Lausanner Polizei verhindert Amok «im letzten Moment»
Aktualisiert

Lausanner Polizei verhindert Amok «im letzten Moment»

An einem Gymnasium in Lausanne hat die Polizei möglicherweise ein Blutbad verhindert. Sie überwältigte im letzten Moment einen 20-jährigen Schüler, der eine geladene Pistole und viel Munition auf sich trug. Zu seinen Absichten war vorerst nichts bekannt.

«Weil wir das Kostümfest Journée de l'extravagance feierten, gingen wir zunächst von einem Scherz aus», sagte eine 18-jährige Gymnasiastin. Doch es war todernst.

Die Ereignisse am Gymnasium Beaulieu spielten sich laut Mitteilung der Stadtpolizei Lausanne wie folgt ab: Der Dekan der Schule alarmierte Mitte Vormittag die Polizei, dass ein Schüler damit gedroht habe, sich in einer Tiefgarage der Oberstadt mit einer Feuerwaffe umzubringen. Die Polizei schickte sofort mehrere uniformierte Beamte zur fraglichen Garage. Gleichzeitig suchten Inspektoren der Kriminalpolizei in Zivil die Schule auf.

Während die Suche nach dem 20-jährigen Gymnasiasten in der Garage erfolglos blieb, machten die Polizeiinspektoren den Gesuchten im Schulgebäude in der Nähe des Sekretariats aus. Sechs Polizisten näherten sich dem Schüler unauffällig und konnten ihn überwältigen und ihm in extremis die geladene Pistole abnehmen, wie es in der Polizeimitteilung heisst. In den Taschen trug der junge Mann zwei volle Magazine mit sich. Im Klassenzimmer entdeckte die Polizei zudem einen Rucksack mit weiterer Munition. Diese Elemente deuten laut Polizei darauf hin, dass dank dem schnellen und wirksamen Eingreifen wahrscheinlich ein Drama verhindert wurde.

Zu den Absichten des Schülers lagen am Abend aber noch keine Angaben vor. Polizeisprecherin Anne Plessz sagte auf Anfrage, auf Grund des Alarms sei man zunächst von Suizidabsichten ausgegangen. Die grosse Menge Munition, die der Schüler bei sich hatte, lasse aber schlimmere Vermutungen aufkommen. Der junge Mann, dessen Nationalität die Polizei nicht bekannt gab, wurde verhaftet. Das Untersuchungsrichteramt nahm Ermittlungen über den Ablauf der Ereignisse und deren Hintergrund auf.

Die Polizei sorgte für die psychologische Betreuung von sechs Zeugen der dramatischen Ereignisse. Es handelt sich um Angestellte des Sekretariats und um Schüler, wie die Polizeisprecherin sagte. Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls war der Schulbetrieb des Gymnasiums in vollem Gang. Zur Zahl der Schüler konnte die Polizeisprecherin keine Angabe machen. Die Polizei stellte zusammen mit dem Waadtländer Psychologenverband weitere Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das Kostümfest fand dann doch noch statt.

SDA/ATS/Carole Pantet, 20minutes

Drohungen nehmen zu

Ein Amoklauf an einer Schweizer Schule sei nur eine Frage der Zeit, sagte der Basler Pädagogikprofessor Wassilis Kassis letztes Jahr. Zwar ist es hier zu Lande an einer Bildungsstätte noch nie zu einem Blutbad gekommen, Drohungen wurden aber in letzter Zeit mehrfach ausgesprochen:

-April 2008: Erst gestern wurde in einer Toilette einer Berufsfachschule in Liestal BL der Schriftzug «Amoklauf 08.04.2008» entdeckt. Die Schulleitung ging von einem Jux aus, informierte aber die Polizei.

-Januar 2008: Ein 15-Jähriger drohte an einer Schule in Rotkreuz ZG mit einem Amoklauf, um die Ferien zu verlängern. Er wurde von der Schule verwiesen.

-Dezember 2007: Wegen des Schriftzugs «Amoklauf am 20.12.07» wurde eine Thuner Berufsschule vorübergehend geschlossen. Der Urheber konnte nicht ermittelt werden.

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