Katastrophe in Japan: Leck im AKW Fukushima abgedichtet
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Katastrophe in JapanLeck im AKW Fukushima abgedichtet

Nachdem tagelang radioaktives Wasser ins Meer geflossen war, konnte das Leck beim Atomkraftwerk behoben werden. Den Erfolg verdanken die Arbeiter einer neuen Methode.

Aus dem havarierten Atommeiler Fukushima 1 in Japan fliesst kein hochradioaktives Wasser mehr ins Meer. Betreiber Tepco teilte mit, das Leck mit Hilfe von Wasserglas geschlossen zu haben.

Techniker von Tokyo Electric Power (Tepco) hatten sich seit Tagen bemüht, Risse in einem Betonschacht zu schliessen. Dabei füllten sie Beton sowie eine Mischung aus Sägespänen, Zeitungen und Kunstharz in den Schacht.

Der Durchbruch gelang, als sie Wasserglas - eine Silizium- Verbindung - in den Boden unterhalb des Schachts pressten. Nahe des Atommeilers sank die radioaktive Belastung im Pazifik. Die Belastung mit radioaktivem Jod lag nur noch 600-mal über dem zulässigen Grenzwert nach zuvor 4800-mal.

Doch noch immer bleibt das Problem, wie die rund 60 000 Tonnen kontaminiertes Meereswasser gelagert werden sollen, mit denen die Brennelemente gekühlt wurden. Neben dem Ablassen verstrahlten Wassers ins Meer plant Tepco, Tanks zu bauen, die so viel Wasser aufnehmen können wie sechs Olympia-Schwimmbecken. Zudem soll ein Schwimmtank umgebaut und eingesetzt werden.

Kühlsystem bleibt Problem

Tepco-Arbeiter bemühten sich zudem, das Kühlsystem in vier durch das Erdbeben und den Tsunami beschädigten Reaktorblöcken wieder in Gang zu setzen. Bis dieses Problem gelöst ist, muss mit Meerwasser gekühlt werden, um eine Überhitzung der Brennelemente und eine Kernschmelze zu verhindern.

Die Zeitung «Sankei» berichtete, die Regierung und Tepco überprüften derzeit, ob für drei Reaktoren ein externes Kühlsystem neu gebaut werden könnte, um die Brennelemente von aussen zu kühlen.

Um weitere Explosionen zu verhindern, will Tepco Stickstoff in einen Meiler leiten. Es bestehe die Gefahr, dass sich durch die beschädigten Brennstäbe Wasserstoff im Reaktorgebäude angesammelt habe. Solcher Wasserstoff hatte schon zu Beginn der Krise zu Explosionen geführt.

Befürchtungen der Nachbarländer

In Nachbarländern wie Südkorea und China löste das Abpumpen des Wassers ins Meer Besorgnis aus. Die Regierung in Tokio kündigte an, den Nachbarn detaillierte Erklärungen zur Verfügung zu stellen. Experten zufolge stellt das Ablassen des schwachradioaktiven Wassers ins Meer keine Gesundheitsgefahr für Menschen dar.

«Die eigentliche radioaktive Belastung ist gering und durch die Vermischung mit grossen Mengen an Meerwasser liegt die endgültige Belastung unter den gesetzlichen Grenzwerten», sagte der Radiobiologe Pradip Deb vom Royal Melbourne Institute of Technology.

Murray Jennex von der San Diego State University warnte jedoch, dass demnächst auch wieder hochradioaktives Wasser in den Pazifik abgelassen werden müsse.

EU will Grenzwerte anpassen

Die Europäische Union will angesichts grosser Besorgnis in der Öffentlichkeit strengere Grenzwerte für Lebensmittel aus Japan in Kraft setzen.

Voraussichtlich am Freitag werden die EU-Mitgliedsländer beschliessen, die Maximalbelastung für Cäsium-134 und Cäsium-137 in Europa an den in Japan geltenden Höchstwert anzugleichen, wie ein Kommissionssprecher in Brüssel erklärte. Dieser liegt bei 500 Becquerel. In Europa liegt der entsprechende Grenzwert derzeit bei 1250 Becquerel. Dieser Wert gilt auch für die Schweiz.

(sda)

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