Rentenklau: Legal, aber nicht egal - so sparen Pensionskassen
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RentenklauLegal, aber nicht egal - so sparen Pensionskassen

Das Geld in der 2. Säule muss eigentlich mit einem Mindestsatz verzinst werden. Aber: Mit einem Trick können die Kassen auf das ganze Kapital null Zinsen geben. «Rentenklau», ärgert sich Willi H. Tatsächlich: Er zahlt seinen Zins nämlich selber.

von
Dajan Roman

Willi H., 55 Jahre alt, hat rund 300 000 Vorsorgeguthaben auf seiner Pensionskasse. Noch im Dezember 2008 hat er sich mit 15 000 Franken eingekauft. Er tat dies aus zwei Gründen: Erstens, um Steuern zu sparen, und zweitens möchte er später mit einem Teil des Pensionskassenguthabens die Hypothek auf seinem Haus abzahlen. «Zudem hat ja der Bundesrat den Mindestzinssatz für das Jahr 2008 auf 2,75 Prozent festgelegt, was verglichen mit einem Sparbuch attraktiv und viel sicherer als Aktien ist», erklärt er.

Willi H. staunte nicht schlecht, als ihm im Januar 2009 seine Pensionskasse schriftlich Folgendes mitteilte: Der Stiftungsrat habe beschlossen, den Zinssatz für das Jahr 2008 rückwirkend auf null Prozent zu senken, weil der Deckungsgrad der Kasse nur noch 97,8 Prozent betrage und die Pensionskasse im Jahr 2008 eine Anlagerendite von minus 13,5 Prozent erzielte. «Auf einen Schlag waren über 8000 Franken Zinsen futsch», ärgert sich Willi H.

Rentenklau mit staatlichem Segen

Die Antwort der Pensionskasse hat Willi H. verwundert. Diese schreibt: Trotz vom Bundesrat festgelegtem Mindestzinssatz von 2,75 Prozent sei eine Null-Verzinsung zulässig, da die reglementarischen Leistungen der Pensionskasse deutlich höher seien als vom BVG (Bundesgesetz über die berufliche Altersvorsorge) vorgeschrieben.

Da hat die Pensionskasse (leider) recht. Der Grund ist folgender: Wie Willi H. zahlen die meisten Leute mehr als das gesetzliche Minimum in ihre Pensionskasse ein. Dieser Teil fliesst in das sogenannte überobligatorische Altersguthaben. Damit häuft sich mehr Geld an als gesetzlich vorgeschrieben, was automatisch auch höhere Leistungen als gesetzlich verlangt zur Folge hat.

Juristischer Trick

Pensionskassen in dieser Situation zählen nun die beiden Guthaben (obligatorisch und überobligatorisch) zusammen und geben darauf null Prozent Zinsen. Die Kassen berufen sich auf das sogenannte Anrechnungsverfahren: Der obligatorische Teil des Altersguthabens wird theoretisch wie vorgeschrieben verzinst. Im Fall von Willi H. also mit 2,75 Prozent für das Jahr 2008. Den entsprechenden Zinszuwachs zahlen die Kassen aber nicht etwa mit einem allfälligen Vermögensertrag, sondern ziehen ihn sofort vom überobligatorischen Teil wieder ab. Dies hat Folgen: Das Total des Altersguthabens bleibt gleich hoch, es wird also nicht verzinst – der überobligatorische Teil wird gar mit einem Negativzins belastet.

Mit anderen Worten: Bei einer Nullzinsrunde bezahlen die überobligatorischen Versicherten den eigentlich zwingenden Mindestzins aus dem eigenen Altersguthaben! Willi H. zahlt also seinen Zins selber!

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