Kriitk an «Heuschrecken»: Lebensmittel-Spekulation trifft die Ärmsten
Aktualisiert

Kriitk an «Heuschrecken»Lebensmittel-Spekulation trifft die Ärmsten

Die Hilfsorganisation Misereor kritisiert die massive Zunahme der weltweiten Spekulation mit Nahrungsmitteln. Das sei fatal - vor allem für Menschen die an der Armutsgrenze leben.

Der Börsenfachmann Dirk Müller, der das katholische Hilfswerk Misereor als Experte berät, bezeichnete die Entwicklung als «pervers». «Spekulation ist ein wesentlicher Treiber für schwankende und stark steigende Preise für Mais und Weizen», sagte Müller am Freitag in Berlin. «Seitdem der Markt gelockert wurde, haben sich die Investoren wie Heuschrecken auf Geschäfte mit Nahrungsmitteln gestürzt.»

Dies habe zu riesigen Schwankungen bei den Lebensmittelpreisen geführt. «Das ist fatal, besonders für Menschen an der Armutsgrenze», sagte Müller. «Wenn die Preise steigen, trifft das vor allem die 2,9 Milliarden Menschen, die mit weniger als zwei Dollar täglich überleben müssen», fügte Misereors Agrarreferent Benjamin Luig hinzu.

Die Dosis macht das Gift

Die Spekulation an sich sei nicht verwerflich, sagte Müller. «Aber wie so oft macht auch hier die Dosis das Gift.» Er empfahl, die Investitionen in Grundnahrungsmittel global zu beschränken. Mit einer Anhebung des Eigenkapitalanteils bei Investitionen in den weltweiten Nahrungsmittelmarkt könne die überbordende Spekulation eingedämmt werden.

Mit Blick auf das Treffen der G20-Finanzminister in Paris und das Treffen des UN-Komitees für Ernährungssicherheit in den kommenden Wochen forderte Misereror die Bundesregierung auf, sich für eine stärkere Regulierung einzusetzen. «Für den Handel mit Rohstoffen muss es Obergrenzen für die Positionen geben, die ein einzelner Spekulant halten darf», sagte Luig.

Im August hatte bereits die Hilfsorganisation Oxfam politische Schritte gegen die schwankenden Lebensmittelpreise gefordert. «Schöne Worte wurden genug gewechselt, nun müssen Taten folgen», sagte die Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Die Staats- und Regierungschefs der G-20 hätten bislang nicht genug getan, um den hungernden Menschen zu helfen.

(dapd)

Deine Meinung