Aktualisiert 11.05.2017 10:41

Mobbing«Leg dich doch einfach unter den Zug»

Die Fälle von Cybermobbing nehmen zu. Gegen die perfide Form der Gewalt gibt es keinen Rückzugsraum. Eine neue Kampagne soll dem nun entgegenwirken.

von
ehs

Mit einem neuen Präventionsvideo und einer Handyinstallation will die Stiftung Elternsein auf die Gefahren des Cybermobbings aufmerksam machen.

«Leg dich einfach unter den Zug, du hilfst uns allen damit», schreibt Luca im Klassenchat einem Mitschüler. Dessen Vergehen: Er hatte sich zu oft im Unterricht gemeldet. «Da würde er sich selber und der Welt einen Gefallen tun», doppelt ein weiterer Mitschüler nach.

Chat-Verläufe wie diese werden immer häufiger. In der Schweiz wird jedes vierte Kind in sozialen Netzwerken schikaniert oder gar bedroht. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Jugendstudie James.

Keine Pause vom Mobbing

Im Whatsapp-Chat oder auf Facebook sind solche Sätze noch schneller gesagt als im realen Leben. Wer die Täter nicht leiden sieht, wird noch brutaler. Das Perfide am Cybermobbing: Es hört nie auf. Selbst zu Hause im Kinderzimmer werden die Kinder von den Beleidigungen und Drohungen im Netz eingeholt.

Die Fälle von Cybermobbing nehmen seit Jahren zu – und können in Extremfällen bis zu Depressionen, vollständiger Isolation oder Suizid führen. Befeuert wird die Debatte derzeit von der Netflix-Serie «13 Reasons Why», die den Suizid einer Teenagerin an einer US-Schule nacherzählt und mit eindringlichen Szenen das Publikum schockt.

Echte Texte von echten Opfern

In der Schweiz soll nun eine neue Kampagne auf das wachsende Problem aufmerksam machen. Die Stiftung Elternsein lanciert am Mittwoch dazu ihr Projekt «Wenn Worte weh tun».

Die Stiftung hat sich dafür eine Handy-Installation ausgedacht. Während man das Smartphone in der Hand hält, erhält man dabei echte Chat-Texte, die sieben reale Opfer auf ihr Handy geschickt bekamen.

Je nach Aggressionsstufe werden zudem Stromstösse ausgesendet. «Mit unserer Kampagne wollen wir Jugendliche dafür sensibilisieren, wie viel Leid sie mit Worten anrichten können», sagt Thomas Schlickenrieder, Geschäftsführer der Stiftung. Cybermobbing könne schlussendlich nur dann wirksam bekämpft werden, wenn die Medienkompetenz gestärkt werde.

(ehs/20 Minuten)

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