Ausgesetzte Hühner: «Legen sie keine Eier, werden sie ausgesetzt»

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Ausgesetzte Hühner«Legen sie keine Eier, werden sie ausgesetzt»

In der Ostschweiz haben Tierschützer mit einem neuen Phänomen zu kämpfen. Immer öfter werden Hühner und Hähne in der Wildnis ausgesetzt.

von
jeh
Bei Happerswil im Kanton Thurgau wurden vergangenes Jahr rund 150 Hühner im Wald ausgesetzt.

Bei Happerswil im Kanton Thurgau wurden vergangenes Jahr rund 150 Hühner im Wald ausgesetzt.

Kein Anbieter/Kapo Thurgau

Erst kürzlich wurden im Gebertinger Wald auf dem Ricken im Kanton St. Gallen vier ausgesetzte Hähne entdeckt. Ein Tierschutzbeauftragter sammelte die Tiere schliesslich ein. Ein neuer Lebensplatz wurde für die Tiere auch schon gefunden. Zudem wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Schlagzeilen machte vergangenes Jahr auch der Fall eines Hanfzüchters, der in einem Waldgebiet bei Happerswil im Kanton Thurgau 150 schlachtreife Mastpoulets aussetzte. Die Tiere mussten kurze Zeit später getötet werden, weil Tierseuchengefahr bestand.

Bringen es nicht übers Herz

Laut Heidy Kessler vom Tierschutz Linth ist das Aussetzen von Hühnern ein neues Phänomen. «Bis jetzt haben wir uns vor allem um Katzen und Nutztiere gekümmert», sagt die Präsidentin der Organisation der «See & Gaster Zeitung». Das Problem sei, dass die Menschen die Tiere als Wegwerf-Objekte ansehen, wenn sie keine Eier mehr legen. «Dann setzt man sie einfach aus», so Sabrina Duft, die ebenfalls für den Tierschutz Linth arbeitet. Dem stimmt Erika Bolt vom Tierschutzverein St. Gallen zu. «Die Leute bringen es vielleicht einfach nicht übers Herz, die Tiere zu schlachten und setzen sie deshalb aus», so Bolt.

786 Hennen gerettet

Bei der Tierhilfe Schweiz ist die Problematik ebenfalls bekannt. «Man erfährt von diesen Fällen in der letzten Zeit immer mehr», sagt Präsidentin Bea Baumann. Dass Menschen die Hühner einfach dem Fuchs bringen, sei äusserst traurig. «Zudem darf man nie vergessen, dass ein solches Verhalten strafbar ist», sagt Baumann. Es gebe deutlich bessere Möglichkeiten, die Tiere abzugeben, wenn man sie nicht mehr halten kann. «Man kann sie zu einem Züchter bringen oder sie professionell einschläfern lassen», so Baumann. Zudem bestehe seit kurzer Zeit auch eine Website, auf der man ausrangierten Legehennen einen neuen Lebensplatz schenken kann. So konnten in diesem Jahr schon 786 Hennen gerettet werden.

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