«Sein Name bleibt»: Lega will toten Bignasca auf Wahlliste lassen
Aktualisiert

«Sein Name bleibt»Lega will toten Bignasca auf Wahlliste lassen

Im Tessin bahnt sich ein Kuriosum an: Am 14. April werden die Bürger möglicherweise die Möglichkeit haben, den kürzlich verstorbenen Giuliano Bignasca in die Luganeser Stadtregierung zu wählen.

Der verstorbene Lega-Präsident Giuliano Bignasca bleibt möglicherweise Kandidat für die Stadtregierung von Lugano TI. Die Stadt muss in den kommenden Tagen entscheiden, ob der Name des Toten auf den Wahlzetteln für den 14. April stehen bleiben soll.

Den Wunsch, Giuliano Bignasca auf dem Papier weiterhin antreten zu lassen, äusserten Vertreter der Lega dei Ticinesi nach dem plötzlichen Tod des Parteigründers. «Wenn es nach uns geht, bleibt sein Name auf der Liste», sagte sein Bruder und Grossrat Attilio Bignasca am Montag dem Tessiner Radio- und Fernsehen RSI.

Seitens der Stadtverwaltung von Lugano gab es bis Dienstagnachmittag keine Auskunft zu einer allfälligen Entscheidung. Die rechtliche Basis für die formale Beibehaltung der Kandidatur Bignascas sei aber gegeben, sagte Francesco Catenazzi von der Rechtsabteilung des Kanton Tessins gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

«Die Wahllisten für den 14. April sind wenige Tage vor Bignascas Tod rechtskräftig geworden. Theoretisch ist es nicht mehr möglich, sie zu verändern», sagte Catenazzi. Der Druck der Wahlzettel sei dennoch gestoppt worden. Der Lega würde die Möglichkeit eingeräumt, den Namen zu streichen. «Doch wie es aussieht, haben sie daran kein Interesse.»

Kritik im Kanton

Für das Wahlprozedere stelle die Kandidatur eines Verstorbenen kein Problem dar. Die Gemeindewahlen in Lugano, Exekutive wie Legislative, erfolge gemäss Proporz. Es würden die Parteistimmen zählen. «Sobald ein Gewählter nicht antreten kann, rückt jemand nach.»

Dass die Lega möglicherweise mit der Popularität eines Toten auf Stimmenfang geht, gefällt nicht jedem im Kanton. Die Grünen, die selbst nicht für die Exekutive kandidieren, drückten am Dienstag in einem Communiqué ihre Verwunderung aus. Es sei ein heikles Thema, ein Unikum, und müsse seriös geprüft werden.

Die Verdi befürchten, dass nicht emotionale, sondern taktische Motive dahinter stehen. Bedenken äusserte auch der Tessiner Anwalt und Lega-Kritiker Paolo Bernasconi. Er ist überzeugt, dass ein Toter aus dem Stimmregister und damit auch von jeglichen Wahllisten gestrichen werden müsste, wie er der RSI sagte.

Bignascas Sitz in Exekutive vakant

Der aktuelle Sitz von Giuliano Bignasca in der Stadtregierung von Lugano wird bis zu den Gemeindewahlen am 14. April voraussichtlich vakant bleiben. Nachrücker Michele Foletti - Tessiner Grossrats-Präsident - sagte bereits am Freitag, dass er lieber nicht antreten möchte.

Der formale Weg des Nachrückverfahrens würde vermutlich ohnehin mehr Zeit kosten als innerhalb der Legislaturperiode noch bleibe, sagte dazu Francesco Catenazzi aus der Rechtsabteilung des Kantons.

Innerhalb der Lega will erst einmal Attilio Bignasca die Rolle des Partei-Koordinators übernehmen, wie dieser der RSI sagte. Seine Aufgabe sei es bis April, sich um die bevorstehenden Wahlen zu kümmern. Anschliessend werde man weitersehen. (sda)

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