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Lebenslänglich für Bajonett-Mörder gefordert

Erst hatte der Schweizer Berufssoldat Sex mit dem 15-jährigen Jungen (Bild), dann tötete er ihn mit 30 Bajonettstichen. Am ersten Prozesstag in Thun hat der Staatsanwalt lebenslänglich und Verwahrung gefordert. Die Verteidigung plädierte auf 18 Jahre Zuchthaus und eine intensive ambulante Therapie.

Der Staatsanwalt begründete die Aufschiebung der von ihm geforderten lebenslänglichen Zuchthausstrafe wegen Mordes und Mordversuchs zu Gunsten einer Verwahrung mit der Gemeingefährlichkeit des angeklagten 34-jährigen Schweizers aus Heimberg bei Thun.

Der Mord am 15-jährigen Jugendlichen im Juli 2004 in einem Wald beim bayrischen Donauwörth sei in seiner «krassest möglichen Form» erfolgt. Der Junge sei vom geständigen Schweizer und seinem deutschen Mittäter auf die Schlachtbank geführt und zum Zweck der Erfüllung ihrer sexuellen Gewaltfantasien «erbarmungslos liquidiert» worden.

Hoher Grad von Gefühlskälte

Bei dem extrem brutalen Vorgehen sei nicht die geringste Achtung vor dem Leben sowie ein hoher Grad von Gefühlskälte festzustellen, so der Ankläger. Es sei einzig darum gegangen, sich durch die Todesszenen sexuell zu stimulieren.

Trotz der gutachterlich bestätigten leichten Einschränkung der Schuldfähigkeit des Angeklagten sei nur die Maximalstrafe der grausamen Tat angemessen. Der Mann sei ein Sicherheitsrisiko und gehöre verwahrt. Die vom Verteidiger beantragte engmaschige ambulante Therapie garantiere nicht, dass der Mann künftig bei passender Gelegenheit nicht wieder zuschlage.

Auch für den Pflichtverteidiger gab es keinen Anlass, an der bestialischen Tat etwas zu beschönigen. Das sei ganz klar Mord gewesen, mit grosser Brutalität und Rücksichtslosigkeit geplant und durchgezogen. Seine Aufgabe als Verteidiger sei indes, auch jene Facetten darzulegen, die es dem Gericht erlauben könnten, von der Maximalstrafe leicht abzurücken.

Schattenseiten des Internets

So sei sein Mandant von Anfang an geständig und sehr kooperativ und auch sofort für eine Therapie bereit gewesen, was für diesen Tätertyp eher unüblich sei. Die Freiheit, vom abartigen Vorhaben zurückzutreten, sei angesichts des gegenseitigen Hochschaukelns im Internetaustausch mit seinem deutschen Komplizen eingeschränkt gewesen. Überhaupt zeige sich an diesem Fall exemplarisch die Schattenseite des Internets.

Trotz der fehlenden Emotionen sei sich der Angeklagte des Unrechts seiner Tat bewusst, so der Verteidiger weiter. Die Option der Verwahrung sei im Übrigen nicht vom Tisch, wenn sich das Gericht vorerst für eine Therapie im Strafvollzug entscheide. Sein Mandant sei eindeutig krank, aber behandelbar und behandlungswillig.

Der Angeklagte selbst betonte, es wäre bei den Fantasien geblieben, wenn er im Internet nicht seinen bereits zu lebenslänglich und Sicherheitsverwahrung verurteilten deutschen Komplizen kennen gelernt hätte. Allein hätte ihm der Mut zu einer solchen Tat gefehlt.

Emotionen bei den Angehörigen des Opfers

Die beiden Männer hatten ihr jugendliches Opfer ebenfalls im Internet gefunden und man verabredete sich zu Sex- und Würgespielen, in deren Verlauf das Opfer auf grausame Weise getötet wurde. Bereits einige Tage zuvor war ein anderer Jugendlicher den beiden Sadisten nur knapp entkommen.

Er habe bis zu seiner Verhaftung nie das Gefühl gehabt, dass er wegen seiner sexuellen Gewaltfantasien Hilfe brauche, sagte der Angeklagte. Während der gesamten Befragung wirkte er emotionslos in seinen Schilderungen.

Emotionen kamen erst am Schluss bei den Angehörigen des Opfers im Gerichtssaal auf, als sich der Angeklagte in seinem Schlusswort an sie wandte und um Entschuldigung bat. Sie beschimpften ihn und verliessen den Saal. Das Kreisgericht Thun gibt sein Urteil am Donnerstagnachmittag bekannt.

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