Aktualisiert 01.12.2009 13:02

Drama im BärenparkLebensgefahr: «Finn hat Kriegsverletzungen»

Die Verletzungen von Bär «Finn» sind schlimmer als zuerst angenommen: «Es ist fraglich, ob er überlebt», sagte der Tierparkdirektor unter Tränen. Dem Mann, der gestern absichtlich in den Bärenpark eingestiegen ist, geht es wieder besser. 20 Minuten Online zeigt neue, dramatische Bilder der Bärenattacke.

von
Adrian Müller, Bern

Der Berner Tierparkdirektor Bernd Schildger ist am Sonntagnachmittag sichtlich bewegt und mit Tränen in den Augen vor die Medien getreten: «Es ist fraglich, ob der Bär Finn überlebt. Dies ist ein tragischer Tag für uns alle.» Der durch den Schuss eines Polizisten schwer verletzte Bär liege derzeit im Stall und zeige ein gestörtes Allgemeinverhalten. «Die Stoppmunition ist im Körper des Bären explodiert und hat ihm wahrscheinlich Rippen zerschmettert. Finn hat Kriegsverletzungen.»

Passanten kümmerten sich nicht um Behinderten

Dem Opfer ist es besser ergangen: «Der Mann schwebt nicht in Lebensgefahr», sagte der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause. Er schilderte, wie genau sich der Vorfall abgespielt hat: Der behinderte Mann sei zuerst von der Treppe auf die Mauer am Aarehang gestiegen (siehe Bildstrecke) und dort einige Minuten in «Kauerstellung» verharrt. Währenddessen seien etliche Passanten vorbeigelaufen, ohne einzugreifen.

Ob der 25-Jährige dann ins Gehege hinuntergefallen oder absichtlich gesprungen ist, sei aus den Aufnahmen der Überwachungskameras nicht ersichtlich. Der Mann sei dann direkt auf den Bären zugerannt, worauf dieser den Mann attackierte. «Der Bär hat völlig normal reagiert – der Mann ist schliesslich in sein Revier eingedrungen», so Schildger. Bereits gestern schilderten verschiedene Augenzeugen die dramatischen Momente: «Der Bär biss dem Mann ins Gesicht, schleifte ihn am Boden herum.» Wie Nause weiter ausführte, sei das Opfer während sieben Minuten dem Bären ausgeliefert gewesen, bis ein herbeigeeilter Streifenpolizist Finn mit einer Maschinenpistole in die Brust schoss.

Betäubungsgewehr keine Alternative

Der Tierparkdirektor dankte an der Medienkonferenz dem Polizisten für seinen beherzten Einsatz: «Er hat die einzige richtige Entscheidung getroffen und geschossen.» Auf die Frage, warum kein Narkosegewehr eingesetzt worden sei, sagte Schildger: «Bis das Betäubungsmittel wirkt, geht es vier bis acht Minuten. Dann ist es aber zu spät.»

Ob das Sicherheitsdispositiv des Bärenparks anzupassen sei, bleibe offen, sagte Nause. Das hänge nicht zuletzt von den Ergebnissen der polizeilichen Ermittlungen ab. Es sei aber schwierig, den Park vollständig gegen ein aktives Eindringen in das Gehege zu schützen. Über das Motiv des Mannes ist weiterhin nichts bekannt. Das Opfer habe aufgrund seines Zustandes noch nicht befragt werden können.

Vier Tote im alten Bärengraben

Vor dem dramatischen Vorfall im neuen Bärenpark in Bern hat es im alten Bärengraben fünf vergleichbare Situationen gebeben. Vier davon endeten tödlich. Zuletzt war Ende 1998 ein betrunkener Mann zum Entsetzen anderer Besucher des Bärengrabens beim hinteren Gehege über die Umzäunung gestiegen und dann ausgerutscht. Dem Tierpfleger gelang es jedoch, die Bärin Selma abzulenken und den verletzten Mann zu retten.

In den 140 Jahren davor, in denen der Bärengraben in Betrieb war, wurden vier Menschen von Bären getötet. Bereits in den Vorfällen von 1860 und 1896 war Alkohol im Spiel. 1920 fiel ein Mann in den Graben und starb später im Spital. 1926 schliesslich ereignete sich ein Verkehrsunfall. Ein Velofahrer, dessen Bremsen versagten, raste auf den Bärengraben zu, wo er ein Kind mit sich in die Tiefe riss. Der Bärenwärter stellte sich den Bären mutig entgegen, doch das Kind starb später im Spital. (SDA)

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