Hemberg SG: Laute Töfffahrer stören die Ruhe des Bergdorfs
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Hemberg SGLaute Töfffahrer stören die Ruhe des Bergdorfs

Die Anwohner im toggenburgischen Hemberg SG ärgern sich über lärmende Temposünder. Töfffahrer lassen immer wieder ihre Motoren aufheulen. Nun soll endlich gehandelt werden, fordert ein Landwirt.

von
Jil Rietmann
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In Hemberg SG ärgern sich die Anwohner über zu lauten Töfflärm. Vor allem ein Landwirt hat mit den Verkehrsrowdys zu kämpfen.

In Hemberg SG ärgern sich die Anwohner über zu lauten Töfflärm. Vor allem ein Landwirt hat mit den Verkehrsrowdys zu kämpfen.

Foto: Wikipedia/Asio otus
Sein landwirtschaftliches Betriebsgebäude sowie sein Wohnhaus stehen an der Durchgangsstrecke Hemberg-Schwägalp, da rast schon einmal der eine oder andere Töff vorbei.

Sein landwirtschaftliches Betriebsgebäude sowie sein Wohnhaus stehen an der Durchgangsstrecke Hemberg-Schwägalp, da rast schon einmal der eine oder andere Töff vorbei.

Wikipedia/Breeze
Vor allem die Tempoüberschreitungen gehen dem Landwirt auf die Nerven. Es gibt Tage, an denen das Einführen der Futterernte fast nicht mehr möglich ist. (Symbolbild)

Vor allem die Tempoüberschreitungen gehen dem Landwirt auf die Nerven. Es gibt Tage, an denen das Einführen der Futterernte fast nicht mehr möglich ist. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • In Hemberg SG nervt sich die Bevölkerung über zu schnelle und zu laute Töfffahrer.
  • Ein Landwirt fordert nun Massnahmen gegen die Töfffahrer.
  • Es gibt bereits eine Gemeinschaft, die sich gegen die Belastung von Strassenlärm wehrt.
  • Bei der Verkehrspolizei ist das Problem bekannt.

Von Jahr zu Jahr steigen die Zahlen der Töff-Fanatiker. Das ist für die Anwohner der Toggenburger Gemeinde Hemberg nicht das Hauptproblem. Es ist die Fahrweise von gewissen Töfffahrern, die ihnen Sorgen bereitet. «Irgendwann habe ich genug. Dieses rücksichtslose Vorbeirasen an meinem Bauernhof ist nicht mehr tolerierbar», sagt Landwirt Ueli Knöpfel gegenüber dem «Schweizer Bauer». Sein landwirtschaftliches Betriebsgebäude sowie sein Wohnhaus stehen an der Durchgangsstrecke Hemberg-Schwägalp. Da rase schon einmal der eine oder andere Töff vorbei. Es ist schon so weit gekommen, dass Knöpfel und seine Familie Hass gegenüber den Töfffahrern verspürt.

Vor allem die Tempoüberschreitungen gehen dem Landwirten auf die Nerven. Es gebe Tage, da würde die Familie lieber weg von Zuhause. Auch andere Anwohner in Hemberg ärgern sich über die vermehrten Geräusche der Motoren. Es passe nicht, dass ein Bergdorf seine Ruhe durch Verkehrslärm verliere. Trotzdem müssen sie die Situation so hinnehmen. Mehr Toleranz und Rücksicht würden sie sich aber auch von den Verkehrsteilnehmern wünschen. Bereits die Eltern von Ueli Knöpfel wollten gegen die Verkehrsrowdys vorgehen. Ihren Anliegen wurde aber nie richtig nachgegangen. Nun will Knöpfel erneut mit der Verkehrspolizei St. Gallen in Kontakt treten.

Lärmbelästigung ist der Polizei bekannt

Knöpfel versteht aber auch die Sicht der Töfffahrer. Dass die Leute es als Spass ansehen, mit dem Töff herumzudüsen, sei ihm klar. Jedoch fehle es bei vielen an Rücksicht gegenüber den Mitmenschen. Sein Ziel ist es, dass die Höchstgeschwindigkeit auf der Strasse bei seinem Hof gesenkt wird. Der Verkehrspolizei in St. Gallen sind die Anliegen der Hemberger Bevölkerung bekannt. Philipp Sennhauser, Leiter der Verkehrspolizei St. Gallen, bekommt allgemein immer mehr Anrufe wegen Lärmbelästigung auf den Strassen. Seit einigen Jahren existiert im Gebiet am Stoss zudem eine zivile Gemeinschaft, die sich gegen Belastung durch Strassenlärm wehrt. Mit dieser Gemeinschaft steht Sennhauser im Kontakt und setzt Massnahmen durch. Zum Beispiel werden häufiger Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Auch für die Situation bei der Strasse bei Ueli Knöpfel suche er nach Lösungen.

Das Ganze sei aber nicht so einfach. «Ob ein Motorrad zu laut tönt oder nicht, ist für uns Polizisten vor Ort fast nicht möglich zu kontrollieren», sagt Sennhauser. Denn wenn an den vorhandenen Lautstärken der Töffs nichts verändert wurde, kann keine Anzeige erstattet werden. Sennhauser will eher an die Verantwortung der Lenker appellieren. Er sagt: «Es gibt sehr viele Menschen, welche ihr Gefährt anstandslos steuern. Aber es gibt eben auch andere. Sie suchen das Risiko, und das eigene Erlebnis steht an erster Stelle.»

Den Töfffahrern selbst ist bewusst, dass sie zum Teil unüberlegt handeln. Franz Kuster, der seit über 30 Jahren leidenschaftlich Töff fährt, gesteht: «Ja, es stimmt, wir Töfffahrer denken wenig an die Folgen unserer Leidenschaft bei den betroffenen Anwohnern.» Und genau weil der Bogen teils überspannt wird, kommt es zu Misstönen wie in Hemberg.

Die Motorradprüfung in der Schweiz

Die Motorradprüfung in der Schweiz kann für die Klasse A1 bereits ab dem Alter von 16 Jahren abgelegt werden. Dabei unterscheidet man zwischen unbeschränkt und beschränkt. Für die unbeschränkte Variante muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Der Unterschied liegt im Hubraum des Motorrads. Wer unter 18 Jahre alt ist, darf nur ein Fahrzeug fahren, dessen Hubraum bis zu 50 ccm gross ist. Ab 18 Jahren darf man ebenfalls Fahrzeuge der Kategorie A bis 35 kW fahren. Motorräder ab 35 kW sind erst ab 25 Jahren erlaubt oder man hat bereits zwei Jahre Praxiserfahrung in der Kategorie A.

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