Virologen widersprechen: Lauterbach wird für «Killervariante»-Aussage scharf kritisiert
Aktualisiert

Virologen widersprechenLauterbach wird für «Killervariante»-Aussage scharf kritisiert

In Deutschland sorgt Gesundheitsminister Karl Lauterbach mit der Warnung vor einer möglichen «Killervariante» für Aufsehen. Für diesen Begriff hagelt es nun Kritik aus der Wissenschaft.

1 / 5
Deutschlands Gesundheitsminister Karl Lauterbach wird von Virologen kritisiert.

Deutschlands Gesundheitsminister Karl Lauterbach wird von Virologen kritisiert.

REUTERS
Lauterbach warnte vor neuen Coronavirus-Mutationen und verwendete in diesem Zusammenhang den Begriff «Killervariante».

Lauterbach warnte vor neuen Coronavirus-Mutationen und verwendete in diesem Zusammenhang den Begriff «Killervariante».

AFP
Der Begriff «Killervariante» sei unwissenschaftlich und führe nur zu Verunsicherung in der Bevölkerung, so der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Der Begriff «Killervariante» sei unwissenschaftlich und führe nur zu Verunsicherung in der Bevölkerung, so der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Getty Images

Darum gehts

  • Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einem möglichen Auftreten einer «Killervariante» des Coronavirus.

  • Lauterbach plädierte zudem für möglichst schnelle Änderungen am Infektionsschutzgesetz, um im Herbst wieder eine Maskenpflicht in Innenräumen durchsetzen zu können.

  • Für den Begriff «Killervariante» wird Lauterbach von Virologen kritisiert. Sie halten eine solche Entwicklung des Coronavirus für höchst unwahrscheinlich.

Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will mit Impfstoff-Bestellungen im grossen Stil drohende Corona-Wellen im Herbst bekämpfen. «Wir besorgen Impfstoff, der vor den Omikron-Varianten schützt. Den erwarten wir im September», sagte Lauterbach der «Bild am Sonntag». Für den Herbst rechnet er zugleich damit, dass wieder strengere Eindämmungsmassnahmen wie eine Maskenpflicht in Innenräumen nötig sein dürften.

Lauterbach plädierte zudem für möglichst schnelle Änderungen am Infektionsschutzgesetz, um im Herbst wieder eine Maskenpflicht in Innenräumen durchsetzen zu können. «Im Herbst wird sich die Lage wieder ändern, dann steigen die Fälle, dann gibt es wahrscheinlich neue Mutationen oder die Fallzahl mit Omikron-Infektionen steigt stark. Deshalb müssen wir bis dahin das Infektionsschutzgesetz noch mal überarbeiten.»

«Unser Ziel ist, möglichst genug Impfstoff für jeden Bürger zu haben, egal welche Variante kommt», sagte der deutsche Gesundheitsminister zu den auf Omikron angepassten Vakzinen. Er warnte zugleich: «Es entwickeln sich gerade diverse Omikron-Subvarianten, die für mich Anlass zur Besorgnis sind. Die Abstände, in denen neue Varianten die alten ablösen, werden immer kürzer. Das bedeutet, dass wir uns immer schlechter auf die Mutationen vorbereiten können.» Es sei «durchaus möglich, dass wir eine hochansteckende Omikron-Variante bekommen, die so tödlich wie Delta ist», führte Lauterbach aus. «Das wäre eine absolute Killervariante

Kritik aus der Wissenschaft

Für diesen Begriff hagelt es Kritik aus der Wissenschaft. Die Entwicklung von Varianten könne man nicht vorhersagen. Anstatt daher vor Szenarien wie «Killervarianten» zu warnen, wäre es wichtig, sich auf den Herbst und Winter vorzubereiten, sagte der Virologe Hendrik Streeck am Sonntag der «Bild» (Bezahlartikel). «Wenn man das Virus zur Veranschaulichung vermenschlicht, dann will es leichter übertragen werden, den Immunantworten entgehen und gleichzeitig nicht von seiner eigenen Fitness verlieren. Krankmachende Eigenschaften gehören nicht dazu», so Streeck weiter. Vielmehr müsse das Gesundheitssystem durch mehr Digitalisierung, eine Aufwertung des Pflegeberufs und ein besseres Pandemie-Monitoring jetzt krisenfester weiterentwickelt werden, fordert Streeck.

Auch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit bezeichnet die Aussage von Lauterbach als deplatziert. Der Begriff «Killervariante» sei unwissenschaftlich und führe nur zu Verunsicherung in der Bevölkerung, so der Virologe gegenüber dem Radiosender NDR 90,3. Eine solche Variante im Herbst sei «laut Weltgesundheitsorganisation WHO ein sehr unwahrscheinliches Szenario», führt er weiter aus.

Virologe verweist auf die höhere Immunität in der Bevölkerung

Virologe Ulf Dittmer gibt ebenfalls seine Einschätzung zur weiteren Virus-Entwicklung ab. Die Evolution des Virus lege zwar keinen Rückwärtsgang ein. Das widerspräche auch der biologischen Entwicklung. Gefährlicher als vorherige Varianten würden neue Mutationen seiner Einschätzung nach jedoch nicht werden, wie Dittmer zu «Focus» sagt. «Dass so ein Virus wieder so tödlich wie Delta sein könnte, halte ich für sehr unwahrscheinlich.»

Er verweist darauf, dass bei der Delta-Variante nicht nur das aggressive Virus das Problem gewesen sei, sondern dass es im Vergleich zu heute in der Bevölkerung damals noch eine viel geringere Immunität gegeben habe. Die Omikron-Variante würde sich zudem über die oberen Atemwege in Nase und Rachen ausbreiten, während Delta tief in die Lunge und andere Organe vordringt. Einen «Weg zurück zu einem Virus, das wieder tiefes Gewebe infiziert, sehe ich in der Evolution nicht», sagt der Virologe.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Corona-Zeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!





(AFP/job)

Deine Meinung

105 Kommentare