Aktualisiert 18.09.2018 16:15

Vor Gericht abgeblitztLehrer fällt beim Melken durch Bauernprüfung

Ein Berner Lehrer absolvierte die Landwirtprüfung und fiel durch. Dagegen wehrte er sich vor dem Berner Verwaltungsgericht. Dieses bestätigt jedoch den Entscheid der Experten.

von
bho/ber
Der Lehrer habe sich beim Melken sehr ungeübt verhalten, befanden die Prüfungsexperten.

Der Lehrer habe sich beim Melken sehr ungeübt verhalten, befanden die Prüfungsexperten.

Keystone/Martin Ruetschi

Ein Lehrer aus dem Kanton Bern wollte Bauer werden: Auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte der Mann das Qualifikationsverfahren zum eidgenössisch diplomierten Landwirt. Doch am Ende des Studiums fiel er durch die Abschlussprüfung, weil er im praktischen Teil nur die Note 3,6 erreichte.

Das wollte sich der Lehrer nicht bieten lassen. Er warf den Prüfungsexperten vor, sie hätten ihre Bewertung einzelner Aufgaben nicht nachvollziehbar protokolliert, und beantragte die Anhebung von Teilnoten, sodass er im praktischen Teil auf die Note 4,0 käme.

Vor Verwaltungsgericht blitzte er mit diesem Ansinnen ab, wie aus dem diese Woche publizierten Urteil hervorgeht. Die Beschwerde sei unbegründet, befand das Gericht.

Kälber mit zu kalter Milch getränkt

Die Richter holten unter anderem eine Stellungnahme der Chefexpertin ein. Diese warf dem Prüfling vor, er habe sich beim Melken sehr ungeübt verhalten: Die Handgriffe und Arbeitsabläufe seien nicht flüssig gewesen. Beim Anhängen der Melkbecher sei viel Luft und sogar Stroh angesogen worden – dies führe zu hohen Keimzahlen.

Eine bessere Note war laut Gericht auch darum nicht möglich, weil der Prüfling die Kälber mit zu kalter Milch getränkt habe. Diesen Vorwurf stellte der Beschwerdeführer in Zweifel - auf dem elterlichen Hof würden Kälber immer so getränkt und hätten nur selten Durchfall.

Lehrer muss Gerichtskosten bezahlen

Von diesem Einwand liess sich das Verwaltungsgericht allerdings nicht beeindrucken. Der Vorwurf, die am Prüfungstermin vertränkte Milch sei zu kalt gewesen, lasse sich so nicht aus der Welt schaffen.

Das Verwaltungsgericht wies die Beschwerde ab. Die Kosten des Verfahrens von 1500 Franken soll der Beschwerdeführer übernehmen. Er hat allerdings noch die Möglichkeit, das Urteil ans Bundesgericht weiterzuziehen.

Urs Schneider, Sprecher des Schweizerischen Bauernverbands, spricht von einem EInzelfall: «Die Durchfall-Quote bei Landwirt-Lehrlingen ist mit anderen Berufen vergleichbar und entsprechend tief.» Hinzu komme, dass die meisten nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen auf einen ungenügenden Theorieteil zurückzuführen seien: «In der Praxis bezeugen die meisten Lehrlinge keine Mühe.»

(bho/ber/sda)

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