Aktualisiert 03.05.2006 11:36

Lebenslange Haft für Kannibalen gefordert

Der Kannibale von Rotenburg soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zu lebenslanger Haft wegen Mordes in Tateinheit mit Störung der Totenruhe verurteilt werden.

Sie forderte am Mittwoch ausserdem bei den Plädoyers vor dem Frankfurter Landgericht, dass eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wird. Danach würde der Angeklagte Armin Meiwes nicht bereits nach 15 Jahren verbüsster Haft freigelassen werden dürfen.

Staatsanwalt Marcus Köhler sagte, Meiwes habe den 43-jährigen Bernd B. aus sexuellen Motiven und niedrigem Beweggrund getötet und «wie ein Stück Vieh geschlachtet». Er habe damit absolute Kontrolle über seinen «Fetisch Menschenfleisch» und zugleich Gefühle der Macht und Dominanz erlangen wollen. Für seine Tat sei er voll verantwortlich.

Staatsanwältin Annette von Schmiedeberg beantragte, wegen der hohen Wiederholungsgefahr eine besonders schwere Schuld festzustellen. Der Angeklagte habe aus eigensüchtigen Motiven gehandelt. «Er ging dabei buchstäblich über Leichen», sagte Schmiedeberg. Bernd B. sei ein seelisch schwer gestörter Mensch gewesen. Meiwes habe dies ausgenutzt und ihn nach dem Tod noch verhöhnt. Seine menschenverachtende Gesinnung komme darin zum Ausdruck, dass er Menschen in Güteklassen eingeteilt und sie als «Langschweine» bezeichnet habe. Frauen seien für Meiwes nur «Nachzuchtmaschinen für Menschenfleisch».

Nach Ansicht der Staatsanwältin besteht die Gefahr, dass Meiwes auch Menschen töten würde, die nicht ihr Einverständnis erklären. So habe er davon fantasiert, einen Anhalter zu verspeisen oder einen Ausländer, den niemand vermissen würde.

Staatsanwalt Köhler begründete das Mordmotiv der sexuellen Befriedigung damit, dass Meiwes mit dem Tatvideo einen «Film für sein Kopfkino» produzieren wollte. Nur mit Hilfe seiner Fantasie und von realen Bildern war er laut Gerichtsgutachter in der Lage, sexuelle Befriedigung zu erreichen.

Meiwes hatte sich über das Internet mit dem 43-jährigen Berliner Diplom-Ingenieur Bernd B. verabredet, der von einem «Superorgasmus» durch Abtrennen seines Penis fantasierte und eine Tötung dafür in Kauf nahm. Meiwes entmannte ihn am 9. März 2001 in seinem Fachwerkhaus im nordhessischen Rotenburg-Wüstefeld. Stunden später tötete er ihn mit Messerstichen in den Hals und zerteilte die Leiche. Aus dem Fleisch bereitete er sich Mahlzeiten zu.

Wesen des Opfers nicht interessiert

Die Darstellung des Angeklagten, er habe eine enge Bindung zu einer Art Bruder erreichen wollen, sah Köhler als widerlegt an. Vielmehr habe Meiwes vom grössten Kick seines Lebens gesprochen und sich für das Wesen von B. nicht interessiert. Das Einverständnis des Opfers mit der Tötung habe auf einer extremen Form des sexuellen Masochismus beruht.

Milderungsgründe lägen nicht vor. Meiwes fehle jegliche Reue und zeige sich uneinsichtig, erklärte der Staatsanwalt. Er sei stolz auf seine Tat und habe sie sogar «mit Anflügen von Heiterkeit» geschildert.

Das Tatvideo diente Meiwes nach Ansicht der Ankläger nicht nur als Mittel zur Selbstbefriedigung. Er habe es auch bei der Suche nach neuen Opfern genutzt. Auch habe sich Meiwes als «wahrer Menschenschlächter» darstellen wollen.

Für den Nachmittag waren die Plädoyers der Verteidigung vorgesehen. Das Urteil sollte am 9. Mai verkündet werden. (dapd)

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