Appellationsgericht BS: Lebenslänglich für Mittäter bei «Exekution» im Café 56 bestätigt

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Appellationsgericht BSLebenslänglich für Mittäter bei «Exekution» im Café 56 bestätigt

Im März 2017 wurden zwei Männer in Basel erschossen, ein dritter lebensbedrohlich verletzt. Das Strafgericht verurteilte einen Verdächtigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Appellationsgericht bestätigte diese. Als nächstes kommt es vor das Bundesgericht.  

von
Steve Last
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Im März 2017 wurden in Basel zwei Männer getötet und ein dritter lebensbedrohlich verletzt.

Im März 2017 wurden in Basel zwei Männer getötet und ein dritter lebensbedrohlich verletzt.

AFP
Die Bluttat erschütterte die Stadt. Ein Tatverdächtiger stellte sich kurz darauf der Polizei, ein zweiter tauchte unter.

Die Bluttat erschütterte die Stadt. Ein Tatverdächtiger stellte sich kurz darauf der Polizei, ein zweiter tauchte unter.

Tamedia/Martin Regenass
Das Strafgericht verurteilte den gefassten Mann wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Das Strafgericht verurteilte den gefassten Mann wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

20min/Steve Last

Darum gehts

  • Der Doppelmord vom Café 56 in Basel beschäftigt weiterhin die Justiz.

  • Die vom Strafgericht verhängte lebenslange Freiheitsstrafe für einen Verdächtigen wurde in zweiter Instanz bestätigt.

  • Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Es wird auch vor dem Bundesgericht verhandelt.

Ein Abend im Café 56 endete im März 2017 in einem Blutbad. Gemäss Ermittlungen betraten zwei Männer das Lokal im Kleinbasel und töteten zwei Gäste mit Schüssen, verletzten einen dritten lebensbedrohlich. Ein Tatverdächtiger stellte sich knapp 24 Stunden später der Polizei und wurde im Dezember 2018 vom Strafgericht wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und einem Landesverweis von 15 Jahren verurteilt. Die Kammer sprach von einer «Exekution», einer «kaltblütigen Abrechnung».

Gegen den Entscheid legte er Einspruch ein und der Fall wurde in zweiter Instanz vor dem Appellationsgericht Basel-Stadt verhandelt. Dieses hat sein schriftliches Urteil am Donnerstag in anonymisierter Form öffentlich gemacht. Es bestätigte die Schuldsprüche und das Strafmass des Strafgerichts. Jedoch sei noch eine Einsprache vor Bundesgericht hängig. Damit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Freispruch gefordert

Der Beschuldigte wollte von allen Vorwürfen freigesprochen werden und forderte, dass die Verhandlungskosten von über 100’000 Franken vom Staat bezahlt werden. Dass er zum Tatzeitpunkt in der Nähe der Waffe war, aus der die tödlichen Schüsse abgefeuert wurden, war angesichts der Beweislage kaum zu bestreiten. Allerdings hatte das Strafgericht offengelassen, welcher der beiden von Videoaufnahmen aufgezeichneten Männer tatsächlich geschossen hatte.

Die Kriminaltechnik hatte festgestellt, dass alle Schüsse aus der gleichen Waffe abgefeuert wurden, also wohl von nur einem Täter. Da man ihm nicht eindeutig nachweisen könne, dass er der Todesschütze war, forderte er gemäss Einsprache einen Freispruch im Zweifel. 

Mittäterschaft erwiesen

Das Appellationsgericht gestand diese Unschärfe zu, sah sie aber nicht als ausreichend, um den Beschuldigten freizusprechen. Die beiden Männer – der andere wurde in der Zwischenzeit in Holland verhaftet und konnte befragt werden – hätten im Sinne einer «Kommandooperation» gehandelt. Die Tat sei geplant gewesen und beide sollen Beiträge zu mehrfachem und versuchtem Mord geleistet haben. Dabei spiele es keine Rolle, wer am Ende geschossen habe, wenn die Tat ohne den anderen nicht zustande gekommen wäre.

Die Hintergründe der tödlichen Schüsse bleiben indes unklar. Sowohl bei den Beschuldigten wie auch bei den Opfern handelt es sich um albanische Staatsangehörige. Es bestehen womöglich Verbindungen zum organisierten Verbrechen, möglicherweise zum illegalen Drogenhandel. Diese Vermutungen konnten aber in keiner der beiden Gerichtsverhandlungen erhärtet werden. 

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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