Aktualisiert 29.11.2018 16:59

Knatsch um private Computer

Lehrer pimpt Schulzimmer für 70'000 Fr und kündigt

Die Schulpflege Schlieren hat einen Lehrer dazu aufgefordert, die privaten Computer aus dem Schulzimmer zu nehmen. Die Schüler sammeln Unterschriften.

von
tam
1 / 3
Ein Lehrer hat in Schlieren sein Schulzimmer mit privatem Material aufgerüstet, unter anderem mit Computern. Die Schulpflege fordert, dass diese nun verschwinden.

Ein Lehrer hat in Schlieren sein Schulzimmer mit privatem Material aufgerüstet, unter anderem mit Computern. Die Schulpflege fordert, dass diese nun verschwinden.

Der Lehrer hat seine Stelle im Schulhaus Kalktarren deshalb gekündigt. Damit fallen auch die beliebten Zusatzkurse weg.

Der Lehrer hat seine Stelle im Schulhaus Kalktarren deshalb gekündigt. Damit fallen auch die beliebten Zusatzkurse weg.

Hoch-Foto-Technik GmbH
Seine Schüler versuchen nun die Schulpflege umzustimmen und haben Flugblätter aufgehängt und Unterschriften gesammelt.

Seine Schüler versuchen nun die Schulpflege umzustimmen und haben Flugblätter aufgehängt und Unterschriften gesammelt.

Für rund 70'000 Franken hat Lehrer Stefan Achermann (54) privat Material für seine Sek-Schüler gekauft. Er hat im Schulzimmer unter anderem die zusätzlichen Computer installiert, die gewöhnlichen Stühle durch bequeme Bürosessel ersetzt und diverse Unterrichtsmaterialien für Geometrie, Zeichnen, Physik und Chemie angeschafft. Nun hat ihn die zuständige Schulpflege aufgefordert, die Computer aus dem Schulzimmer zu entfernen, um «für alle Schüler und Lehrpersonen die gleichen Voraussetzungen zu schaffen».

Dieser Entscheid hat Achermann, der im Schulhaus Kalktarren in Schlieren zwei Sek-Klassen unterrichtet, extrem enttäuscht. «Ich habe für mich und meine Schüler eine kleine Oase geschaffen, in der es uns wohl ist.» Er habe dafür auch nie Geld von der Stadt verlangt. Dass er nun aufgefordert werde, die privaten Installationen wegzubringen, finde er unverständlich. «Ich habe mich deshalb schweren Herzens entschieden, meine Stelle nach zehn Jahren zu kündigen.»

Zusatzkurse würden wegfallen

Das hat Auswirkungen auf den Schulbetrieb. Es fallen zahlreiche Zusatzkurse im Bereich Informatik weg, die Achermann den Sek-Schülern der beiden Schulhäuser Kalktarren und Reitmen anbietet. «Die Zusatzkurse, mit denen ich den Schülern einen Vorteil bei der Berufswahl verschaffen möchte, wären in dieser Form nicht mehr möglich.»

Die Kurse werden auch rege besucht. Mit der Kündigung sind die Schüler deshalb ganz und gar nicht einverstanden. Sie haben am Dienstag im ganzen Schulhaus Flugblätter aufgehängt und eine Unterschriftensammlung initiiert. «Wir wollen ein Zeichen setzen», sagt Schüler Mihajlo S. (14), der sich für einen Zusatzkurs angemeldet hat. «Wenn Herr Achermann geht, fallen die Kurse weg, die uns einen grossen Nutzen bringen.»

«Das ist ein klarer Nachteil für uns»

In seiner Klasse hätten deshalb alle die Petition unterschrieben. «Achermann ist wegen seiner offenen und herzlichen Art sehr beliebt», so der 14-Jährige. Dass er nur während der Zusatzkurse von den bequemen Stühlen profitiere, sei für ihn zweitrangig. «Ich fühle mich nicht unfair behandelt.» Würden aber die Kurse wegfallen, sei das ein klarer Nachteil für ihn.

Die Schulpflege begründet den Entscheid mit diversen Umbauten, die im Schulhaus vorgenommen werden, um die Klassenzimmer auf die Umrüstung auf das neue IT-Konzept vorzubereiten. Das Konzept sehe eine Standardisierung aller Klassenzimmer vor und ermögliche die Umsetzung des Lehrplans 21. «Die Schulpflege hat die erwähnte Lehrperson ersucht, bis Frühling 2019 die privaten IT-Installationen zurückzubauen, damit das Zimmer wie vorgesehen umgebaut und standardisiert werden kann», sagt FDP-Stadträtin Bea Krebs, die Präsidentin der Schulpflege ist.

«Private Geräte sind ein Sicherheitsrisiko»

Es sei für die Schulpflege selbstverständlich, dass mit der Einführung eines neuen Konzepts für alle Schüler und Lehrpersonen die gleichen Voraussetzungen geschaffen würden. Ausserdem würden privat finanzierte Geräte auch ein Sicherheitsrisiko darstellen, da diese nicht durch die Schule gewartet werden. Bürostühle und privat angeschaffte Lehrmittel dagegen seien nicht Thema gewesen. Die Schulpflege akzeptiere Achermanns Entscheid und Kündigung.

Über das Engagement der Schüler ist Achermann, der selbst ehemaliger BDP-Stadtrat von Bremgarten AG ist, erfreut: «Es ist ein schönes Gefühl, wenn sich die Schüler für mich einsetzen. Wenn die Schulpflege anbietet, dass ich das private Material weiterhin verwenden darf, würde ich die Kündigung zurückziehen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.