Leichtathletik-EM: Lea Sprunger knackt Olympia-Limite

Aktualisiert

Leichtathletik-EMLea Sprunger knackt Olympia-Limite

Léa Sprunger hat an den Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki im Vorlauf über 200 m die Selektionskriterien für die Olympischen Spiele in London erfüllt.

Im Halbfinal war aber Endstation, wie auch für Alex Wilson und Amaru Schenkel.

Léa Sprunger konnte es kaum fassen, als sie ihre Zeit realisierte. Mit 23,08 Sekunden, der fünftbesten Zeit im Vorlauf, unterbot die 22-jährige Waadtländerin die A-Limite für London um zwei Hundertstel, und dies ohne Windunterstützung. Gleichzeitig verbesserte sie ihre Bestleistung um sagenhafte 26 Hundertstel. In der ewigen Schweizer Bestenliste stiess sie hinter Regula Aebi (22,88/14. August 1988) und Mireille Donders (23,06/30. Juli 2000) auf Rang 3 vor. «Es ist unglaublich. Ich hatte eine solche Zeit nicht erwartet», sagte Sprunger. «Ich war extrem nervös, wachte schon um 5 Uhr auf und konnte nicht mehr schlafen.»

Am Abend verpasste sie den Final mit 23,45 Sekunden klar und beendete den Wettkampf als Zwölfte. «Ich kam weniger gut aus der Kurve raus und hatte auf den letzten 50 Metern saure Beine», sagte Sprunger, die kein bisschen enttäuscht war. «Der Final wäre ein Bonus gewesen.» Es sei schwierig gewesen, sich zu konzentrieren, da ihr viele Bilder durch den Kopf gegangen seien. «Ich lag im Bett und habe einfach gelacht. Nun weiss ich für andere grosse Wettkämpfe, wie es geht.»

Wilson und Schenkel scheitern im Halbfinal

Bei den Männern erreichten Alex Wilson und Amaru Schenkel über 200 m wie erwartet souverän die Halbfinals. Am Abend bekundete Wilson Pech, schied er doch trotz der achtbesten Zeit (20,87) aus - im Vorlauf war er 20,75 gelaufen. Dem gebürtigen Jamaikaner wurde zum Verhängnis, dass jeweils die ersten zwei in jeder der drei Serien direkt in den Final einzogen. Um sicher über die Zeit weiterzukommen, hätte er 20,83 erzielen müssen. «Ich habe meinen Job gemacht. Was soll ich machen? Regel ist Regel», so Wilson. Er müsse nun für die Europameisterschaften 2014 in Zürich noch härter trainieren.

Schenkel, mit der viertbesten Zeit in diesem Jahr (20,48) von allen Teilnehmern angetreten, kam in beiden Runden nicht auf Touren. Im Halbfinal war er mit 21,05 chancenlos und musste sich mit Rang 14 begnügen. Obwohl dem 24-jährigen Zürcher 20,89 für den Einzug in den Final gereicht hätten und er eine grosse Chance verpasst hatte, war er gegen aussen hin nicht enttäuscht. Er habe die eckige Kurve nicht in den Griff bekommen, erklärte Schenkel. Deshalb habe im hinten hinaus die Power gefehlt. «Nun konzentriere ich mich auf die Staffel.»

Staffeln kämpfen um Olympia-Teilnahme

Sprunger ist nach Lisa Urech (100 m Hürden), Nicole Büchler (Stab), Irene Pusterla (Weit), Maja Neuenschwander (Marathon), Schenkel (200 m), Wilson (200 m) und Viktor Röthlin (Marathon) die achte Schweizerin, die das Olympia-Ticket gelöst hat. Weiteren (grossen) Zuwachs soll es an diesem Wochenende geben, können sich doch beide 4x100-m-Staffeln Hoffnungen auf eine Teilnahme in London machen. Dort sind jeweils die 16 besten Nationen startberechtigt, wobei der Durchschnitt der zwei besten Zeiten aus den Jahren 2011 und 2012 massgebend ist.

Die Schweizer Männer belegen in dieser Wertung mit einem Durchschnitt von 39,03 Sekunden Platz 19. Rang 16 nimmt mit 38,90 Südafrika ein. Wäre der im vergangenen Jahr bei Weltklasse Zürich erzielte Schweizer Rekord von 38,62 nicht gestrichen worden - Pascal Mancini hatte den Gebrauch des Medikaments Ritalin nicht vorschriftsgemäss gemeldet -, hätte die Equipe den Startplatz in London so gut wie auf sicher.

Marc Schneeberger traut dem Team eine Zeit im Bereich von 38,60 zu. «Wenn du die Einzelleistungen anschaust, waren wir noch nie so schnell wie jetzt», sagte der 30-jährige Routinier. Zudem seien sie in Zürich nicht frisch gewesen, da sie vier Tage zuvor noch bei den Weltmeisterschaften in Daegu gestartet seien. «Ich sehe keinen Grund, Angst zu haben, dass es nicht geht.» Zudem sei der Belag der Bahn schnell. Schneeberger, der in den letzten Wochen wegen einer Oberschenkelverletzung und später durch eine Wadenverhärtung zurückgeworfen worden ist, dürfte im heutigen Vorlauf den Schlusspart übernehmen. Zuvor sind Wilson, Schenkel und Rolf Malcolm Fongué vorgesehen. Es ist allerdings durchaus möglich, dass es noch Änderungen gibt.

Eckige Kurve machts schwieriger

An den Europameisterschaften vor zwei Jahren in Barcelona belegten die Schweizer mit 38,69 den 4. Rang. In der europäischen Saisonbestenliste nehmen sie mit 39,08 ebenfalls Platz 4 ein. Allerdings fehlt in dieser Wertung das favorisierte Frankreich. Dennoch ist nicht der Gewinn einer Medaille das primäre Ziel, sondern die Olympia-Qualifikation. Aus diesem Grund ist bereits im Vorlauf eine gute Zeit gefordert und muss dementsprechend mehr Risiko eingegangen werden.

Was die Aufgabe noch schwieriger macht, ist die eckige Kurve - das Fussballfeld wurde vergrössert. «Diese ist nicht ganz ohne und macht das Ganze hier noch etwas spannender», sagte Schneeberger. Die Mannschaft sei jedoch sehr flexibel, könne rasch neue Taktiken umsetzen. Schenkel geht davon aus, dass «sehr viel passieren wird. Auf das freue ich mich. Es wird lustig werden.»

Die Schweizerinnen müssen den Anfang Juni in Genf erzielten Schweizer Rekord von 43,81 weiter senken. Derzeit sind sie im Olympia-Ranking mit einer Durchschnittszeit von 43,86 im 18. Rang klassiert, zwölf Hundertstel hinter den Australierinnen (16.). Den heutigen Vorlauf werden Michelle Cueni, Gasser, Ellen Sprunger und Lea Sprunger bestreiten. In dieser Zusammensetzung sind die Schweizerinnen noch nie gelaufen. «Das ist kein Problem», sagte Teamchef Laurent Meuwly. «Wir haben alle Wechsel trainiert. Der Entscheid war allerdings nicht einfach.»

Ellen Sprunger hatte zugunsten der Staffel auf den Siebenkampf verzichtet - dies auch auf Wunsch von Swiss Olympic. «Wir haben mit ihnen gesprochen und sie haben gesagt, dass wir alles versuchen sollen, damit sich die Staffeln qualifizieren», so Meuwly. Der Entscheid von Ellen habe die Taktik geändert. (si)

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