Aktualisiert 14.06.2008 13:07

Euro 2008Leere Ränge im 9. Stadion

Gähnende Leere und gedrückte Stimmung im Fanstadion in Bubendorf (BL). Der Aufmarsch an Fans ist bedeutend kleiner, als von den Organisatoren erwartet.

von
Simon Amacher

Eine Viertelstunde vor Beginn des wichtigen Spiels Italien gegen Rumänien herrscht auf dem riesigen Parkplatz vor dem Fanstadion gähnende Leere. Nur rund ein Dutzend Autos stehen auf dem für rund 1500 Autos ausgelegten Parkplatz. Auch von EM – Euphorie ist nichts zu spüren. Man hört nur Geschrei und aufgeregtes Gekicher von einigen kleinen Kindern, die mit ihren Eltern hergekommen sind. Vereinzelte Fans stehen vor den beiden Kassen, um Geld zurückzuverlangen, da sie für ihre schon lange gekauften Tickets viel zu viel bezahlt haben. Denn die Organisatoren haben den Preis für die Tickets wegen den wegbleibenden Fans massiv senken müssen. Anstatt 50 Franken, kostet ein Sitzplatz nur noch 20 Franken. Für Kinder unter 15 Jahren sind die Stehplätze sogar gratis, Erwachsene zahlen immerhin noch 5 Franken für einen Stehplatz.

Für viele Fans ist dies immer noch zu teuer und so pilgern viele in die Gratisfanzonen nach Basel.

Im Stadion ist die Situation noch viel prekärer. Rund 50 Fans liegen gemütlich auf dem Kunstrasenfeld und die Tribünen sind nur sehr spärlich besetzt. Einzelne Blöcke bleiben sogar ganz leer. Nur rund 500 der 6500 Tickets konnten die Organisatoren für das Spiel Italien – Rumänien absetzen. Am Mittwoch beim Spiel Schweiz – Türkei waren es immerhin rund 3000 Tickets. Doch auch dies entspricht nicht einmal einer Auslastung von 50% – eine Katastrophe für die Organisatoren. Die einzige Stimmung im Fanstadion kommt von den Fangesängen der Fans im „richtigen" Stadion, die aus den Lautsprechern dröhnen. Die VIP Tribüne ist besetzt mit UEFA – Volunteers und Zivilschützern, da es für sie nichts zu tun gibt. Vom VIP – Balkon aus sieht man auf das nahezu leere Fancamp, das zurzeit nur von der Sicherheitsfirma des Stadion als Schlafplatz benutzt wird und die Bar im VIP – Bereich macht einen lächerlich kleinen Umsatz von rund 30 Franken pro Abend.

Das wegbleiben der Fans, im sehr schön und aufwendig gemachten Fanstadion, scheint auf den ersten Blick unverständlich. Denn alles ist toporganisiert, das Ambiente ist einladend und genügend Parkplätze sind auch vorhanden. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Organisatoren zu hoch gepokert haben. Es wurde mit der gleichen Euphorie gerechnet, wie sie in Deutschland während der WM herrschte. Doch leider ist diese aufgrund der schlechten Resultate der Schweizer Nati gar nicht erst aufgekommen. Dazu kommt noch, dass in der Region ein zu grosses Angebot herrscht an Fanzonen. Auch das herbstliche Wetter machen die Organisatoren verantwortlich für die schlechte Auslastung. Grosses Vorbild für das Stadion in Bubendorf war die Adidas Arena in Berlin. Offensichtlich ein zu grosses Vorbild.

Die Folgen dieser Fehlkalkulation trägt in erster Linie der Kanton Baselland, der eine Defizitgarantie von 1.2 Millionen gesprochen hat. Das Restrisiko trägt die Messe Schweiz, die die operative Führung und die Organisation des Fanstadions inne hat. Der einzige Lichtblick der dem wirklich schön gelungen, aber leider leeren Fanstadion in Bubendorf noch bleibt, ist der Gruppensieg der Holländer. Denn jetzt werden in Basel über 80'000 holländische Fans erwartet. Bitter benötigte Fans für Bubendorf. Doch es bleibt die Frage, ob diese dann auch den Weg nach Bubendorf finden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.