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Stadt St. GallenLehrer senden alarmierende Signale Richtung Politik

Nach Konflikten wurde in der Stadt St. Gallen das Lehrpersonal bezüglich seiner Zufriedenheit befragt. Die Ergebnisse zeigen die Probleme deutlich auf. Der zuständige St. Galler Stadtrat will Massnahmen prüfen.

von
Michel Eggimann
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In der Stadt St. Gallen haben sich in den letzten Jahren die Beschwerden von Lehrern gehäuft. Unter anderem der Führungsstil in der städtischen Direktion Schule und Musik wurde kritisiert.

In der Stadt St. Gallen haben sich in den letzten Jahren die Beschwerden von Lehrern gehäuft. Unter anderem der Führungsstil in der städtischen Direktion Schule und Musik wurde kritisiert.

KEYSTONE
Deswegen hat der Kantonale Lehrerinnen- und Lehrerverband St. Gallen seine Mitglieder in der Stadt St. Gallen befragt. Die Ergebnisse seien teils alarmierend. Viele Lehrer fühlen sich nur unzureichend unterstützt.

Deswegen hat der Kantonale Lehrerinnen- und Lehrerverband St. Gallen seine Mitglieder in der Stadt St. Gallen befragt. Die Ergebnisse seien teils alarmierend. Viele Lehrer fühlen sich nur unzureichend unterstützt.

stadt.sg.ch
«Die Mehrheit der Befragten fühlt sich im Schulhaus und im Team sehr wohl und sehr gestützt», sagt Markus Buschor, Vorsteher des Departements Bildung und Freizeit.

«Die Mehrheit der Befragten fühlt sich im Schulhaus und im Team sehr wohl und sehr gestützt», sagt Markus Buschor, Vorsteher des Departements Bildung und Freizeit.

buschor.sg

Darum gehts

  • In der Stadt St. Gallen haben sich die Beschwerden von Lehrern gehäuft.
  • Der Kantonale Lehrerverband befragte deswegen seine Mitglieder in der Kantonshauptstadt.
  • Die Lehrer fühlen sich nur unzureichend unterstützt und wertgeschätzt.
  • Nun sollen Massnahmen zur Besserung aufgegleist werden.
  • Der St. Galler Stadtrat nimmt die Ergebnisse ernst und prüft Massnahmen.

Der Kantonale Lehrerinnen- und Lehrerverband St. Gallen (KLV) hatte Grund zur Annahme, dass die wiederholt zum Ausdruck gebrachte Kritik am Führungsstil in der städtischen Direktion Schule und Musik nicht nur auf Einzelfällen beruhte. Denn die Anzahl Beschwerden aus der Stadt St. Gallen war in den letzten beiden Jahren insgesamt deutlich höher als aus den anderen Schulgemeinden im Kanton. Hinzu kamen zwei Gerichtsfälle nach fristlosen Kündigungen, die die Stadt St. Gallen verloren hatte.

Diese Annahme vom Verband wurde nun in einer Umfrage bestätigt. Patrick Keller, Co-Präsident des KLV St. Gallen, sagt: «Die Lehrpersonen in der Stadt St. Gallen fühlen sich nur unzureichend unterstützt und wertgeschätzt. Als sehr bedenklich ist die Tatsache einzustufen, dass lediglich 45 Prozent gerne oder sehr gerne an einer städtischen Schule arbeiten.» Und nur jeder Zweite würde einem nahestehenden Kollegen eine städtische Schule empfehlen.

Gar als «alarmierend» bezeichnet Daniel Thommen, Co-Präsident des Verbandes, die Ergebnisse hinsichtlich der Unterstützung, die die Lehrpersonen von der zuständigen städtischen Direktion in Konflikten mit Schulleitungen und anderen Anspruchsgruppen erhalten. Über die Hälfte der Lehrer habe angegeben, dass sie sich diesbezüglich entweder gar nicht oder nur unzureichend unterstützt fühle.

Aussagekräftige Rücklaufquote

Von den 580 Mitgliedern des Verbandes, die in der Stadt St. Gallen angestellt sind und die Umfrage erhalten haben, haben 253 den Fragebogen vollständig und 24 teilweise ausgefüllt. Das entspricht einer Rücklaufquote von 40 Prozent, und somit haben die Umfrageergebnisse eine hohe Aussagekraft. Die Anonymität der Teilnehmer war laut dem KLV St. Gallen gewährleistet. Verschickt wurde die Umfrage im November 2019. Die Befragung wird in drei Jahren wiederholt.

Massnahmen aufgleisen

Die Ergebnisse sollen nun dazu genutzt werden, anhand der Kritikpunkte das Verbesserungspotenzial zu identifizieren und Massnahmen aufzugleisen. Laut dem KLV St. Gallen bietet ein Veränderungsprozess die Chance, die Konflikte der Vergangenheit ad acta zu legen und positiv in die Zukunft zu gehen.

Markus Buschor, Vorsteher des Departements Bildung und Freizeit der Stadt St. Gallen, sieht die Situation weniger problematisch. Er sagt: «Die Arbeitszufriedenheit der Befragten ist generell hoch, die berufliche Belastung scheint sich in einem vertretbaren Rahmen zu bewegen, der Druck, unter dem gearbeitet wird, wird als eher bis überhaupt nicht gross eingeschätzt und eine Mehrheit ist mit dem Lohn zufrieden.» Trotzdem werde er, mit Blick auf die weniger überzeugenden Teilergebnisse der Umfrage, die Ergebnisse ernst nehmen und aufgrund einer detaillierten Analyse Massnahmen prüfen.

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83 Kommentare
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Mike

05.06.2020, 08:57

@Markus: dann schau dir diese Lohntsbellen doch bitte auch mal an. Seklehrer ab Stufe 12 erhalten in SG 13× CHF 9346.85.

RuediLU

05.06.2020, 08:54

@Willisauer, du hättest Klagen am Hals von Eltern bis ans geht nicht mehr. Die würden dich gleich Verwahren. Heut darf der Lehrer kaum laut werden. Das ist der neue Zeitgeist.

Mike

05.06.2020, 08:54

@The Teacher: Arbeitsweg ist ja auch nicht Sache des Arbeitgebers, nimm den ÖV, zu hsmmern gibt es da nichts. Bei einem Jahreslohn von >100TCHF liegen 700 Stützli ja wohl noch drin!