Aktualisiert 26.06.2018 08:01

«Salär macht Beruf unattraktiv»

Lehrer finden, dass sie zu wenig verdienen

Trotz steigender Anforderungen haben sich die Löhne der Lehrkräfte laut dem Lehrerverband schleppend entwickelt. Nun macht der Verband Druck.

von
bz
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Ein Gymilehrer in Deutschschweiz verdient im 1. Dienstjahr im Schnitt 102'673 Franken. Sein Maximaler Jahreslohn liegt bei 159'070 Franken. In der Sek 137'992 Franken, in der Primarschule 119'586 Franken und im Kindergarten 113'791 Franken.

Ein Gymilehrer in Deutschschweiz verdient im 1. Dienstjahr im Schnitt 102'673 Franken. Sein Maximaler Jahreslohn liegt bei 159'070 Franken. In der Sek 137'992 Franken, in der Primarschule 119'586 Franken und im Kindergarten 113'791 Franken.

Das Lohnbuch 2018 zeigt, wie viel man in anderen Berufen verdient:Apotheker: Die geschätzte übliche Entlöhnung für einen Apotheker ab Studium beträgt 6900 Franken im Monat. Es gibt keinen 13. Monatslohn.

Das Lohnbuch 2018 zeigt, wie viel man in anderen Berufen verdient:Apotheker: Die geschätzte übliche Entlöhnung für einen Apotheker ab Studium beträgt 6900 Franken im Monat. Es gibt keinen 13. Monatslohn.

Keystone/Peter Schneider
Automechaniker: Der Mindestlohn für Automechaniker in der Schweiz beträgt laut GAV 4450 Franken ab dem ersten Berufsjahr.

Automechaniker: Der Mindestlohn für Automechaniker in der Schweiz beträgt laut GAV 4450 Franken ab dem ersten Berufsjahr.

Keystone/Alexandra wey

Vielerorts kämpfen Schulen mit Personalproblemen. Ein Grund sind die Löhne. «Die Saläre der Lehrer sind zu tief. Das macht den Beruf unattraktiv», sagt Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Lehrerdachverbands LCH dem «Tages-Anzeiger». Insbesondere Männer, die häufig lohn- und laufbahnaffiner seien als Frauen, würden davon abgeschreckt. Ausgehend von umfangreichen Daten forderte der LCH die Kantone und Gemeinden nun zum Handeln auf.

Laut Peterhans haben sich die Lehrerlöhne im Vergleich zu anderen Branchen trotz steigender Anforderungen nur schleppend entwickelt. So sind diese heute laut Studien der Wirtschaftsprüfer PriceWaterhouseCoopers und Towers Watson mit jenen von Angestellten in der öffentlichen Verwaltung, in der Industrie und im Finanzdienstleistungsbereich zu vergleichen. Die Analysen im Auftrag des LCH zeigen aber: Bezahlt werden Saläre, die bis zu 80 Prozent unter jenen in diesen Referenzmärkten liegen.

Tiefe Löhne wegen Image des Frauenberufs

Ein Gymilehrer in Deutschschweiz verdient im 1. Dienstjahr im Schnitt 102'673 Franken. Sein Maximaler Jahreslohn liegt bei 159'070 Franken. In der Sek sind es 137'992 Franken, in der Primarschule 119'586 Franken und im Kindergarten 113'791 Franken. Peterhans spricht von einer strukturellen Diskriminierung. Die Löhne hätten sich nur deshalb so schlecht entwickelt, weil der Lehrer- heute längst als Frauenberuf gelte. Je mehr Frauen auf einer Schulstufe arbeiteten, desto tiefer seien die Löhne.

Stefan Denzler, stellvertretender Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, hält es hingegen für sinnvoller, Löhne von Berufsleuten mit ähnlicher Ausbildung als Richtwert heranzuziehen. Im Falle von Primarlehrern seien dies etwa Personen mit einem dreijährigen Fachhochschulstudium. «Dabei stehen die Lehrer sehr gut da.»

Kantone leisten Widerstand

Lehrer finden den Vergleich zu oberflächlich. Franziska Peterhans entgegnet, dass die Lehrer im Unterschied zur Privatwirtschaft keine Aussicht auf eine Karriere mit höherer Entlöhnung hätten. Sie seien deshalb auf eine verlässliche Lohnperspektive mit einem kontinuierlichen Stufenanstieg angewiesen. Auch kritisiert sie, dass die kantonalen Parlamente bei den Lehrerlöhnen ansetzten, wollten sie bei der Bildung sparen. Der LCH fordert deshalb eine gesetzlich verankerte Lohnentwicklung.

Bei den Kantonen findet der Verband wenig Gehör. «Es macht wenig Sinn, national höherer Löhne einzufordern», sagt Silvia Steiner, Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK. Für die Saläre seien die einzelnen Kantone zuständig. Zudem schafften die diesbezüglichen unterschiede eine für die Lehrer positive Konkurrenzsituation.

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