Offizielles Präsidenten-Foto: Leere, wo Trumps Porträts hängen sollten
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Offizielles Präsidenten-FotoLeere, wo Trumps Porträts hängen sollten

In Amerikas Amtsstuben fehlen die offiziellen Fotos des Präsidenten und seines Vizes. Grund: Trump mochte sich bislang nicht ablichten lassen.

von
sut
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Nur das Foto rechts von Vizepräsident Mike Pence ist ein offizielles Porträt. Jenes von US-Präsident Trump ist keines - er hat sich noch nicht dafür fotografieren lassen.

Nur das Foto rechts von Vizepräsident Mike Pence ist ein offizielles Porträt. Jenes von US-Präsident Trump ist keines - er hat sich noch nicht dafür fotografieren lassen.

Weisses Haus
Womöglich schaut Trump auf dem Bild etwas zu aggressiv in die Kamera. Deshalb hängt vorderhand noch kein Porträt des US-Präsidenten in den fast 10'000 von der Regierung genutzten Gebäuden.

Womöglich schaut Trump auf dem Bild etwas zu aggressiv in die Kamera. Deshalb hängt vorderhand noch kein Porträt des US-Präsidenten in den fast 10'000 von der Regierung genutzten Gebäuden.

whitehouse.gov
Das Foto der First Lady Melania Trump ist sicher sehr gut retuschiert.

Das Foto der First Lady Melania Trump ist sicher sehr gut retuschiert.

whitehouse.gov

In den Medien ist Donald Trump allgegenwärtig. An den Wänden seiner Ämter ist er absent. Nach bald acht Monaten im Weissen Haus hat es der US-Präsident nicht über sich gebracht, ein Porträt von sich selbst schiessen zu lassen.

Wie die «Washington Post» schreibt, fehlen daher die offiziellen Fotos des Präsidenten, die eigentlich die Eingangsbereiche von 9600 Bundesgebäuden zieren sollten. Die staatliche Druckerei, «Government Printing Office» (GPO) genannt, hat noch immer keine Vorlagen erhalten, die sie vervielfältigen könnte. «Das GPO steht bereit, um Kopien von Fotos des Präsidenten und des Vizepräsidenten zu reproduzieren, damit sie für amtliche Zwecke verwendet werden können», sagt der Sprecher der Druckerei. Und nein, es gebe keinen Zeithorizont.

Merkwürdig für Trump

Das Fehlen der Porträts ist eigenartig bei einem US-Präsidenten, der wie kaum ein anderer stets auf sein Image schaut. Bekanntlich hing in seinem Golfklub in Mar-a-Lago einmal ein Fake-Titelblatt des Magazins «Time» mit seinem Konterfei. «Man sollte meinen, dass Trump sein Porträt überall in alle Bundesgebäude verstreuen würde», sagt der Historiker Douglas Brinkley, ein Kritiker des 45. US-Präsidenten.

Trumps Vorgänger Barack Obama liess sich noch vor der Amtseinsetzung für ein Porträt ablichten, das er dann rasch in einer Auflage von 130'000 drucken liess. Die Fotos hingen schon an den Wänden, als er erst drei Monate im Amt war. Bei Bill Clinton habe es ein bisschen länger gedauert, schreibt die «Post». Doch seine Fotos und die von Vize Al Gore seien im Juni 1993 gehangen.

Manche improvisieren

Weil sie nicht warten wollten, haben einzelne Amtsvorsteher zur Selbsthilfe gegriffen. Wie die «Burlington Free Press» berichtete, benutzten die Grenzwächter in Swanton, Vermont, ein Trump-Foto von der Inaugurationszeremonie. Andere Ämter laden Bilder von der Website des Weissen Hauses herunter. Von Vizepräsident Mike Pence und seiner Frau liefert die Website offizielle Porträts, aber nicht von Trump und Gattin Melania. Auf dem provisorischen Foto blickt der Präsident streng in die Kamera, im Hintergrund sind das Weisse Haus und eine amerikanische Flagge zu sehen.

Wichtige Departemente halten mit Improvisationen zurück, weil sie dem Präsidenten nicht zuvorkommen wollen. In den Departementen für Energie und Wohnbau sowie im wichtigen Aussenministerium finden sich daher auch keine Porträts der zuständigen Minister. Sobald die offiziellen Porträts vorhanden seien, werde man sie in allen Büros im In- und auch im Ausland aufhängen, verspricht das State Department.

Zaudern auch bei Besetzungen

Trumps «Trödeln» passt indes zum langsamen Rhythmus der Amtsbesetzungen. Laut «Newsweek» hat der US-Präsident erst 124 von jenen über 1000 Posten besetzt, die der Senat absegnen muss. Zum Vergleich: Obama hatte zum gleichen Zeitpunkt schon 315 Positionen besetzt, George W. Bush 294.

Im Weissen Haus wird die Schuld für die Verzögerungen den Demokraten zugeschoben, die bei den Bestätigungsverhandlungen Bremsmanöver inszenierten. In Wahrheit hat Trumps Team aber auch viel weniger Namen vorgeschlagen.

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