«Legt Waffen nieder» – Falscher Selenski sorgt mit Deepfake für Chaos
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Deepfake-Video«Ukrainer, packt eure Waffen ein und geht heim» – falscher Selenski schockt

In einem Clip erklärt scheinbar Wolodimir Selenski, Ukraines Präsident, die Kapitulation. Das Video ist gefälscht. Der sogenannte Deepfake wird nun aktiv von Online-Plattformen gelöscht.

von
Tobias Bolzern
Jonas Bucher
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Im Netz ist ein Deepfake-Video aufgetaucht, in dem angeblich Wolodimir Selenski sprechen soll.

Im Netz ist ein Deepfake-Video aufgetaucht, in dem angeblich Wolodimir Selenski sprechen soll.

IMAGO/ZUMA Wire
Der Ukraine-Präsident ruft im Video zur Kapitulation auf.

Der Ukraine-Präsident ruft im Video zur Kapitulation auf.

Screenshot
Der Fake wurde schnell entlarvt. 

Der Fake wurde schnell entlarvt. 

IMAGO/ZUMA Wire

Darum gehts

  • Im Internet ist ein Clip aufgetaucht, der angeblich Wolodimir Selenski zeigt. 

  • Im Video erklärt der ukrainische Präsident, dass er sich nun verabschiede.

  • Doch: Das Video ist vollständig gefälscht. Es ist ein sogenannter Deepfake.

«Liebe Ukrainerinnen und Ukrainer!», so beginnt ein Video, das derzeit im Internet die Runde macht. «Präsident zu sein, ist nicht so einfach gewesen», erklärt die Person, die aussieht wie Wolodimir Selenski, weiter. Was dann folgt, passt so gar nicht zum Bild, das vom ukrainischen Präsidenten in den letzten Tagen gezeigt wurde. «Es gibt kein Morgen mehr. Jedenfalls nicht bei mir. Ich schlage vor, ihr packt eure Waffen ein und geht zurück zu euren Familien», heisst es im Video. Aus gutem Grund: Sowohl Bild und Ton sind gefälscht.

Der Clip wurde über den Sender und die Social-Media-Kanäle von Ukraine 24 verbreitet. Der TV-Sender teilte im Anschluss eine entsprechende Warnung und gab bekannt, dass sie gehackt wurden. «Die Meldung über die Kapitulation ist falsch. Ein Fake. Wir wurden von feindlichen Hackern gehackt», heisst es in einer Mitteilung. Laut Vice.com hat bisher keine Gruppierung den Angriff auf den TV-Sender reklamiert.

Die Fake-Botschaft wirkt auf den ersten Blick durchaus überzeugend. Selenskis Kopf bewegt sich natürlich, die Stimme ist der des ukrainischen Präsidenten ähnlich und ebenso tief. Verräterisch wirken aber das unnatürliche Blinzeln, ein falscher Akzent und dass der Kopf des Fake-Präsidenten so aussieht, als ob er einfach auf ein Foto des Körpers aufgesetzt wurde.

Selenski dementiert

Nachdem der Fake-Clip die Runde gemacht hatte, teilte Ukraine 24 einen Clip des Präsidenten. Darin dementiert der echte Wolodimir Selenski die Behauptungen und versichert, dass die Ukraine nicht kapituliert hat. Offizielle Vertretende von Facebook, Youtube und Twitter erklärten, das Video sei von ihren Plattformen entfernt worden, weil es gegen die Richtlinien verstosse. In den russischen sozialen Medien, wie Vkontakte.ru, wurde das betrügerische Video hingegen hochgepusht. «Ich vermute, dass dieses Video nur die Spitze des Eisbergs ist», sagt Hany Farid, Professor an der University of California, gegenüber dem National Public Radio. Farid ist Experte für digitale Medienforensik

Warnung vor Deepfakes

Es ist noch nicht klar, wer das Deepfake erstellt hat. Die Ukraine warnt jedoch schon seit Wochen vor der Möglichkeit, dass Russland manipulierte Videos als Teil seiner Informationskriegsführung verbreiten könnte.

Bereits Anfang März hat der offizielle Kanal der Landstreitkräfte der Ukraine vor dem Einsatz der Technologie gewarnt. «Deepfake-Videos werden durch maschinelle Lernalgorithmen erstellt. Sie sind kaum von echten zu unterscheiden. Ziel dieser Botschaften ist es, Bürger zu desorientieren, Panik und Verzweiflung zu säen und unsere Truppen zur Kapitulation zu bewegen», heisst es in einem Facebook-Beitrag. Auch der ukrainische Verteidigungsnachrichtendienst warnte schon vor dem Einsatz.

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Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

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Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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