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GoldküstenprüglerLehrer fordern Einsicht in Strafakten

Nach den Vorfällen mit drei prügelnden Zürcher Jugendlichen in München fordern Lehrpersonen und Fachleute, dass die Justiz die Schulbehörden über Gewaltdelikte ihrer Schüler informiert. Entsprechende Forderungen würden seit Jahren gestellt.

Die unbürokratische Weitergabe von Daten über Vorstrafen sei für die Gewaltprävention unerlässlich, teilte der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Zürich (VSLZH) mit. Der VSLZH habe diese Forderung bereits mehrfach vorgebracht.

Der Verband nehme deshalb mit Erleichterung zur Kenntnis, dass man von der Zürcher Regierungspräsidentin Regine Aeppli Schützenhilfe erhalte. Aeppli hatte am Freitag gegenüber verschiedenen Medien betont, es sei wichtig, dass die Schulen über Gewaltdelikte ihrer Schüler Bescheid wüssten.

Ins gleiche Horn wie der Verband der Schulleiter blies am Wochenende auch der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV). Schulbehörden, Schulleitungen und Lehrpersonen seien heute nicht über jugendrechtliche Massnahmen informiert. Dies erschwere es, präventiv zu wirken.

Der ZLV fordert ein raschen Vorgehen, um den Informationsfluss künftig sicherzustellen - unter Wahrung des Datenschutzes. Informationen über problematische Schüler erlaubten den Schulgremien, sich adäquat auf eine schwierige Situation einzustellen und allfällige Risiken besser einzuschätzen.

Gleicher Status für Lehrer

Unterstützung bekommen die beiden Zürcher Verbände von Anton Strittmatter, dem Leiter der pädagogischen Fachstelle beim Schweizerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (LCH). Man müsse der Lehrerschaft endlich den gleichen Status zusprechen, wie ihn Psychologen, Ärzte oder Justizbehörden schon lange hätten, sagte er in einem Interview mit der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag».

Als das Jugendstrafrecht revidiert worden sei, hätten die Lehrer interveniert und verlangt, dass auch sie auf die Liste der Amtsgeheimnisträger aufgenommen werden. Man habe aber ihre Argumente nicht hören wollen.

Er wisse, dass Lehrer in den letzten Jahren immer häufiger auf Schulausflüge verzichtet haben, sagte Strittmatter weiter. Dies habe zwei Gründe: Zum einen wegen Haftungsfragen, die sich sofort stellten, wenn etwas passiere und zum zweiten weil es in der Schule immer häufiger Jugendliche gebe, die man schlicht nicht mehr führen könne.

Keine Hetzjagd

Anderer Meinung ist dagegen Dieter Hebeisen, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Jugendstrafrechtspflege. Wenn Schulleitungen und Lehrpersonen über die Straftaten ihrer Schüler informiert werden, könnte dies zu einer Hetzjagd führen, sagte er am Samstag in der Sendung «Heute Morgen» von Schweizer Radio DRS.

Die Situation dürfe nicht dazu führen, dass alle jugendstrafrechtlichen Vorfälle den Schulen gemeldet werden müssten. Die Information müsse im Sinne aller Beteiligten klar begrenzt werden.

Nicht über Vorstrafen informiert

In der Nacht auf Mittwoch hatten in München drei 16-jährige Schüler aus Küsnacht ZH einen Mann grundlos angegriffen und schwer verletzt. Alle drei Täter sind vorbestraft. Die Jugendlichen sitzen in München in Untersuchungshaft. Laut dem zuständigen Schulpflegepräsidenten waren weder die Schulleitung noch die Lehrpersonen über die Vorstrafen informiert. (sda)

Schweizer Schüler prügeln in München

Drei Schüler aus dem Kanton Zürich sitzen seit Mittwoch in München in Untersuchungshaft. Sie werden des versuchten Mordes und der schweren Körperverletzung beschuldigt. Am Dienstagabend tranken und kifften sie und gingen danach wahllos auf Passanten los. Einen verletzten sie lebensgefährlich. Die Jugendlichen befanden sich mit ihrer Klasse des 10. Schuljahrs der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) in einer externen Kurswoche in München.

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