Hacker greifen Spital in Corbeil-Essonnes in Frankreich an

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Corbeil-Essonnes«Leben in Gefahr» – Spital muss wegen Cyberangriff Patienten direkt abweisen

Das Netzwerk eines Spitals in der Nähe von Paris ist angegriffen worden. Der Betrieb wurde durch den Cyberangriff massiv gestört. Die Hacker fordern zehn Millionen Dollar Lösegeld.

von
Tobias Bolzern
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Das Centre Hospitalier Sud Francilien in Corbeil-Essonnes ist von einer Cyberattacke betroffen. 

Das Centre Hospitalier Sud Francilien in Corbeil-Essonnes ist von einer Cyberattacke betroffen. 

Youtube/CHSF
Das Spital befindet sich einige Kilometer südlich von Paris. 

Das Spital befindet sich einige Kilometer südlich von Paris. 

AFP
Notfallpatienten würden «direkt» an andere Einrichtungen weitergeleitet, heisst es beim Spital.

Notfallpatienten würden «direkt» an andere Einrichtungen weitergeleitet, heisst es beim Spital.

Youtube/CHSF

Darum gehts

  • Unbekannte haben ein Spital in Frankreich angegriffen. Das hat Folgen.

  • Es wurden Notfallpatienten abgewiesen und Operationen verschoben.

  • «Lahmgelegt» – eine französische Tageszeitung hat das Spital besucht. 

«Leere Korridore, in denen eine ungewöhnliche Ruhe herrscht», so beginnt eine Reportage von «Le Figaro», über das Centre Hospitalier Sud Francilien (CHSF) in Corbeil-Essonnes. Das Spital, einige Kilometer südlich von Paris, ist seit dem Wochenende von einer Cyberattacke betroffen. Dateien wurden verschlüsselt und die Hacker fordern ein Lösegeld von zehn Millionen Dollar. Laut Medienberichten führt die Spur zu russischen Hackern. Eine geografische Zuordnung solcher Cyberangriffe ist jedoch meist sehr schwierig, bis unmöglich. 

Sicher ist: Die Attacke hat das Spital praktisch lahmgelegt. Die Klinik hat eine Kapazität von rund 1000 Betten und gewährleistet die Gesundheitsversorgung von fast 600’000 Menschen in der Region. Die Klinik mache alles, um die Betreuung besonders dringlicher Fälle zu gewährleisten, so Krankenhausdirektor Gilles Calmes gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Neuaufnahmen seien jedoch kompliziert, Notfallpatienten würden «direkt» an andere Einrichtungen in der Region weitergeleitet. Absagen von Operationen seien zu befürchten.

«Verfluche die Hacker»

Die 50-jährige Claudine, deren Mann Krebs hat, ist entsetzt über den Angriff. «Gestern wurde die OP meines Mannes verschoben. Einen neuen Termin gibt es noch nicht», sagt sie gegenüber «Le Figaro». Sie verfluche die Cyberkriminellen. «Sie sehen den Schaden offenbar nicht, den sie anrichten. Bei einem Cyberangriff auf ein Spital stehen Menschenleben auf dem Spiel», sagt Claudine.

«Es wurde sofort ein Verfahren eingeleitet. Wir sind nicht die erste Gesundheitseinrichtung, die auf diese Weise angegriffen wird», so Medhy Zeghouf, CHSF-Aufsichtsratsvorsitzender zu «Le Parisien». Öffentliche Spitäler in Frankreich dürfen laut AFP kein Lösegeld zahlen.

Tote bei Angriff auf Spital

Mit der zunehmenden Digitalisierung der Spital-Dienstleistungen und der Anschaffung mehrerer Hundert Softwareprogramme werden «Spitäler zur Beute», sagt Cyrille Politi, digitaler Berater des französischen Krankenhausverbands (FHF) nach dem Angriff. Nun müsse die Sicherheit entsprechend ausgebaut werden.

Politi relativierte indes das Ausmass des aktuellen Angriffs in Corbeil-Essonnes. «Es ist nicht der Schweregrad, den Spital in Deutschland 2020 erlebte», sagt Politi. Damals kam es am Unispital Düsseldorf zu einem Angriff. Bei der Cyberattacke wurden die Systeme ausgeschaltet und das Stromnetz angegriffen. Eine Patientin wurde aufgrund des Serverausfalls zu spät behandelt und verstarb kurze Zeit später.

Mit Material von AFP

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