Stadt Zürich : Laustante kommt nicht mehr in der Schule vorbei
Publiziert

Stadt Zürich Laustante kommt nicht mehr in der Schule vorbei

Wenn ein Stadtzürcher Kind Läuse hat, untersucht jeweils eine Lausfrau die ganze Klasse. Dieser Dienst wird nun eingespart – in den Schulen befürchtet man Epidemien.

von
som
1 / 10
Eine Laustante wie diese, die 1975 die Kinder von Bremgarten AG untersuchte, gibt es in Zürich bald nicht mehr.

Eine Laustante wie diese, die 1975 die Kinder von Bremgarten AG untersuchte, gibt es in Zürich bald nicht mehr.

Keystone/str
Wer von Kopfläusen befallen ist, soll sich an eine telefonische Beratungsstelle wenden. Dort wird erklärt, wie man die Plagegeister schnell wieder loswird - so etwa mit diesem Kamm.

Wer von Kopfläusen befallen ist, soll sich an eine telefonische Beratungsstelle wenden. Dort wird erklärt, wie man die Plagegeister schnell wieder loswird - so etwa mit diesem Kamm.

Keystone/Gaetan Bally
Ebenfalls eine Methode ist die Kahlrasur wie bei diesem Jungen - in der Schweiz kommt dies glücklicherweise selten zum Einsatz.

Ebenfalls eine Methode ist die Kahlrasur wie bei diesem Jungen - in der Schweiz kommt dies glücklicherweise selten zum Einsatz.

Keystone/AP/Efrem Lukatsky

Ein Kind kratzt sich immer wieder am Kopf – schnell wird klar, dass dieser von Läusen befallen ist. In einem solchen Fall rief die Stadtzürcher Kindergärtnerin Alice T. (Name geändert) bisher eine geschulte Lausfachfrau: «Sie kam vorbei und untersuchte die ganze Klasse.» Bei einem Befall erkläre diese jeweils den Eltern, wie sie sie wieder loswürden: «Unternimmt man nichts, besteht die Gefahr, dass die Läuse von Kind zu Kind krabbeln.»

Doch ab dem neuen Jahr stellt die Stadt Zürich diesen Dienst ein – 30 bis 40 Stellenprozente werden so eingespart, wie Martina Steinhauser, Sprecherin der Schulgesundheitsdienste, auf Anfrage bestätigt: «Wir führen aber weiterhin eine telefonische Beratungsstelle.» Diese werde sogar noch etwas ausgebaut: «Bei Unsicherheiten kann man dort vorbeikommen.» Zudem würden die Eltern informiert und mit Infoblättern in 13 Sprachen versorgt, wenn ein Kind in der Klasse Läuse habe: «Sie müssen es dann zuhause untersuchen.»

«Läuse können sich in Zukunft stärker ausbreiten»

Für Kindergärtnerin Alice T. ist dies unverständlich – sie befürchtet nun, dass sich Läuse in Zukunft in den Schulen stärker ausbreiten könnten: «Als Laie erkennt man einen Lausbefall oft nicht.» Zudem würden viele Migranten-Eltern schriftliche Anweisungen nicht verstehen: «Gerade hier ist die persönliche Beratung der Lausfrau sehr wertvoll.» Sie selbst könne diese Aufgabe nicht übernehmen, so T. «Bei 20 Kindern oder mehr ist diese zeitaufwendige Untersuchung unmöglich.»

Dass dies nicht die Aufgabe der Lehrer sein sollte, findet auch Lehrerverbands-Präsidentin Lilo Lätzsch. Mit der Abschaffung der Klassenbesuche der Lausfrau würde am falschen Ende gespart, findet sie: «Der Aufwand für die Stadt wird wohl noch zunehmen, da viele verunsicherte Eltern die telefonische Beratungsstelle kontaktieren werden.» Zumal die Läuse auf solche Sparübungen keine Rücksicht nähmen.

Jedes 10. Zürcher Kind hat Läuse

Jedes 10. Schul- oder Kindergartenkind hat in der Stadt Zürich Läuse, wie Martina Steinhauser, Sprecherin der Schulgesundheitsdienste sagt. Oft beobachtet man ein epidemieartiges Auftreten nach den Schulferien. Läuse krabbeln im direkten Kopfkontakt von einem Haarschopf zum anderen. Das passiert etwa, wenn Kinder die Köpfe zusammenstecken. Die Tierchen sind zwar lästig aber nicht gefährlich. Hat man Läuse, juckt es vor allem und im schlimmsten Fall kommt es durch Kratzen zu lokalen Entzündungen. Mit einem Kopflausmittel kann man den Tierchen den Garaus machen.som

Deine Meinung