Experten warnen: Lebensgefährliche falsche Ecstasy-Pille im Umlauf
Aktualisiert

Experten warnenLebensgefährliche falsche Ecstasy-Pille im Umlauf

Drogentester haben in Zürich eine hochgefährliche Pille entdeckt: Statt des Ecstasy-Wirkstoffs MDMA enthält sie PMMA. Der Konsum kann tödlich enden.

von
Marco Lüssi
Die pinke Pille mit dem Namen Rolex enthält statt MDMA den gefährlichen Wirkstoff PMMA.

Die pinke Pille mit dem Namen Rolex enthält statt MDMA den gefährlichen Wirkstoff PMMA.

«Das ist eine der gefährlichsten Pillen, die wir bei unseren Tests je analysiert haben», sagt Alexander Bücheli, stellvertretender Betriebsleiter der Jugendberatung Streetwork in Zürich. Die pinkfarbene Pille, der auf der einen Seite das Kronen-Logo der Schweizer Luxusuhrenmarke Rolex aufgeprägt ist, enthält nicht den Ecstasy-Wirkstoff MDMA, sondern PMMA (Paramethoxymethamphethamin). Am letzten Wochenende tauchte die Rolex-Pille in einem Drogentest in Zürich auf, und mehrere Partygänger bestätigten Streetwork, dass sie ihnen schon aufgefallen sei.

Die körperlichen Symptome beim Konsum von PMMA sind zwar mit jenen von MDMA vergleichbar: Die Pupillen des Konsumenten weiten sich ebenfalls, sein Puls steigt. «Doch die erwünschte entaktogene und empathogene Wirkung von Ecstasy, dass man sich öffnet und die Menschen liebt, bleibt aus», so Bücheli. Das ist tückisch: Denn es besteht die Gefahr, dass der Konsument gleich noch eine zweite Pille nimmt, weil er denkt, dass es sich um eine schwach dosierte Tablette handelt. Hinzu kommt, dass PMMA generell erst nach einer Stunde wirkt, während der Effekt von MDMA bereits nach einer halben Stunde spürbar ist.

Die Rolex-Pille forderte schon Todesopfer

«Egal ob man dabei zu einer zweiten Rolex-Pille greift oder zu einer anderen, die MDMA enthält, beides ist sehr riskant», warnt Bücheli. Mit über 80 Milligramm PMMA seien die pinkfarbenen Pillen hoch dosiert – und kombiniert mit MDMA entwickle der Stoff eine gefährliche Wechselwirkung: Es drohe eine Serotoninvergiftung. Die möglichen Folgen sind dramatisch: Erhöhung der Körpertemperatur auf über 40 Grad, Bluthochdruck, Bewusstlosigkeit, Koma, eine tödlich verlaufende Atemnot, Herzstillstand oder Organversagen.

«In Europa hat es schon Todesfälle gegeben, bei denen PMMA im Spiel war», so Bucheli. In Nordirland verloren im Jahr 2013 in kuzer Zeit acht Menschen ihr Leben, weil sie PMMA-haltige Pillen genommen hatten – eine davon trug ebenfalls das Rolex-Logo, sie war allerdings nicht pinkfarben, sondern grün.

Warum aber werden überhaupt Pillen mit PMMA auf den Markt gebracht? Bücheli vermutet, dass dies daran liegen dürfte, das die Ausgangsstoffe, die zur Herstellung von PMMA nötig sind, leicht erhältlich sind: «Der Stoff ist zurzeit einfacher und günstiger herzustellen als MDMA.» Auch in Holland und weiteren europäischen Ländern seien derzeit PMMA-Pillen im Umlauf.

Vermehrt hoch dosiertes Ecstasy

Die pinke Rolex-Pille ist nicht die einzige, die den Präventionsspezialisten von der Jugendberatung Streetwork Sorgen bereitet: «Wir treffen vermehrt auf hoch dosiertes Ecstasy», so Bücheli. Vor fünf Jahren hätten die Pillen deutlich weniger MDMA enthalten als heute, wo man teilweise Werte von über 150 bis 200 Milligramm pro Pille registriere.

«Eine so hohe Dosis verstärkt Nebenwirkungen wie Kiefermahlen, Augen- und Nervenzucken, und es können Krampfanfälle auftreten.» An den Tagen nach dem Konsum steige das Risiko, an Depressionen, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit zu leiden, bei regelmässigem MDMA-Konsum drohen irreparable Hirnschäden.

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