Juch-Besetzer sind zurück: Laute Party in neu besetzten Häusern – Polizei zieht wieder ab
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Juch-Besetzer sind zurückLaute Party in neu besetzten Häusern – Polizei zieht wieder ab

Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Besetzern und der Polizei in Zürich geht weiter. Nach der Räumung des Juchareals vor einem Monat wurden Liegenschaften der UBS besetzt.

von
Daniel Graf
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Besetzt: eine Siedlung in Zürich-Altstetten.

Besetzt: eine Siedlung in Zürich-Altstetten.

20 Minuten
Es handelt sich um die vormaligen Besetzer des Juchareals.

Es handelt sich um die vormaligen Besetzer des Juchareals.

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Die Botschaft an die Stadt ist klar.

Die Botschaft an die Stadt ist klar.

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«Ihr wolltet Kohle, jetzt habt ihr den Salat» oder «Besetzt» heisst es auf Transparenten, die aus den Fenstern der Liegenschaft in Zürich-Altstetten hängen. Ein vermummter Mann sitzt auf der Balkonbrüstung. Sie hätten nichts zu sagen, richtet er dem 20-Minuten-Reporter vor Ort aus. Bierdosen am Boden zeugen noch von der nächtlichen Party, die in der Nacht auf Sonntag stieg.

Mehrere Dutzend Personen haben am Samstagabend vier leerstehende Häuser besetzt, die dem UBS-Immobilienfonds gehören. An einer Haustüre ist eine Mitteilung der Besetzer aufgehängt. Darin schreiben diese, die Besetzung sei eine Reaktion auf die Räumung des Juch-Areals durch die Stadtpolizei vor rund einem Monat. Die Linksextremen mussten das ehemalige Asylzentrum verlassen, weil die Stadt das Gelände an den Generalunternehmer HRS vermietet hatte. Dieser braucht den Platz für die Baustelle der neuen Hockey-Arena der ZSC Lions.

In Zürich-Altstetten versammelten sich über 100 Personen, die Polizei war vor Ort. Leser-Reporter

«Gekommen, um zu bleiben»

«Wir sind wütend. Das Juchareal wird dem Erdboden gleichgemacht, nicht aber unsere Anliegen», schreiben die Besetzer. Die Liegenschaft gehöre der UBS und «somit einer derjenigen, die von der ständigen Aufwertung dieser Stadt profitieren. Wir kämpfen weiterhin gegen Räumungen auf Vorrat.» Sie seien gekommen, um zu bleiben, kündigen die Besetzer an.

Die Anwohner haben keine Freude an den neuen Nachbarn: «Sie haben bis um 6 Uhr Party gemacht und laut Musik gehört. Meine Kinder hatten richtig Angst», sagt ein Familienvater zu 20 Minuten. Ein älteres Ehepaar, das in der Nähe wohnt, meint, es habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn leerstehende Häuser von denen genutzt werden, die «sonst nichts haben». Das Paar stört sich aber an der Art und Weise, wie die Besetzer vorgehen: «Anstatt das Gespräch zu suchen und zu fragen, nehmen sie sich den Raum einfach und hinterlassen oft viel Müll und Chaos. So geht das nicht.»

Polizei schritt nicht ein

In der Nacht war die Stadtpolizei mit einem Grossaufgebot aufgefahren, danach aber wieder abgezogen. Wie die Polizei am Sonntag in einer Medienmitteilung schreibt, ging kurz nach 20.30 Uhr bei der Einsatzzentrale Zürich die Meldung ein, dass an der Grimselstrasse eine Abbruchliegenschaft besetzt werde. «Vor Ort stellten die Einsatzkräfte fest, dass sich bereits mehrere Dutzend Personen im Innenhof sowie auf den Balkonen des Gebäudes befanden. Zudem war ein starker Personenzulauf zu verzeichnen. Auch die Zufahrt war teilweise mit Barrikaden blockiert und es wurde Feuerwerk gezündet. Offensichtlich war in diesem Gebäude eine Party im Gange», heisst es weiter.

Nachdem die Eigentümer der Liegenschaft nicht habe kontaktiert werden können, habe die Polizei auf eine sofortige Intervention verzichtet. Es sei zu vereinzelten Lärmklagen gekommen.

Die grüne Stadträtin Karin Rykart, Vorsteherin des Zürcher Sicherheitsdepartements, konnte am Sonntag nichts zum Polizeieinsatz oder zum weiteren Vorgehen der Stadt sagen. Auch die UBS äusserte sich nicht zur Besetzung.

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