiert und jeder Vorfall konsequent zur Anzeige gebracht werden muss. In der scheinbaren Anonymität der sozialen Medien würde der Umgangston immer rauer.

Dialog zwischen Club, Liga und Staat

«Uns ist das bei Weitem nicht egal», sagt Guggisberg und nimmt den Vorfall um die Person von Mory Diaw zum Anlass, das Thema wieder auf der Agenda der Liga zu verstärken: «Gemeinsam mit unseren Clubs müssen wir tagtäglich gegen jede Art von Rassismus und Diskriminierung in unserer Gesellschaft kämpfen. Das erfordert das Engagement jedes Einzelnen. Und es braucht auch einmal den Mut, seinem Gegenüber direkt zu sagen, dass sein Verhalten nicht tolerierbar ist.»

Ähnlich sieht es der FCB: «Der FC Basel verurteilt jegliche Art von Rassismus und anderer Diskriminierung vehement. Deshalb haben wir auch spontan ein entsprechendes Statement auf unserem französischen Twitter-Kanal abgegeben.» Allerdings könne man für die privaten Handlungen der Fans keine Verantwortung übernehmen. «Was sie in ihrer Freizeit tun und auf Social Media posten, können wir nicht beeinflussen», so der 20-fache Schweizermeister.

Dem Beleidiger tuts leid

Am Ursprung des Problems liegen somit immer noch die Übeltäter und -täterinnen. 20 Minuten hat mit dem Absender der sonntäglichen Hassbotschaft gesprochen. «Das war eine dumme Aktion von mir», zeigt er sich reuig. Afrikanische Spieler seien schon immer seine Lieblingsspieler gewesen. Der Baselbieter weiter: «Seit meiner Nachricht erhalte ich Dutzende Morddrohungen und werde auf Insta als Nazi beschimpft.»

Ihm sei klar, dass er einen Fehler gemacht habe und alles dafür tun werde, um ihn rückgängig zu machen. Er sei bereits auf der FCB-Geschäftsstelle gewesen, habe mit Lausanne telefoniert und Diaw per Instagram um Entschuldigung gebeten. Der 33-Jährige: «Ich entschuldige mich auch persönlich, wenn Mory das will.» So bleibt Mory Diaw auch nach dem Sonntagnachmittag im Mittelpunkt des Geschehens. Nicht ganz freiwillig – und mit einem bitteren Nachgeschmack.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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