Aktualisiert 20.10.2011 10:19

Ureinwohner kämpfenLeben oder Tod für Amazonas-Bewohner

In Bolivien haben Ureinwohner mit einem 600-Kilometer-Marsch gegen eine geplante Strasse durch das Amazonas-Gebiet protestiert. Auch in Brasilien ist die Wut über ein Staudamm-Projekt gross.

Nach zwei Monaten Fussmarsch ist ein Protestzug bolivianischer Ureinwohner im Regierungssitz La Paz eingetroffen. Zehntausende Menschen empfingen am Mittwoch in einem Vorort die rund 2000 Teilnehmer des Protestmarschs gegen den geplanten Bau einer Strasse durch ein Naturschutzgebiet mit Fahnen und Transparenten.

In dem Wohnviertel Villa Fatima wurden die Marschierer mit Knallern und patriotischen Gesängen begrüsst, wie ein AFP-Reporter berichtete. Zahlreiche lokale Aktivisten, Studenten und Arbeiter schlossen sich ihrem Marsch zum Regierungssitz am Murillo-Platz im Stadtzentrum an.

Angesichts der breiten Unterstützung für die Demonstranten bot Präsident Evo Morales den Ureinwohnern nach ihrem Eintreffen einen «direkten Dialog» an, wie der Präsidentschaftsminister Carlos Romero erklärte.

«Alles was die Regierung tut, ist lügen»

Fernando Vargas, einer der Anführer des Protestmarschs, sagte jedoch, die Teilnehmer hätten «kein Vertrauen mehr in die Regierung»: «Alles was sie tut, ist lügen.» Die von Morales Anfang Oktober angekündigte Aussetzung des Strassenbauprojekts sei keine Garantie.

Zur Umsetzung des Vorhabens müsse die Regierung «über unsere Leichen gehen». Am Dienstag hatte er gesagt, das Ziel des Strassenprojekts sei die «Ausplünderung» ihres Reservats.

(Video: YouTube/BBCNews)

600 Kilometer langer Marsch

Die Indianer wehren sich gegen den Bau einer 300 Kilometer langen Strasse, die durch ein Reservat im Amazonasgebiet führen soll, in dem rund 50 000 Ureinwohner leben. Sie befürchten, ihr Land könnte von landlosen Bauern aus dem Hochland aufgekauft werden.

Etwa 2000 Ureinwohner, unter ihnen Frauen, Kinder und ältere Menschen, waren Mitte August vom nördlichen Trinidad ins 600 Kilometer entfernte La Paz aufgebrochen, um gegen die geplante Nord- Süd-Trasse durch den Naturpark zu demonstrieren.

Ende September setzten Sicherheitskräfte Tränengas und Schlagstöcke gegen die Marschierer ein, hunderte Aktivisten wurden vorübergehend festgenommen. Dies löste einen Aufschrei der Empörung aus. Aus Protest gegen den Polizeieinsatz trat Verteidigungsministerin Cecilia Chacón zurück, auch Innenminister Sacha Llorenti nahm seinen Hut.

Morales ist der erste indianische Präsident des südamerikanischen Landes und versteht sich als Verteidiger der Rechte der Ureinwohner. Sein Festhalten an dem umstrittenen Strassenbauprojekt brachte ihm jedoch viele Gegner ein.

(sda)

Geiselnahme in Brasiliens Amazonas-Gebiet

Eine Gruppe von Ureinwohnern im Amazonasgebiet hat aus Protest gegen ein Staudammprojekt sieben Menschen als Geiseln genommen. Die brasilianische Indianerbehörde teilte am Mittwoch mit, es handele sich um fünf ihrer Mitarbeiter und zwei Forscher.

Verhandlungen zu ihrer Freilassung sollten aufgenommen worden. In dem Gebiet, in dem etwa 1200 Kaiabi-Indianer leben, soll ein Staudamm gebaut werden. Die Indianer wollen den Bau verhindern, der ihre Fischgründe gefährden und heilige Stätten zerstören würde.

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