Aktualisiert 08.03.2013 10:07

Wohl wegen HerzstillstandLega-Präsident Giuliano Bignasca ist tot

Der Tessiner Politiker Giuliano Bignasca ist in der Nacht auf heute verstorben, als Todesursache wird ein Herzstillstand vermutet. Der Bau- und Medienunternehmer wurde 67 Jahre alt.

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fum/jam/mmi

Giuliano Bignasca lebt nicht mehr. Der Gründer und «Präsident auf Lebenszeit» der rechtspopulistischen Partei Lega dei Ticinesi verstarb in der Nacht auf Donnerstag in seinem Haus in Canobbio. Er wurde 67 Jahre alt. Vermutlich habe Bignasca einen Herzstillstand erlitten, sagte Norman Gobbi gegenüber der SDA. Allerdings würden derzeit noch Untersuchungen zur genauen Todesursache durchgeführt.

Gestern Abend nahm Bignasca - im Tessin «Nano» (Zwerg) genannt - an einer Parteiveranstaltung teil. «Er war fröhlich wie immer», sagt Lega-Staatsrat Marco Borradori. Auch Erasmo Pelli, Vize-Bürgermeister von Lugano, hat Bignasca gestern am Mittag noch getroffen. «Es ging ihm blendend und er hat seine üblichen Scherze gemacht», so Pelli.

Tessiner Medienberichte, wonach sich Bignasca noch am Abend in ärztliche Behandlung begeben habe, wurden vom entsprechenden Spital bis anhin weder dementiert noch bestätigt. Sicher ist: Die Putzfrau des Lega-Führers hat heute Morgen um 8.29 Uhr einen Notruf abgesetzt. Die Wiederbelebungsversuche der Ärzte waren danach nicht erfolgreich.

Umtriebiger Politiker

Enttäuscht von der FDP rief Bignasca 1991 die Protestpartei Lega ins Leben. Von 1999 bis 2003 und während sechs Monaten im Jahr 1995 sass er im Nationalrat. Zuletzt war er als Regierungsmitglied der Stadt Lugano für das Departement Bauten und Immobilien zuständig. 1990 gründete er zusammen mit dem späteren Lega-Mitstreiter Flavio Maspoli das Gratis-Sonntagsblatt «Il Mattino della Domenica», das er regelmässig für seine Polit-Kampagnen verwendete.

Als Reaktion auf den Tessiner Markteintritt von «20 Minuti» lancierte die Lega im September 2011 zudem «10 Minuti». Als Chefredaktor fungierte Boris Bignasca, der Sohn von Giuliano. Nach 77 Ausgaben war Schluss, die Gratiszeitung musste im Juni 2012 eingestellt werden.

Mehrere Gerichtsverfahren

Gegen den notorischen Kokain-Konsumenten Bignasca wurden mehrere Gerichtsverfahren wegen Ehrverletzung eröffnet. In seiner Parteizeitung hatte er regelmässig Politiker kritisiert, die nicht auf seiner Linie waren. Auch wegen Verstosses gegen das Antirassismusgesetz wurde gegen Bignasca ermittelt.

Bignasca fiel zudem im August 2007 negativ auf, als er die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft kritisierte. Unter dem Titel «Zu viele Schwarze in der Nationalmannschaft» hatte er in der Parteizeitung geschrieben, die Schweiz sei «kein Kolonialstaat und kein afrikanisches Land. Ein schokoladefarbener Fussballer ist akzeptabel, aber drei, das ist entschieden zu viel.» Der Schweizer Fussballverband schrieb damals in einer Medienmitteilung, er sei «konsterniert über diese Aussagen».

Reaktionen auf Bignascas Tod

Der Tod von Lega-Präsident Giuliano Bignasca ist das dominierende Thema im Tessin. «In diesem Moment überwiegt die Trauer und das Mitgefühl. Ich behalte ihn als mutigen, grosszügigen und kontroversen Mann in Erinnerung», sagt CVP-Nationalrat Fabio Regazzi gegenüber «tio». SVP-Nationalrat Pierre Rusconi sagt, er habe «einen jahrelangen Freund verloren». Er habe ihn 46 Jahre lang gekannt und «viele Erlebnisse» geteilt. FDP-Präsident Fulvio Pelli bedauert Bignascas Tod zutiefst, auch wenn er in seinem Auftreten «gegenüber vielen Personen zu weit gegangen» sei. Er sei eine Stimme gewesen, welche die Tessiner Politik «lebendig gemacht» habe.

Auch in den sozialen Netzwerken überschlagen sich die Kommentare: «Ciao Nano!», heisst es in Anlehnung an Bignascas Übernamen auf Facebook. Andere schreiben: «Ciao Giuliano - rest in peace!» (fum)

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