Aktualisiert 16.02.2004 20:41

Lehrer im unfreiwilligen Drogenrausch

Ole, ein deutscher Gymnasiast, hat zehn Lüneburger Lehrer in einen Haschisch-Rausch versetzt. Er buk einen Kuchen mit Haschisch und stellte ihn vor dem Lehrerzimmer ab.

Der 19-Jährige gab am Montag vor der Vollversammlung der Lüneburger Herderschule eine Reue-Erklärung ab, in der er den missratenen Streich zutiefst bedauerte. Schulleiter Horst Homburg stellte Ole ein Verbleiben am Gymnasium in Aussicht. Nach Angaben der Polizei wird der 19-Jährige wahrscheinlich sogar ohne einen Prozess davonkommen.

«Vor einigen Tagen habe ich grossen Mist gebaut», sagte der vor dem Abitur stehende Jugendliche vor 700 Schülern und 65 Lehrern der Herderschule und anschliessend noch einmal vor der Presse. Der Haschischkuchen, nach dessen Genuss die zehn Pädagogen im Krankenhaus behandelt werden mussten, habe Lehrer verletzt und geschädigt. Der Gebrauch von Drogen sei nicht lustig und kein Scherz. Den Fehler könne er zwar nicht wieder gut machen. Ole versicherte aber: «Ich möchte mich entschuldigen.» Er habe sich entschlossen, zehn Tage freiwillig in einem Lüneburger Krankenhaus zu arbeiten.

Nach Angaben von Schulleiter Homburg schrieb der Gymnasiast ausserdem an die geschädigten Lehrer einen Entschuldigungsbrief. Die Tat werde von Ole «ehrlich bereut». Die öffentlichen Entschuldigungen, auf die man sich mit dem Schüler geeinigt habe, würden hoffentlich mehr bewirken als eine Strafe, die niemanden nutze. «Wir wollen damit verhindern, dass er von der Schule fliegt», betonte Homburg. Die endgültige Entscheidung über den geplanten Verzicht auf einen Schulverweis liege aber bei der Gesamtkonferenz. Die gegen ihren Willen berauschten Lehrer hätten zum Teil immer noch Schlafprobleme und Ängste.

Die Lüneburger Polizei war nach eigenen Angaben durch einen telefonischen Hinweis eines ehemaligen Herderschülers auf die Spur des Haschischkuchen-Bäckers gekommen. Bei einer Durchsuchung habe man dann am Freitag bei dem Schüler eine Restmenge von zwei Gramm Marihuana und die Backform beschlagnahmt, in der der Kuchen gebacken worden sei. Insgesamt habe das Backwerk neun Gramm Rauschgift in zerhäckselter Form enthalten.

Nicht vorbestraft

Der 19-Jährige habe bei der Durchsuchung frühzeitig ein Geständnis abgelegt und sei nicht vorbestraft, sagte der Lüneburger Kripochef, Roland Brauer. Zwar werde gegen Ole wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt. Die Polizei werde der Staatsanwaltschaft aber vorschlagen, auf eine Anklageerhebung zu verzichten. Die Bezeichnung Scherz oder Streich sei jedoch fehl am Platze, auch wenn der Haschischkuchen «so gemeint gewesen sein mag».

Die Herderschule will nach eigenen Angaben trotz der schlechten Erfahrungen mit dem Haschischkuchen an ihrem Brauch festhalten, über Selbstgebackenes von Schülern Spenden zu sammeln. Drei bis vier Mal die Wochen werde weiterhin von Schülern gebackener Kuchen an die Lehrer verkauft. Aus dem Erlös von einem Euro pro Stück Kuchen finanziere die Schule eine Station zur Messung von Radioaktivität in der Nähe des ehemaligen Atomkraftwerks Tschernobyl. (dapd)

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