Keine Lust mehr: Lehrabgänger flüchten aus der Gastro-Branche
Aktualisiert

Keine Lust mehrLehrabgänger flüchten aus der Gastro-Branche

Im Hotel oder Restaurant zu arbeiten, ist für Lehrabgänger nicht mehr attraktiv: Jeder Zweite verlässt nach der Lehre die Branche.

von
Dominic Benz
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Lehrabgänger der Gastrobranche sind unzufrieden.

Lehrabgänger der Gastrobranche sind unzufrieden.

Keystone/Peter Klaunzer
Rund jeder zweite Lehrabgänger schmeisst seinen Beruf hin und ist vier Jahre nach der Lehre nicht mehr in der Branche tätig, wie das aktuelle Lehrlingsbarometer der Hotel & Gastro Union (HGU) zeigt.

Rund jeder zweite Lehrabgänger schmeisst seinen Beruf hin und ist vier Jahre nach der Lehre nicht mehr in der Branche tätig, wie das aktuelle Lehrlingsbarometer der Hotel & Gastro Union (HGU) zeigt.

Keystone
Schuld an den vielen Abgängen sind laut HGU Arbeitszeiten, Überstunden, Dienstplan und Ferienregelung.

Schuld an den vielen Abgängen sind laut HGU Arbeitszeiten, Überstunden, Dienstplan und Ferienregelung.

Keystone/Martin Ruetschi

Nach der Lehre nichts wie weg. Das sagen sich offenbar viele junge Berufsleute in der Gastro-Branche. Denn rund jeder zweite Lehrabgänger schmeisst seinen Beruf hin und ist vier Jahre nach der Lehre nicht mehr in der Branche tätig, wie das aktuelle Lehrlingsbarometer der Hotel & Gastro Union (HGU) zeigt.

Schuld an den vielen Abgängen sind laut HGU Arbeitszeiten, Überstunden, Dienstplan und Ferienregelung. Gemäss einer früheren Umfrage sind rund ein Drittel der Berufsabgänger damit unzufrieden. Im Bereich Restaurants und Service sind es gar mehr als die Hälfte.

Haben auch Sie die Gastro-Branche verlassen? Warum? Was ist passiert? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte.

«Zimmerstunden abschaffen»

Die HGU will daher in den nächsten Monaten mit den Arbeitgebern neue Arbeitszeitmodelle ausarbeiten. «Eine Möglichkeit ist etwa, die Zimmerstunden abzuschaffen und stattdessen vermehrt Blockzeiten einzuführen», sagt HGU-Marketingchef Roger Lütolf zu 20 Minuten. Der Wunsch nach fixen Arbeitszeiten sei gross. Bei diesen Themen müsse die Branche daher kreativer werden.

Lütolf glaubt nicht, dass der Gastro-Beruf weniger attraktiv geworden ist. Es gebe sehr viele Möglichkeiten, um sich weiterzubilden, etwa mit einer Hotelfachschule. Ein anderes Problem sei aber der Ruf der Branche. «Wir müssen schauen, dass der Beruf in der Gesellschaft besser akzeptiert ist», sagt Lütolf. So würden etwa viele Eltern ihren Kindern abraten, in die Branche einzusteigen. «Doch der Beruf ist ein Handwerk, das viel Leidenschaft erfordert, – und nicht einfach ein Job, um neben dem Studium ein bisschen Geld zu verdienen.»

Mit Ausbildung zufrieden

Die Abgänge haben offenbar mit der Ausbildung selber nichts zu tun. Neun von zehn Befragten geben etwa ihren Ausbildnern gute Noten. Auch das Arbeitsklima empfinden gleich viele als sehr gut bis genügend. Für das repräsentative Lehrlingsbarometer hat die HGU 3800 Lernende in den Bereichen Küche, Hauswirtschaft, Restaurants, Administration und Bäckerei-Konditorei befragt.

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