Aktualisiert 27.03.2020 08:40

Im Verhältnis

Leere Strassen sorgen für mehr Schnellfahrer

Weil viele Menschen derzeit zu Hause bleiben müssen, gibt es weniger Unfälle und Einbrüche. Einige nutzen die freien Strassen, um aufs Gaspedal zu drücken.

von
Daniel Graf
1 / 96
Die Coronavirus-Erkrankungen nehmen in der Schweiz von Tag zu Tag zu. Das könnte für Spitäler zum Problem werden.

Die Coronavirus-Erkrankungen nehmen in der Schweiz von Tag zu Tag zu. Das könnte für Spitäler zum Problem werden.

Keystone/Alessandro Crinari
Sollten die Kapazitäten nicht mehr genügen, müssten Ärzte im schlimmsten Fall über Leben und Tod entscheiden. Helfen sollen ihnen dabei neue Richtlinien.

Sollten die Kapazitäten nicht mehr genügen, müssten Ärzte im schlimmsten Fall über Leben und Tod entscheiden. Helfen sollen ihnen dabei neue Richtlinien.

Alessandro Crinari
Arbeitgeber müssen für Arbeitnehmer spezielle Massnahmen treffen, damit sie weiterhin ihre Arbeit verrichten können. (Symbolbild)

Arbeitgeber müssen für Arbeitnehmer spezielle Massnahmen treffen, damit sie weiterhin ihre Arbeit verrichten können. (Symbolbild)

Keystone/Alexandra wey

«Seit dem Entscheid des Bundesrats, den Notstand auszurufen, ist bei uns jeder Tag wie ein Sonntagmorgen», sagt eine Mitarbeiterin von Viasuisse zu 20 Minuten. Viasuisse ist das Schweizer Kompetenzzentrum für Verkehrs- und Unfallmeldungen. «Die Rechnung ist einfach», sagt die Mitarbeiterin: «Weil es derzeit weniger Autos auf den Strassen hat, haben wir von allem weniger: weniger Staus, weniger Unfälle, weniger Meldungen.»

Teilweise nur noch halb so viele Autos unterwegs

Dass derzeit weniger Autos auf den Strassen sind, bestätigt Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra): «Der innerstädtische Verkehr dürfte deutlich zurückgegangen sein, auf den Autobahnen beträgt der Rückgang zwischen 25 und 35 Prozent.» Auf einigen Autobahnabschnitten ist der Verkehr laut neusten Zahlen des Astra gar um 65 Prozent zurückgegangen.

Das schlägt sich auch in der Bilanz der Kapo Zürich nieder: «Aufgrund der aktuellen Situation stellen wir einen Rückgang der Unfallmeldungen fest», sagt Mediensprecher Ralph Hirt. Konkrete Zahlen sind bei den Kantonspolizeien derzeit noch nicht erhältlich.

Lockerer Verkehr verleitet dazu, schneller zu fahren

Die fast leeren Strassen verleiten einige Autofahrer offenbar dazu, schneller zu fahren. Laut Andreas Mock, Dienstchef der Solothurner Polizei, kann an einzelnen Standorten bei den Geschwindigkeitsmessungen eine höhere Übertretungsquote festgestellt werden. Sprich: Im Verhältnis zur Anzahl Fahrzeuge auf der Strasse fahren mehr Autofahrer zu schnell als bei normalem Verkehrsaufkommen. Deshalb werden die Geschwindigkeitskontrollen laut Mock trotz weniger Verkehr nicht reduziert.

In Luzern seien zwar nicht mehr Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt worden, sagt Kapo-Mediensprecher Urs Wigger: «Es kann aber durchaus sein, dass gewisse Personen dazu verleitet werden, etwas schneller zu fahren, wenn der Fahrzeugverkehr nicht so dicht ist.»

Kaum Einbrüche

Laut Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, sind derweil kaum Einbrüche oder Einschleichdiebstähle zu verzeichnen. «Jährlich registrieren wir ungefähr 1850 solche Delikte», sagt Mediensprecher Hanspeter Krüsi. Das entspricht im Schnitt rund fünf Delikten pro Tag, wobei es saisonale Schwankungen gebe. «In normalen Zeiten gibt es aber durchaus Tage mit zehn und mehr Einbrüchen», sagt Krüsi. Seit der Bund die Massnahmen weiter verschärft habe, würden bloss noch vereinzelt Einbrüche gemeldet. «Ein Grund dafür ist sicher, dass viele Leute zu Hause sind und der Wohnraum für die Einbrecher daher unattraktiv ist», sagt Krüsi.

Plätze, Gastrobetriebe und Rotlichtmilieu kontrolliert

Dafür leistete die Kapo St. Gallen seit Inkrafttreten des Versammlungsverbots im öffentlichen Raum 190 Einsätze, um dessen Einhaltung zu überprüfen. So habe sie etwa zwischen Mittwoch- und Donnerstagmorgen mehrere Meldungen erhalten, dass sich an diversen Plätzen mehrere Jugendliche befänden, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Bei den anschliessenden Kontrollen seien vor allem kleine Verstösse festgestellt worden, in wenigen Fällen hätten die Personengruppen erneut auf die Gegebenheiten aufmerksam gemacht und weggeschickt werden müssen.

Auch Rotlicht-Etablissements, Verkaufsgeschäfte und Take-aways sind laut Krüsi kontrolliert worden. Dabei seien keine Verstösse festgestellt worden. In zwei Gastbetrieben seien aber Personen im kleinen Rahmen bewirtet worden. «Den Betreibern wurde unmissverständlich klargemacht, dass dies nicht mehr erlaubt ist. Sie wurden aufgefordert, den Betrieb umgehend einzustellen. Bei einem erneuten Verstoss droht den Wirten eine Anzeige», sagt Krüsi.

Fehler gefunden?Jetzt melden.