Aktualisiert 09.04.2020 07:03

Fehlende Solidarität?

«Lebt in einer Blase» – Toni Kroos scharf kritisiert

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten möchte der Deutsche von Real Madrid nicht auf Lohn verzichten. Das stösst vor allem auf Unverständnis.

von
dpa/fas
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Real Madrids Mittelfeldspieler Toni Kroos sieht sich aktuell heftiger Kritik ausgesetzt.

Real Madrids Mittelfeldspieler Toni Kroos sieht sich aktuell heftiger Kritik ausgesetzt.

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In einem Podcast des SWR hat der deutsche Nationalspieler angesprochen auf einen möglichen teilweisen Lohnverzicht gesagt:  «Auf das Gehalt zu verzichten, ist wie eine Spende ins Nichts oder an den Verein, wobei es hier nicht nötig ist.»

In einem Podcast des SWR hat der deutsche Nationalspieler angesprochen auf einen möglichen teilweisen Lohnverzicht gesagt: «Auf das Gehalt zu verzichten, ist wie eine Spende ins Nichts oder an den Verein, wobei es hier nicht nötig ist.»

Getty Images/Boris Streubel
Das kam nicht gut an. Unter anderem beim bekannten spanischen Sportjournalisten Tomas Roncero (l.). Kroos habe gezeigt, «dass er sich nicht um das Unternehmen schert, das ihn bezahlt».

Das kam nicht gut an. Unter anderem beim bekannten spanischen Sportjournalisten Tomas Roncero (l.). Kroos habe gezeigt, «dass er sich nicht um das Unternehmen schert, das ihn bezahlt».

Getty Images/Juan Naharro Gimenez

In Spanien ist der deutsche Fussball-Nationalspieler Toni Kroos wegen seiner ablehnenden Haltung zu einem Gehaltsverzicht in die Kritik geraten. Der Mittelfeldspieler von Rekordmeister Real Madrid wird von Medien und Fans unter anderem als unsolidarisch und realitätsfremd getadelt, nachdem er sich gegen eine Kürzung seiner Bezüge in der Corona-Krise ausgesprochen hatte.

«Er muss auf die Erde zurückkehren. Er hat eine Gefühlslosigkeit gezeigt, die mir wehtut», sagte der in Spanien bekannte Journalist Tomás Roncero von der Zeitung «AS» in einer TV-Talkrunde in der Nacht zum Mittwoch. Kroos habe gezeigt, «dass er sich nicht um das Unternehmen schert, das ihn bezahlt». Das sei «wie eine Ohrfeige», meinte der frühere Goalie und ehemalige Trainer Jorge D'Alessandro in derselben Sendung. «Dieser Mann lebt doch in einer Blase, in einer anderen Welt.»

Anders als Barça und Co.

Der 30 Jahre alte Kroos hatte im SWR-Podcast «Steil extra!» gesagt: «Auf das Gehalt zu verzichten, ist wie eine Spende ins Nichts oder an den Verein, wobei es hier nicht nötig ist.» Zahlreiche andere Teams in Spanien hatten bereits erklärt, dass ihre Profis auf einen Teil des Lohns verzichten möchten. Beim ewigen Konkurrenten Barça beispielsweise liessen sich die Fussballer den Lohn während der Corona-Krise um 70 Prozent kürzen – und zahlen noch etwas mehr drauf, um den Vereinsangestellten den vollen Lohn zu garantieren.

Am Mittwochabend zog nun doch auch Kroos' Arbeitgeber Real Madrid nach und reduzierte das Gehalt seiner Profis um zehn Prozent. Sollte die Saison 2019/20 abgebrochen werden, würde die Kürzung bei 20 Prozent liegen, teilte der Verein mit. Von der Massnahme sind auch die Basketball-Profis betroffen. Von dem eingesparten Geld sollen die finanziellen Einbussen der zahlreichen anderen Angestellten des Vereins gemildert werden.

In den Online-Ausgaben der Medien kritisierten zahlreiche Leser Kroos' Haltung. «Er sollte sich schämen, sich einer Gehaltskürzung zu widersetzen, wenn viele nichts zu essen haben», schrieb ein Leser von «AS». Ein anderer forderte: «Ein bisschen Solidarität, bitte.» Spanien ist eines der vom Coronavirus am schwersten betroffenen Länder in Europa.

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1 Kommentar
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MaPhiA

29.04.2020, 20:58

er muss die kohle echt nötig haben... obwohl, er als mittelklasse fussballer wird bestimmt von existenzängsten geplagt und ist auf jeden euro angewiesen...🤑