Aktualisiert 01.07.2013 19:22

Bekennerbrief aufgetauchtLegte ein frustrierter Büezer die Rohrbomben?

Die Rohrbomben in Zürich-Seebach wurden gezielt gelegt – aus Rache an einer Firma. Dies teilt der mutmassliche Bombenbastler in einem Bekennerschreiben mit.

von
wed/ann

Im Zusammenhang mit den am vergangenen Mittwochmorgen in Zürich-Seebach gefundenen Bomben ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Der Verfasser, der möglicherweise aus der linken Szene stammt, wollte angeblich mit einer Firma auf dem Areal abrechnen. Dem Unternehmen unterstellt er Fehlleistungen. Aufgrund der Art des Bekennerschreibens könnte es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter handeln.

Die Bombe sollte offenbar den Chef des Unternehmens treffen. «Ich kann nichts dazu sagen», so der Firmenchef gegenüber 20 Minuten. Er sei aber betroffen und auch erschrocken. «Gegen mich gabs noch nie Drohungen. Ich habe alle meine Mitarbeiter informiert.» Den Namen seiner Firma möchte er nicht in den Medien nennen.

Stefan Oberlin, Sprecher der Zürcher Kantonspolizei, bestätigt Kenntnis des Bekennerschreibens. Mehr könne er dazu nicht sagen, der Fall sei bereits bei der Staatswanwaltschaft.

Bekenner will sich stellen

Der Verfasser beschreibt in seinem Text auch die zwei Bomben. Die zweite hätte einen Feuerball gegeben, aber niemanden verletzt. Das habe er mit der Bauart und dem Abstand zum Tor sichergestellt. Die erste hätte bloss einen Böllereffekt gehabt und niemals ausgereicht, um Schaden anzurichten. Bei allen Unbeteiligten, die durch den Sprengsatz erschreckt wurden, entschuldigt sich der mutmassliche Bombenleger.

Offenbar will er sich selbst der Polizei stellen. «Meine Abrechnung erfodert leider auch meine Verhaftung, werde mich entsprechend einfinden», schreibt der mutmassliche Bombenleger in seinem Bekennerbrief.

Die Bomben hatte Martin Heussi von der Autogarage Heussi am vergangenen Mittwochmorgen auf den Gleisen zwischen zwei Firmen entdeckt. Eine war schon detoniert und hatte geringen Schaden angerichtet. «Die zweite war noch ganz. Das Rohr war ungefähr 20 bis 30 Zentimeter lang und fest zugeschraubt. Darauf war ein Zeitzünder installiert. Daneben standen zwei Petflaschen gefüllt mit Benzin», so Heussi.

Äusserst gefährliche Spreng- und Brandvorrichtung

Im Quartier hatte man am Mittwoch noch gehofft, dass es sich um einen Nachtbubenstreich handle. Die Polizei hatte aber von Anfang an von äusserst gefährlichen Spreng- und Brandvorrichtungen geredet.

Den Sprengstoffexperten Günter Schwarz erinnerte die Bauart der Bomben an die dunkle deutsche Geschichte der 70er- und 80er-Jahre. Damals legten die Terrorzellen der Rote Armee Fraktion (RAF) zahlreiche Rohrbomben. «Die RAF hat damit viele Leute getötet. Wenn solche Bomben losgehen, gibt es, wie bei einem Molotow-Cocktail, einen riesigen Feuerball.»

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