Aktualisiert

Den HaagLebenslange Haft für Srebrenica-Massaker

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat zwei ehemalige bosnisch-serbische Offiziere wegen des Massakers von Srebrenica zu lebenslanger Haft verurteilt.

Vujadin Popovic (rechts) und Ljubisa Beara wird nach dem Urteil das Lachen wohl vergangen sein.

Vujadin Popovic (rechts) und Ljubisa Beara wird nach dem Urteil das Lachen wohl vergangen sein.

Wegen des Massakers von Srebrenica hat das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zwei ehemalige bosnisch- serbische Offiziere zu lebenslanger Haft verurteilt. Fünf weitere Angeklagte erhielten am Donnerstag Freiheitsstrafen zwischen fünf und 35 Jahren.

Der Prozess war der bisher grösste des UNO-Tribunals zur Ahndung von Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien. Das Gericht verhängte die Höchststrafe gegen den 53-jährigen Vujadin Popovic und den 70-jährigen Ljubisa Beara wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen.

Das Tribunal sah es zudem als erwiesen an, dass die Angeklagten - in unterschiedlich schwerer Form - an systematischen Angriffen auf die muslimisch-bosnische Zivilbevölkerung beteiligt waren. Sie alle hätten auf der Basis der so genannten Direktive 7 gehandelt, die seinerzeit vom Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, als Anleitung für gezielte Massaker erlassen worden sei.

Sollten die Urteile gegen Beara und Popovic im Berufungsverfahren bestätigt werden, wären sie die ersten Srebrenica-Täter, die rechtskräftig wegen Völkermordes bestraft wurden.

«Treibende Kraft des Mordunternehmens»

«Die einzige Strafe, die es dafür geben kann, ist lebenslang», sagte der Vorsitzende Richter Carmel Agius. Das Gericht beschrieb Beara als die «treibende Kraft hinter dem Mordunternehmen». Popovic habe von dem Vorhaben zu zerstören nicht nur gewusst, sondern vielmehr selbst die Absicht zur Zerstörung gehabt.

Neben Popovic und Beara mussten sich die ehemaligen Armeeoffiziere Vinko Pandurevic, Ljubomir Borovcanin und Drago Nikolic - der Sicherheitschef der berüchtigten Zvornik-Brigade, die seinerzeit die Angriffe auf Srebrenica anführte - wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor dem UNO-Tribunal verantworten.

Den ehemaligen Generälen Milan Gvero und Radivoje Miletic waren Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen worden. Nikolic wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt, Pandurevic zu 13, Borovacinin zu 17. Miletic wurde zu 19 Jahren Gefängnis, Gvero zu fünf Jahren verurteilt.

Auf nicht schuldig plädiert

Die Anklage hatte lebenslange Haftstrafen für alle sieben Beschuldigten gefordert. Alle Angeklagten plädierten während des Verfahrens auf nicht schuldig. Der Prozess hatte im Juli 2006 begonnen, vernommen wurden 315 Zeugen.

Bosnisch-serbische Milizen hatten in der UNO-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995, wenige Monate vor Ende des Bosnien-Krieges, rund 8000 Muslime verschleppt und getötet. Das Massaker von Srebrenica war das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Wegen des Massakers wurde General Radislav Krstic, der die bosnisch-serbischen Truppen bei der Einnahme Srebrenicas befehligte, 2004 wegen Völkermordes in einem Berufungsverfahren zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Ende Oktober begann in Den Haag der Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Noch immer gesucht wird der damalige Armeechef Ratko Mladic. Er wurde in Abwesenheit wegen Völkermordes angeklagt. (sda)

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