03.10.2016 20:43

Pädagogische Hochschule Zürich

Lehrer in spe müssen intime Details preisgeben

Gewicht, Suchtprobleme und psychiatrische Behandlungen: Wer an der Pädagogischen Hochschule Zürich studieren will, muss intime Gesundheitsdetails preisgeben. Das stösst auf Kritik.

von
som
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Wer an der Pädagogischen Hochschule Zürich studieren will, muss ein ärztliches Zeugnis abgeben.

Wer an der Pädagogischen Hochschule Zürich studieren will, muss ein ärztliches Zeugnis abgeben.

Keystone/Walter Bieri
Weil eine Kandidatin zu wenig wog und psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen hatte, musste sie für weitere Abklärungen zur Vertrauensärztin.

Weil eine Kandidatin zu wenig wog und psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen hatte, musste sie für weitere Abklärungen zur Vertrauensärztin.

Keystone/Steffen Schmidt
Obwohl sie am Ende aufgenommen wurde, fand sie das Prozedere «absurd und schikanös.»

Obwohl sie am Ende aufgenommen wurde, fand sie das Prozedere «absurd und schikanös.»

Keystone/Walter Bieri

Eine Frau wollte an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) studieren. Im Rahmen des Aufnahmeverfahrens sollte sie neben einem Strafregisterauszug auch ein ärztliches Zeugnis abgeben. Kandidaten müssen in diesem Attest von ihrem Hausarzt Fragen zu Gewicht, Grösse, Blutdruck, Probleme mit Suchtmitteln, psychotherapeutischen Behandlungen oder Sprachstörungen beantworten lassen.

Die PHZH-Vertrauensärztin sagte der Kandidatin einige Wochen später, dass man aufgrund dieses Zeugnisses Zweifel an ihrer Befähigung für den Lehrerberuf hat. Denn ihr Body-Mass-Index liege unter dem geforderten Grenzwert von 17,5 und sie habe in den letzten fünf Jahren psychologische Beratung in Anspruch genommen.

«Prozedere ist absurd und schikanös»

Also musste sie einen mehrseitigen Fragenkatalog beantworten. Sie sollte bei 140 Aussagen ankreuzen, inwiefern diese zutreffen. «Wer mir schaden will, muss mit meiner Vergeltung rechnen» oder «es gibt übernatürliche Kräfte», stand da etwa. Obwohl sie am Ende aufgenommen wurde, fand sie das Prozedere «absurd und schikanös». Zur NZZ sagte sie: «Ich bin körperlich und psychisch gesund, mein Gewicht ist seit Jahren konstant.»

Laut PHZH-Rektor Heinz Rhyn gibt es keine allgemeinen Ausschlusskriterien für die Lehrerausbildung wie etwa Untergewicht. «Die gesundheitliche Eignung wird immer individuell aufgrund des eingereichten Arztzeugnisses abgeklärt», sagt er. Die Notwendigkeit des ärztlichen Zeugnisses erklärt er mit der physischen und der psychischen Belastbarkeit, die es für diesen Job braucht. Zudem sei die PHZH gesetzlich verpflichtet, den Leumund sowie die persönliche und die gesundheitliche Eignung zu überprüfen.

Zweifel am Nutzen des Zeugnisses

Laut PHZH werden je nach Jahr bei rund 900 geprüften Dossiers zwischen 35 und 60 Personen für zusätzliche Abklärungen zu einem Gespräch mit der Vertrauensärztin der Hochschule aufgeboten. Aus gesundheitlichen Gründen nicht zugelassen wurde in den letzten fünf Jahren nur eine Person, einer weiteren wurden Auflagen gemacht. Ebenfalls zogen mehrere Kandidaten ihre Anmeldungen nach den vertrauensärztlichen Abklärungen zurück.

Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, bezweifelt den Nutzen der ärztlichen Zeugnisse: «Angesichts der ‹Erfolgsquote› und der Datenschutzproblematik ist fraglich, ob dieser Aufwand gerechtfertigt ist.»

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