Rigides Kleiderregime - Walliser Schule verbietet Leggings, kurze Hotpants und rückenfreie Tops
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Rigides Kleiderregime Walliser Schule verbietet Leggings, kurze Hotpants und rückenfreie Tops

An der Orientierungsschule Gampel sind trägerlose Oberteile sowie bauch- und rückenfreie Kleider untersagt. Darf eine Schule derartige Kleidervorschriften erlassen?

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Hotpants sind an der Orientierungsschule Gampel untersagt …

Hotpants sind an der Orientierungsschule Gampel untersagt …

imago/Ralph Peters
… genauso wie auch Leggings.

… genauso wie auch Leggings.

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Über die gesetzliche Grundlage der Kleidervorschriften sind sich eine Anwältin und eine Mitarbeiterin der Dienststelle für Unterrichtswesen nicht einig.

Über die gesetzliche Grundlage der Kleidervorschriften sind sich eine Anwältin und eine Mitarbeiterin der Dienststelle für Unterrichtswesen nicht einig.

imago/Ralph Peters

Darum gehts

  • Eine Walliser Schule verbietet unter anderem trägerlose und bauchfreie Oberteile.

  • Der Schweizerische Lehrerverband LCH erachtet präventive Kleiderordnungen als wenig sinnvoll, in bestimmten Situationen seien sie aber nötig.

  • Bei einer Strassenumfrage zeigten Jugendliche und junge Erwachsene wenig Verständnis für die Praxis der Schule.

Hinsichtlich Kleidervorschriften gibt es unter Schweizer Schulen beträchtliche Unterschiede. Eine besonders strenge Regelung kennt die Orientierungsschule (OS) Gampel, wie der «Walliser Bote» schreibt. Verboten sind gemäss Hausordnung folgende Kleidungsstücke: trägerlose Oberteile, transparente Kleider, bauch- und rückenfreie Kleider, kurze Hotpants und Leggings. Derartige Kleidung wird von der Schulleitung als provozierend oder freizügig erachtet.

Darf die Schule derart in die Kleidungsfreiheit der Lernenden eingreifen und Verstösse ahnden? Ja, darf sie. Tanja Fux, Adjunktin der Dienststelle für Unterrichtswesen, verweist auf das Reglements betreffend Urlaube und die im Rahmen der obligatorischen Schulpflicht anwendbaren Disziplinarmassnahmen, wo es in Artikel 6 heisst: «Die Schüler sollen sauber und anständig gekleidet sein, für die Schule passend und entsprechend den Schulvorschriften.» Bei Nichteinhaltung könnten Disziplinarmassnahmen ergriffen werden.

Vorschriften manchmal nötig

Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH, ergänzt, dass Schulen zwar Kleiderregeln erlassen und in die Hausordnung schreiben dürften. Der Verband erachte die präventive Einführung solcher Vorschriften aber als wenig zielführend. In bestimmten Situationen seien sie jedoch angezeigt. «Wenn sich Schülerinnen und Schüler etwa allzu freizügig kleiden oder sich rassistische, sexistische oder menschenverachtende Aufdrucke auf Kleidern häufen, muss man das thematisieren», sagt Peterhans.

Ob es an der OS Gampel ein Problem mit aufreizender Kleidung gab oder es gar zu Übergriffen kam, bleibt offen; weder die Schuldirektion noch das Schulinspektorat wollten gegenüber 20 Minuten Stellung beziehen.

Jugendliche wenig begeistert

Bei einer Strassenumfrage in Bern sorgte die Praxis der Schule grösstenteils für Unverständnis. Jennifer (19) empfindet sie als einschränkend und altmodisch: «Eigentlich sollte man in der heutigen Zeit mehr Freiheiten haben und den Leuten vermitteln, dass sie alles tragen können. Solche Vorschriften finde ich unangemessen.» Melanie (16) merkt an, dass vorwiegend Mädchen von den Kleiderregeln betroffen seien: «Ich finde, dass es da mehr Gleichberechtigung geben sollte. Alle sollten tragen dürfen, was sie wollen.» Gregory (25) räumt zwar ein, dass der Unterricht darunter leiden könne, wenn die Lernenden «fast gar nichts mehr anhaben». Besser als Vorschriften seitens der Schule fände er aber, wenn diese den Dialog mit den Eltern suchen würde.

Laut LCH-Zentralsekretärin Peterhans müssen Schulen letztlich eine gesunde Balance finden: Den Jugendlichen die Freiheit zugestehen, Kleiderstile auszuprobieren und auch mal aus der Norm auszubrechen, ihnen zugleich aber auch aufzeigen, dass Freizeit und Arbeit zweierlei sind und man sich der jeweiligen Situation angemessen zu kleiden hat.

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(sul)

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