Aktualisiert 15.07.2014 18:27

Weko-Untersuchung

«Leasingfirmen haben Zinssätze ausgetauscht»

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung gegen neun Leasingfirmen grosser Autohersteller eröffnet. Weko-Vizedirektor Olivier Schaller sagt, worum es geht.

von
C. Landolt
Die Wettbewerbskommission verdächtigt neun Unternehmen, Informationen über Leasingraten für Autos getauscht zu haben.

Die Wettbewerbskommission verdächtigt neun Unternehmen, Informationen über Leasingraten für Autos getauscht zu haben.

Herr Schaller, Schweizer Autoleasing-Firmen stehen unter Verdacht, regelmässig die Preise abgesprochen zu haben. Wie muss man sich das vorstellen?

Gemäss unseren Informationen haben sich die Firmen unter anderem regelmässig über die Höhe der Zinssätze ausgetauscht.

Wie oft fand dieser Austausch statt?

Wir haben Hinweise darauf, dass es einen monatlichen Austausch gab.

Worüber hat man sich ausgetauscht?

Beispielsweise darüber, für welches Fahrzeug man welchen Zinssatz verrechnet. Aber auch Händler-Kommissionen sowie Auflagen wie die Mehrwertsteuer sind ein Thema.

Über welchen Zeitraum fanden diese Absprachen statt?

Der Austausch fand über Jahre statt.

Statistiken zufolge sind mehr als die Hälfte der neuen Personenwagen über Leasing finanziert. Welche Folgen hat die Untersuchung für die Leasingnehmer?

Ich bekomme sehr viele E-Mails von verunsicherten Leasingkunden. Der Austausch von Informationen, den wir untersuchen, betrifft jedoch nicht einzelne Personen, sondern die jeweiligen Marken.

Kann man als Leasingnehmer etwas tun?

Nach Abschluss und je nach Ergebnis der Untersuchung kann jede Person entscheiden, ob sie zivilrechtliche Schritte einleiten will.

Zum Beispiel Schadenersatzforderungen?

Je nachdem ist eine Zivilklage möglich. Und in diesem Rahmen können auch Schadenersatzforderungen ein Thema sein.

Wie lange wird es dauern, bis die Untersuchung abgeschlossen ist?

Es braucht sehr viel Zeit. Wir rechnen nicht damit, dass sie vor Ende 2015 abgeschlossen sein wird.

Wie hoch kann eine Busse im neuen Verfahren sein?

Das hängt vom Tatbestand ab. Gemäss Kartellgesetz beträgt die maximale Sanktion pro Firma zehn Prozent des Umsatzes der letzten drei Geschäftsjahre auf den relevanten Märkten.

2012 büsste die Weko BMW wegen Marktabschottung mit 156 Millionen Franken.

Ja, das ist richtig. BMW hat jedoch unsere Verfügung angefochten. Der Fall liegt nun beim Bundesverwaltungsgericht.

Wie wurden Sie auf die Leasing-Absprachen aufmerksam?

Durch einen Kronzeugen.

Leasing ist ein bedeutendes Geschäft

Die Finanzierung von Autos durch Leasing ist in der Schweiz ein grosses Geschäft. Laut der Vereinigung Schweizerischer Automobilimporteure sind mehr als die Hälfte der neuzugelassenen Personenwagen über Leasing finanziert. Der Jahresumsatz lag 2013 beim Leasing von Autos und Lastwagen bei über sieben Milliarden Franken, wie Zahlen des Schweizerischen Leasingverbandes zeigen. Allein bei den Personenwagen wurden im letzten Jahr fast 200'000 Neuabschlüsse unterzeichnet. (cls)

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