Bezirksgericht Zürich: Lehrer gab keinen «Porno-Unterricht»
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichLehrer gab keinen «Porno-Unterricht»

Laut Anklage hat ein Deutsch-Lehrer der Kantonsschule Rämibühl seine 14- bis 15-jährigen Zöglinge mittels verbotener Pornographie unterrichtet. Nicht zu beweisen, befand das Gericht.

von
Attila Szenogrady

«Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas in der Schweiz möglich ist», erklärte der heute 48-jährige Angeklagte in seinem Schlusswort vor Gericht. Für den langjährigen Deutschlehrer wurde der Sommer 2009 zu einem Albtraum. Nach der heimlichen Anzeige seitens der Mutter einer Schülerin leitete die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat eine Strafuntersuchung gegen ihn wegen Pornographie ein. Dabei stellte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung auch den privaten Computer des Pädagogen sicher.

Der verdächtige Mann wurde von der Kantonsschule Rämibühl bis Ende 2011 freigestellt und im letzten August von Staatsanwältin Patricia Brunner angeklagt. Demnach hatte der Beschuldigte seine Schülerschaft im Übermass mit Sexualität konfrontiert. So liess er Bücher wie «Die Menschenfresser» von Marlen Haushofer, «Frühlingserwachen» von Frank Wedekind oder «Warum das Kind in der Polenta kocht» von Aglaja Veteranyi als Aufgaben lesen.

Im Rahmen von Prüfungen mussten sich die Schülerinnen und Schülermit Themen wie Masturbation, Schwangerschaften von 14-jährigen Mädchen, inzestuösen Handlungen und Sex mit Gewalt bis zum Tode beschäftigen. Nicht zuletzt führte der Lehrer auch praktische Anlässe durch. So vor den Weihnachten 2008, als er im verdunkelten Schulzimmer indische Musik abspielte und seinen Zöglingen erklärte, sie dürften sich gegenseitig massieren.

Mit Erfolg Freispruch von Hauptvorwürfen verlangt

Am Mittwoch musste sich der Deutschlehrer am Bezirksgericht Zürich verantworten. Bei einem Schuldspruch drohten ihm eine bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 160 Franken sowie eine Busse von 2000 Franken. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld und führte aus, dass niemand seinen Unterricht je beanstandet habe. Bei den Büchern handle es sich um Werke der Weltliteratur. Zudem sei gerade die Sexualität bei den Drittklässlern ein wichtiges Thema.

Verteidiger Christoph Hohler verlangte ebenfalls einen vollen Freispruch und stellte die Anklage als völlig übertrieben dar. Die Vorwürfe seien gesucht und konstruiert, erklärte Hohler und verwies auch auf den angeblichen Vorfall vor Weihnachten. Damals habe es sich bloss um harmlose Schultermassagen gehandelt.

Der zuständige Einzelrichter Thomas Meyer kam bei den Hauptvorwürfen zu einem klaren Freispruch und kritisierte die Staatsanwaltschaft für eine überlange und vor allem nicht substanzierte Untersuchung. Die besorgte Mutter hätte sich besser an den Lehrer oder an den Rektor gewendet, anstatt strafrechtlich vorzugehen, sagte Meyer.

Es könnte was hängen bleiben

Zum Schluss erklärte Meyer, dass das ganze Urteil erst am Donnerstag gefällt werde. Dabei könnte doch noch etwas hängen bleiben. So hat die Staatsanwältin in zwei Nebenpunkten das Herunterladen von Kinderpornographie eingeklagt. Dabei soll der Pädagoge mehrere heruntergeladene Bilder von nackten Mädchen und Jugendlichen bei zum Teil sexuellen Handlungen auf seinem Computer gespeichert haben.

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