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Spezieller JobLeben und arbeiten in der Ritterburg heute

Die Betriebsleiter der Schweizer Burg Rotberg haben einen aussergewöhnlichen Job.

von
Daniela Gschweng
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Das ist die Burg Rotberg in Metzerlen-Mariastein im Kanton Solothurn.

Das ist die Burg Rotberg in Metzerlen-Mariastein im Kanton Solothurn.

booking.com
155 Treppenstufen müssen Besucher erklimmen, bevor sie das Burgtor erreichen.

155 Treppenstufen müssen Besucher erklimmen, bevor sie das Burgtor erreichen.

Frantisek Matous
Dort erwarten Sie noch mehr Treppen.

Dort erwarten Sie noch mehr Treppen.

Frantisek Matous

Claudia Foljanty und Thomas Krämer gebieten über die 78 Betten der Jugendherberge Mariastein-Rotberg. Die beiden Betriebsleiter auf der ehemaligen Ritterburg sind Gastgeber, Abwart, Rezeptionist, Koch, Putzfrau und Mädchen für alles. Dafür haben sie einen Wohn- und Arbeitsort, der aussieht wie aus einem Historienroman – und eine ganze Menge Arbeit.

155 Treppenstufen bis zum Burgtor

Am Nordhang des Blauen pfeift ein scharfer Wind, als wir uns an den Aufstieg zur Burg Rotberg bei Metzerlen-Mariastein machen. 155 Treppenstufen muss der Besucher hinaufsteigen, bis er beim Burgtor ankommt. Der Schutz der Burgmauern ist willkommen, die Aussicht wahrlich fürstlich.

Der «Burgherr» Thomas Krämer kommt fröhlich grüssend herangeeilt, während wir noch dabei sind, uns umzusehen. Die verfallene Höhenburg Rotberg wurde um 1935 von arbeitslosen Jugendlichen wieder aufgebaut, nicht ganz historisch korrekt, stattdessen umso stilvoller. Schon der Burghof ist sehenswert. Von der Galerie reicht die Aussicht bis weit über die französische Grenze südwestlich von Basel.

Noch mehr Treppenstufen

«Schaut euch erst einmal um, ich bin dann oben», sagt Krämer und eilt davon. «Oben» heisst: Das kleine Büro zwei Treppen höher, das sich Krämer mit der «Burgherrin» Claudia Foljanty teilt.

Hinter den dicken Mauern, die aussehen wie in einem Ritterroman, gibt es mehrere grosse Säle, verwinkelte Gänge, zehn Zimmer in verschiedenen Grössen, eine Self-Catering-Küche und viele, viele Treppen. Oben in der Turmstube steht ein eckiger Tisch mit umlaufender Bank, der sich versenken und zu einem Bett mit Rundumblick über das Elsass umbauen lässt.

Vor dem grossen Kamin im Rittersaal neben der dort aufgestellten Ritterrüstung hat schon der ganze Bundesrat getafelt. Bis zu 70 Personen passen dort hinein – oder drei Schulklassen. Ein paar Personen weniger fasst der Speisesaal mit den gemütlichen Holztischen, an denen uns Foljanty unter zwei an der Wand befestigten Hellebarden selbstgebackene Guetsli serviert.

Mädchen für alles

Gekocht wird hier frisch, Zeit für ein Gespräch haben Foljanty und Krämer sonst kaum. Während der Saison beginnt ihr Tag morgens um 7 Uhr mit der Zubereitung des Frühstücks und endet um 21 Uhr mit Büroarbeiten – an sieben Tagen die Woche. Nachmittags haben sie ein paar freie Stunden, dazwischen checken sie Gäste ein und aus, kochen, putzen, waschen, erledigen kleinere Wartungsarbeiten und führen Besucher herum. Als Bewohner der «Burgherrenwohnung» wechseln sie sich ab, da auch nachts jemand anwesend sein muss.

Die Burg Rotberg ist eine der wenigen Schweizer Burgen, in denen man übernachten kann. Zu Gast sind vor allem Jugendorganisationen und Schulklassen aus der ganzen Schweiz. Und wenn freitags die letzte Schulklasse geht, steht schon die erste Hochzeitsgesellschaft vor der Tür. Dazu kommen Mittelalterfeste, Konzerte und andere Anlässe.

«Das Leben der Ritter war bitter», scherzt Krämer. Seit 17 Jahren wirtschaftet er auf der Burg und möchte seinen Arbeitsplatz nicht missen. Langweilig wird es ihnen dafür nie. Für Foljanty ist es die erste Saison im Harry-Potter-Ambiente. «Hier ist immer etwas los», bestätigt sie.

Winterpause für dringende Aufräum- und Renovationsarbeiten

Während der Winterpause von Dezember bis März wird aufgeräumt und renoviert. In diesem Jahr sind die Badezimmer dran. Momentan bestehen sie aus grossen Haufen Schutt. Gäste hat die Burg Rotberg gerade keine, wenn man von zwei Zivildienstleistenden absieht, die beim Umbau helfen, treppauf und treppab unterwegs und von ihrer vorübergehenden Unterkunft begeistert sind.

Finanziell unterstützt wird die Burg, die der Stiftung Jugendburg Rotberg gehört, von den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn. Trotz lebhaftem Betrieb, wirklich lohnen kann sich die Herberge im Traumschloss doch nicht? «Der Betrieb trägt sich», sagt Krämer, «aber für alles, was das Gebäude betrifft, brauchen wir Zuschüsse. Den Ansprüchen der Denkmalpflege und die Brandschutzvorschriften könnten wir sonst nicht gerecht werden».

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