Krawalle in Bangladesch: Lebenslänglich für islamischen Parteiführer

Aktualisiert

Krawalle in BangladeschLebenslänglich für islamischen Parteiführer

Ein Führer der grössten islamischen Partei Bangladeschs muss lebenslänglich in den Knast – für 42 Jahre alte Kriegsverbrechen. Seine Anhänger wüten: Bei Protesten wurde ein Mann getötet.

Ein Führer der grössten islamischen Partei Bangladeschs ist wegen Kriegsverbrechen während des Unabhängigkeitskrieges vor 42 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Abdul Quader Mollahs Partei, die Jamaat-e-Islami, hatte aus Protest gegen die Urteilsverkündung am Dienstag zum Generalstreik aufgerufen. Schulen und Geschäfte in der Hauptstadt waren geschlossen. Nach der Urteilsverkündung kam es zu Zusammenstössen von Demonstranten und Polizei. Ein Mann wurde getötet, es gab mehrere Verletzte.

Die Opposition hatte den Prozess scharf kritisiert. Sie sieht darin den Versuch, den Widerstand gegen die Regierung von Ministerpräsidentin Sheikh Hasina zu brechen. Menschenrechtsgruppen hatten Zweifel an der Fairness des Prozesses angemeldet.

Wegen Zivilisten-Massaker angeklagt

Richter Obaidul Hasan verlas in dem vollbesetzten Gerichtssaal das 131 Seiten lange Urteil. Mollah und fünf weiteren Führungsmitgliedern der Jamaat-e-Islami wurden Verbrechen gegen die Menschlichkeit in dem neun Monate langen Unabhängigkeitskrieg gegen Pakistan 1971 vorgeworfen. Mollah wurde unter anderem von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, eine Rolle bei der Tötung von 381 unbewaffneten Zivilpersonen gespielt zu haben. Mollah hat diesen und fünf weitere Anklagepunkte zurückgewiesen.

Im vergangenen Monat ist das erste Mitglied der Partei Jamaat-e-Islami von dem Tribunal verurteilt worden. Abul Kalam Azad erhielt die Todesstrafe. Die Partei hat den Behörden vorgeworfen, aus politischem Kalkül den Prozess angestrengt zu haben. Die Behörden haben das zurückgewiesen.

Wichtiger Zeuge verschwunden

Internationale Menschenrechtsgruppen haben kritische Fragen zum Prozessverlauf gestellt. So verschwand ein wichtiger Zeuge der Verteidigung. Jamaat-e-Islami war ein wichtiger Bündnispartner der früheren Ministerpräsidentin Khaleda Zia, eine langjährige politische Rivalin der derzeitigen Regierungschefin Sheikh Hasina. Zia hat das Tribunal als Farce bezeichnet, während Hasina Zia aufforderte, nicht länger jene zu unterstützen, die gegen die Unabhängigkeit gekämpft hätten.

Nach der Urteilsverkündung kam es in der Millionenstadt Chittagong zu gewalttätigen Ausschreitungen. Unterstützer der Jamaat-e-Islami sollen Polizisten mit Steinen beworfen haben. Diese feuerten in die Menge, ein mann kam ums Leben, mehrere wurden verletzt. (sda)

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